Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
12. Juli 1198 die neue aus Stein erbaute Jacobskirche eingeweiht vom
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Bischof Jaroslaw († 1201); diese Nachricht ist aber nach den Regesten
z. schles. Gesch. S. 45 unsicher. 1267-68 erwähnen die Regesten die
Pfarrer Golinus und Peregrin von Neiße.]
[125: Diese und folgende Angaben beruhen auf Autopsie des Einsenders,
welcher von den Oertlichkeiten im Herbst vorigen Jahres Kenntniß nahm.]
[126: Im untersten Stock, unter dem großen Thurmfenster erblickt man 2
Wappenschilder mit Hausmarken, welche den betreffenden Kirchenvätern
angehören mögen.]
[127: von Turzo, regierte 1506-20, verwandt mit den aus Ungarn
stammenden schlesischen Grafen Henkel-Donnersmark. Die im 18.
Jahrh. angefertigte Tumba des Bischofs mit seiner rothbraun in
Oel angestrichenen Originalfigur im Breslauer Dome ist in Luchs’
Fürstenbildern auf Tafel 5 abgebildet. Derselbe Kirchenfürst errichtete
1509 das Schloß Johannisberg oberhalb Jauernick in Oestr. Schlesien,
dessen wohl erhaltener Ueberrest bereits die Formen der Antike
nachahmt.]
[128: Im Umgange derselben auf der Rückseite des Hauptaltares ist
senkrecht eingemauert der figurierte Grabstein des Bischofs Wenzel,
Herzogs von Liegnitz (1382-1417), abgebildet bei Luchs, a. a. O. Taf.
2.]
[129: Die Großmutter Christi, Anna.]
[130: cieplo, (poln.) warm, woda Wasser, N. W. 7/4 M. von Münsterberg;
wahrscheinlich hat es seinen Namen von ehemals dort vorhandenen warmen
Quellen.]
[131: Ueber Holztafelbilder und Schnitzereien des Mittelalters in der
Jacobskirche gibt Luchs in Schlesiens Vorzeit, a. a. O. Notizen.]
[132: Im Nekrolog des Klosters (abgedruckt in der Zeitschr. f. Gesch.
Schles. IV, S. 300) erscheint auch sein Name.]
[133: Seine Buchdruckerei übernahm um 1630 ein gew. Gründer aus
Görlitz; dieselbe lag auf der Milchstrasse in der Gegend des heutigen
Theatergebäudes. Eines der ersten gedruckten Werke in Brieg soll eine
italienische Grammatik gewesen sein, in Rücksicht vielleicht auf die
am Hofe geläufige Sprache und die daselbst im 16. Jahrh. bestehende
Künstlercolonie. Die Leichen-Conducte der Brieger Herzoge druckte 1664
Christoph Tschorn; die Beschreibung Schlesiens von Zimmermann 1789 Joh.
Ernst Tramp.]
[134: Der Contract, nach welchem der kunstreiche Maler B. Scherschmidt
1568 die Zifferblätter der Brieger Stadtuhr mit Wappen und Zierrathen
für 90 [Symbol: Reichstaler], 6 Sch. Korn, 1 Achtel Bier und 2 Eichen
aus dem Stadtwalde anfertigen sollte, ist Weißbuch 264 a verzeichnet.
-- Der Uhrmacher Leonhard Buchleiter stellte das Werk selbst her.]
[135: Von dort aus erfolgten Gegenbestrebungen der deutschen Maurer
gegen die italienischen Architekten zu Brieg (cf. Luchs, Bildende
Künstler, S. 16 ff.]
[136: Kreis Brieg.]
[137: Ein Geburtsbrief der Brieger Bauhandwerkerlade hat auf dem
Wachssiegel (16. Jahrh.?) im Wappenschilde Winkelmaß, Hammer und Kelle
mit der Umschrift: Sigl der Meier in Jegerndorf.]
[138: Büsching erwähnt in seiner Geschäftsreise, S. 111, am
Eingange der Pfarrkirche ein altes Bild, aus Holz geschnitten,
1509, Bonaventura. Auch aus der Umgegend von Freistadt werden
Malereien, resp. Schnitzbilder, namhaft gemacht in den Dorfkirchen
von Herzogswalde, Streidelsdorf, Weichau, Großenbohrau (Schles.
Vorz. 28. Ber.); in Milkau bei Freistadt stehen zwei Altarschreine
(Vicariatsacten).]
[139: Ein Goldschmied Georg von Glogau und sein Sohn Vincenz kommen in
Görlitzer Urkunden von 1395-1476 vor.]
[140: Die Hirschberger Umgegend besitzt ansehnliche Ueberreste der
mittelalterlichen Malerei in den Kirchen von Schildau, Buchwald,
Arnsdorf, Kaiserswaldau und Wandmalereien in Schmiedeberg.]
[141: Er starb 1536 und wurde in der Frankensteiner Pfarrkirche
vor dem Hochaltare beigesetzt; sein Grabmal, abgebildet in Luchs’
Fürstenbilder; Tf. 22, verfertigte /Ulricus statuarius lapicida/ aus
Sagan, der sich daran nennt; ein eisernes Gitter darum arbeitete
Meister /Hubrich/ von Frankenstein (ebd.)]
[142: Auch in Görlitz war ehemals eine künstliche Uhr am Rathsthurme
angebracht, welche einen Löwen brüllen ließ.]
[143: Nachträglich hat sich noch ergeben, daß Meister Bernhard bereits
1560 auf der Burggasse in Brieg bei dem alten Marstalle des Herzogs
ansäßig gewesen; die Br. Mittelsprivilegien, in denen ich dies
gefunden, nennen ihn f. 375 b: „Bernhart Wolcken den Walhen.“]
[144: Flügelaltäre von 1506 und 1613 haben sich erhalten in
Güttmannsdorf und Olbersdorf bei Reichenbach. (Vic. Acten.)]
[145: Schnitzaltäre finden sich in der Kreuzkirche und im
Dorotheenhospital zu Sagan; zwei in Hirschfeldau, je einer in
Wittgendorf und Eckersdorf; auch die Umgegend von /Sprottau/ ist reich
an solchen Denkmälern, so in Metschlau drei Klappaltäre, je einer in
Giesmannsdorf und Ottendorf. (ebenda.)]
[146: Ueber ihn und die folgenden Maler gibt nähere Auskunft Knoblich
in seiner Monographie über ihn und Luchs in den „Bildenden Künstlern.“]
[147: Die richtige Jahrzahl hat Grotefend in den Stammtafeln der
schles. Fürsten bis 1740.]
[148: Als Einsiedelei (heremus) Grissobor bereits 1240 genannt und
Benedictinern überwiesen. (Regesten I, 205.)]
Berichtigung.
Im „Wirtembergischen Urkundenbuch“ III, p. 52. beschreibt von Kausler
zwei Siegel an der Kloster Kaisheimer Urkunde vom Jahre 1216 im kgl.
Reichsarchive zu München, wie folgt:
„2) prepositus de Steine (sic!). Siegel rund, darauf ein Lamm mit
Kreuz oder Fahne. Umschrift nicht deutlich... 5) prepositus de Cella.
Länglichrundes Siegel, Figur: Phönix mit ausgebreiteten Flügeln.
Umschrift: ✠ Memento mei.“
Da diese Beschreibung theilweise unrichtig ist, theile ich hier
diplomatisch getreue Abbildungen der beiden Originale mit.
Das Siegel des „prepositus de Steine“ zeigt das Lamm Gottes mit dem
Kreuze, und dessen Legende lautet: „✠ Agnus dei.“
[Illustration]
[Illustration]
Das Siegel des „prepositus de Cella“ ist spitzoval, zeigt den
gewöhnlichen heraldischen Adler, und dessen Legende lautet: „✠ Memento
mei d(omine).“
[Illustration]
Ich besitze einen Bronze- oder Messing-Stempel, dessen Abbildung ich
hier gleichfalls folgen lasse, welcher in der Nähe der Oberamtsstadt
Geislingen (Württemberg) aufgefunden worden sein soll. Derselbe
verräth durch seine rohe Arbeit, durch seinen Stil und durch das Oehr
zum Aufhängen ein sehr hohes Alter und könnte wohl auch aus dem 13.
Jahrh. stammen, und zwar wegen seines Bildes und seiner Legende aus dem
Kloster Steinheim, welches bekanntlich später im Kloster Königsbronn
aufgegangen ist.
Auch auf diesem Stempel, wie auf so manchen mittelalterlichen, fängt
die Legende unten an.
/Kupferzell./ F.-K.
Ein Mysterium des 12. Jahrhunderts aus dem Stifte St. Blasii in
Braunschweig.
Im herzoglichen Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel befindet sich ein
Agendarium, von einer Hand des zwölften Jahrhunderts schön und sauber
geschrieben, welches früher dem Stifte St. Blasii zu Braunschweig
zugehörte. Es hat auf dem Vorsetzblatte, von einer wenig jüngeren Hand
wol um 1200 geschrieben, die nachfolgende Osterfeier. Oben auf der
Seite steht von einer Hand des 14. Jahrhunderts „agenda ecclesie sancti
Blasii.“ Das Mysterium ist durchgehends mit Notenzeichen versehen.
Maria Magdalena et alia Maria ferebant diluculo aromata[149] dominum
querentes in monumento.
Mulieres.
Quis revolvet nobis ab hostio labidem, quem tegere sanctum cernimus
sepulchrum?
Angelus.
Quem queritis, o tremule mulieres, in hoc tumulo gementes?
Mulieres.
Jesum Nazarenum crucifixum querimus.
Angelus.
Non est hic, quem queritis; sed cito euntes nunciate discipulis eius
et Petro, quia surrexit Jesus.
Mulieres veniunt et dicunt discipulis.
Ad monumentum venimus gementes; angelum domini sedentem vidimus et
dicentem, quia surrexit Jesus.
Tunc veniunt discipuli duo ad sepulchrum, dum chorus c[antat.][150]
Currebant duo simul et ille alius discipulus precucurrit cicius[151]
Petro et venit prius ad monumentum.
Illi duo reversi dicant.
Cernitis, o socii, ecce linteamina et sudarium; et corpus non est in
sepulchro inventum. Surrexit[152] dominus de sepulchro.
/Wolfenbüttel./ /Dr. Zimmermann./
FUSSNOTEN:
[149: In _aromata_ ist zwischen dem a und r ein Buchstabe ausradiert
und von anderer Hand ein n geschrieben.]
[150: Hinter _sepulchrum_ ist radiert; über dieser Stelle steht von
anderer Hand geschrieben du _chor^9 c._.]
[151: Hdschr. _precururrit cirius_.]
[152: Hdschr. _surruxit_.]
KANON EUANGELIORUM.
Herr Professor Wattenbach hat in diesem Anzeiger, Jhg. 1869,
Sp. 289 flg. über ein altirisches Evangelienbuch gehandelt,
das, im 6.-7. Jahrh. geschrieben, gegenwärtig der fürstlich
Oettingen-Wallerstein’schen Bibliothek zu Maihingen angehört. Auf der
Innenseite des ersten Blattes befinden sich Verse über den Kanon,
von denen er a. a. O., Sp. 293 nur den Anfang mittheilte. Sie rühren
von der Hand des ursprünglichen Schreibers des Codex Laurentius her
und könnten daher auch von diesem verfaßt sein. Da jener Anfang
mir bekannt vorkam, so erbat und erhielt ich von der Güte des Hrn.
Archivars, Frhrn. Wilhelm v. Löffelholz eine vollständige Abschrift
des Gedichtes, die ich hier abdrucken lasse. Sie zeigt, daß dasselbe
identisch ist mit einem bisher dem Alkuin zugeschriebenen, welches
zuerst Quercetanus (Alchwini opera p. 1686) aus einer seitdem
verschollenen Handschrift, dann nach ihm mit manchen neuen Fehlern
Frobenius (Alcuini opera II, 204) herausgab. Schon Duméril (Poésies
populaires antérieures au XII. siècle, p. 85) bemerkte, daß dasselbe
in vierzeilige Strophen zerfalle, deren Zeilen je 11 Silben, meist
mit einer Cäsur nach der vierten Silbe, zählen und auf einander
reimen. Durch die Entdeckung Wattenbachs hat sich nicht blos ein sehr
berichtigter Text ergeben, sondern es ist dadurch auch festgestellt
worden, daß wir diese Verse nicht Alkuin beilegen dürfen, sondern sie
um etwa hundert Jahre älter halten müssen.
I. Quam in primo speciosa quadriga,
homo leo uitulus et aquila,
(LXXI) LXX unum per capitula
de domino conloquntur paria.
II. In secundo subsequente protinus
homo eo loquitur et uitulus,
quibus inest ordinate positus
(CVIIII) centum in se atque VIIII numerus.
III. Tum deinde tercio in ordine
homo et bos loquitur cum uolucre,
numero quo consistunt antiquae
(XXII) alfabeti Ebreorum litterae.
IIII. Quarto loco fatentur aequalia
una leo homo atque aquila
uno ore loquentes kapitula
(XXVI) uerbi summi sena atque uicena.
V. Quinta uice concordant in loquela
homo prudens atque mitis hostia
(LXXXIII) Iesu Christi emitantes[153] agmina
Iuda sine saluatori credula.
VI. Ecce sexto pari sonant clamore
natus Adam cum clamoso leone
conputati traditis pro munere
(XLVIII) sacerdotum oppidis in honore.
VII. En loquntur septies in septimo
(VII) homo auis consona de domino.
VIII. In octauo nunc leonis catulus
dei uerba profert atque uitulus,
(XIII) quorum simul conputatur numerus
adiecto Paulo apostolicus.
VIIII. Nonus ordo in quo duo pariter
conloquntur uitulus et uolucer
(XXI) inspirati sensu spiritaliter
proloquntur ternum septipliciter.
X. Homo nimpe[154] uerbum profert proprium
(LXII) sexaginta et per duo numerum.
rugientemque leonem audies
(XVIIII) solum sane decies et nouies,
bouem solum fatentem inuenies
(LXXII) uerba dei bis et septuagies
subuolantem ad astra repperies
(XCVII) nonagies loqui atque septies.
/Halle./ /E. Dümmler./
FUSSNOTEN:
[153: für imitantes.]
[154: für nempe.]
Ein alter Minnesängerdruck.
Emil Weller in seinen Annalen, I, 262 führt von einem Folioblatt o. O.
u. J., zweispaltig gedruckt, mit Holzschnitt, folgende Anfangsverse an:
Klaͤgliche Noth
Klag ich von der Minne
Das sie mir gebott
Daß ich mine sinne
Da bewante, da man verderben will.
Bey meinem Spiel.
Durch leide ich sendes kummers allzuviel.
Weder er, noch sonst jemand hat bemerkt, daß diese Verse einem Liede
des Minnesängers Hesse von Rinach angehören. Sie lauten in der Pariser
Handschrift folgendermaßen (vgl. Bodmer 1, 90a. Hagen 1, 210 a):
Klageliche not
clage ich von der minne
Das si mir gebot
Das ich mine sinne
Da bewante da man mich verderben wil.
Hey minnen spil
Durch dich lide ich sendes kumbers alze vil.
Die zwei Lieder dieses Dichters finden sich nur in der Pariser
Handschrift, und es ist in hohem Grade aus der Uebereinstimmung des
Textes wahrscheinlich, daß der Druck aus der Pariser Handschrift stammt.
Das Blatt kam in Joseph Bär’s November-Auktion 1861 unter Nr. 155 zur
Versteigerung. Eine Anfrage, wer dasselbe erstanden habe, führte zu
keinem Resultate, da die Auktionsregister aus jener Zeit augenblicklich
nicht zur Verfügung standen. Ich würde für den Nachweis, wo das Blatt
sich jetzt befindet, sehr dankbar sein.
/Heidelberg./ /K. Bartsch./
Notizen zur Kunstgeschichte.
1.
Herzog Maximilian I. von Bayern an Gewold, Geheimsekretär.
Der Hanß Werl, maler, hat khain Arbeitt, sonder wartt auff die
historien. Da er nun alßbalde eine hette, khundt er derweil verfaren.
Wolte gern, das er nit gehindert wurde.
Maximilian.
Eigenhändiges Original in der k. Hof- und Staatsbibliothek zu München:
Cod. Germ. 2210, Fol. 53.
2.
Erzherzog Maximilian an Herzog Maximilian.
1604, August 15.
Wir haben einen Knaben, unsers underthanen kind, von Mergentheimb,
mit nahmen Martin Mitternacht, der nit ein bose inclination zu der
Mahlerkunst hat, sich auch in derselben albereit vor sich selbsten
zimlich angelassen, daher wir bewogen, ihnen ferner lernen, auch
derentwegen mit E. L^d Mahler Hansen Werle handlung pflegen lassen, daß
er ihne auf eine Zeit zu sich nehmen und unterweisen wolle. Wann[155]
aber Werle sich mit dem entschuldigt, daß er außer E. L^d bewilligung
niemand aufnehmen und lehren dörfe alß gelang an E. L^d hiemit unser
ganz freundlich gesinnen,[156] sie uns diese freundschaft erzeigen und
ihrem Maler erlauben wollen, daß er obbemelten knaben zu sich nehmen
und in der Kunst anbrengen[157] möge. -- Geben zu Insprugk den 15
Augusti aº 1604.
Original im k. Staats-Archiv zu München.
3.
Albrecht Dürer.
Der churpfälzische Rath Georg Michael Lingelsheim an Jakob Bongars.
Heidelberga 7 novembris 1607.
Cäsar cognovit in superiore Palatinatu esse /picturam Dureri/
artificiosissimam in arce quadam Papebergi, quod exiguum est oppidulum
ad Eschebachum; ea deposita jacebat in angulo obscurissimo situ
peritura. Caesar cum magnis precibus ab Anhaltino et electore[158]
petit, pro magno murere, quod se artificiosis hujusmodi tabulis
oblectare soleat. Metus est, ut jam producatur ad superstitionem:
nihilominus Caesaris desiderio satisfiet.
Jacobi Bongarsi et Ge. Mich. Lingelsheim epistolae, Argentor. 1660,
pag. 235.
Diese 3 urkundlichen Notizen wurden mir von Collega Dr. Stieve dahier
zur Publicierung gefälligst überlassen.
/München./ /Dr. J. A. Meßmer./
FUSSNOTEN:
[155: da, weil.]
[156: fehlt „ob“ oder „daß“.]
[157: zu etwas bringen, anleiten, anreizen. Grimm, Wbch. I, 301. Dr.
Fr.]
[158: Christian von Anhalt, Statthalter der Oberpfalz, und Kurfürst
Friedrich IV. von der Pfalz.]
Contra iactantiam.
Die Wiener Hs. 11857, saec. XV. enthält auf f. 238 folgendes
beachtenswerthe Gedicht:
In nobilem gloriosum contra Iactantiam ex diuitiis stemate prole se
uenientem.
1 Sis licet ingenuis clarisque parentibus ortus,
Esse tamen uel sic bestia magna potes.
Adde decus patriae, claros tibi sume[159] propinquos,
Esse tamen uel sic bestia magna potes.
5 Sunt tibi diuitiae, sit larga et munda supellex,
Esse tamen uel sic bestia magna potes.
Suscipe iudicium, fora te causaeque receptent,
Esse tamen uel sic bestia magna potes.
Transi presbyteros[160], et cum maioribus ito,
10 Esse tamen uel sic bestia magna potes.
Denique quicquid eris: nisi sit prudentia tecum,
Magna quidem, dico, bestia semper eris.
Da mihi decoctum generosum pectus honesto,
Sic aliquid titulis nobilitatis erit.
/Wien./ /Dr. Joh. Huemer./
Findling.
Quae dos matronae pulcherrima? uita pudica.
Quae casta est? de qua mentiri fama ueretur.
Quid sapientis opus? cum possit, nolle nocere.
Quid proprium stulti? non posse et uelle nocere.
(Aus Cod. Einsidl. 77. B V, letztes Blatt.)
/Wien./ /Dr. Joh. Huemer./
Zu den Lebensregeln.
Herr Studienlehrer Dr. Schepß in Dinkelsbühl schreibt mir: „Die erste
Lebensregel, die Sie im Anzeiger, Jahrg. 1878, Sp. 88 mitgetheilt
haben, findet sich auch in dem (1286 beendeten) Catholicon des Johannes
Januensis, herausg. zu Lyon 1520, s. v. Caseus, wo es etwas abweichend
heißt: Caseus, sic dicitur a cado, dis, quia facile cadat et cedat; vel
dicitur a careo quia sepe caret, quasi carens, et producitur „ca.“ Unde
quidam:
Caseus anguilla mortis cibus ille vel illa
Ni bibis et rebibis et rebibendo bibis.“
/Halle./ /E. Dümmler./
FUSSNOTEN:
[159: summe Cod.]
[160: presbiteros Cod.]
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: /Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann./
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. /Sebald/ in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
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