Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
18. Jahrh., welcher aus der Prunkstube des 17. geworden, ist ebenso
3643 words | Chapter 184
charakteristisch, als die Schlafstube aus den ersten Jahren des 19.
Jahrh. Das Haus befand sich im Anfange dieses Jahrh. im Besitze der
Herren von Petz zu Nürnberg, gieng sodann an verschiedene Privaten über
und gelangte vor einigen Jahren in das germanische Museum; Näheres
konnten wir über dessen frühere Eigenthümer nicht in Erfahrung bringen.
Das erst jüngst von dem Premierlieutenant Freiherrn von Stromer dem
Museum unter Eigenthumsvorbehalt überlassene Puppenhaus ist das
zweitälteste: nach einer unter dem großen Dachfenster angebrachten
Jahreszahl ist es im Jahre 1639 entstanden. Es hat einschließlich des
Fußes bis zum Ende der Schlöte eine Höhe von 2,59 Meter, eine Breite
von 1,52 und eine Tiefe von 0,52 Meter und ist, wie das vorgenannte,
durch ein durch alle Geschosse gehendes Treppenhaus in drei Theile
geschieden. Das Haus enthält drei Hauptgeschosse, in deren unterem sich
in der Mitte das Portal mit dem Haustennen befindet, während die beiden
Nebenräume durch horizontale Zwischenwände in zwei Theile getrennt
sind. Der untere enthält rechts Stall und Kammer, links Laden und
Waschküche, der obere rechts die Speise- und eine Schlafkammer, links
zwei weitere Schlafkammern. Im zweiten Geschoß befindet sich rechts
des geräumigen Vorplatzes das Wohnzimmer, links die Küche; im obersten
rechts des Vorplatzes ein Schlafzimmer, links das Prunkzimmer. Das Dach
mit großen Bodenräumen bildet den Schluß. Die Kammern sind getüncht,
die Zimmer, welche grüne Kachelöfen enthalten, getäfelt; das Wohn- und
das Prunkzimmer zeigen getäfelte, das Schlafzimmer und die Vorplätze
bemalte Plafonds. Unter allen Puppenhäusern im Museum ist dieses das
am besten erhaltene und am reichsten ausgestattete; es zeigt uns
genau die bis in das geringste Detail gehende Einrichtung eines alten
Nürnberger Patrizier- oder reichen Kaufmannshauses des 17. Jahrh. und
ist dadurch von so hervorragendem Interesse für die Kulturgeschichte
jener Zeit, daß wir es uns nicht versagen können, ein Verzeichniß
des gesammten Inventars desselben am Schlusse dieser Mittheilungen
zu geben. Nach gütiger Benachrichtigung seines jetzigen Besitzers,
Premierlieutenants Frhrn. v. Stromer, erwarb Freifrau v. Haller, geb.
Schenk v. Dippen, dieses Puppenhaus im Jahre 1825 aus dem Nachlasse
des Stiftungs-Administrators Karl v. Wölckern um 25 fl., worauf es
im Jahre 1862 in den Besitz der Freiherren von Stromer gelangte.
Weiteres konnte über die Herkunft des Hauses nicht festgestellt werden.
Nach einer unverbürgten Tradition soll es früher in Erlangen gewesen
sein; doch ist es für uns nicht zweifelhaft, daß es gleichfalls
nürnbergischen Ursprungs ist, wenn es auch vielleicht vorübergehend
durch Erbschaft oder Kauf nach auswärts gelangt war.
Ungefähr derselben Zeit gehört das dritte Exemplar an. Es ist zwar
nicht ein Puppenhaus im strengen Sinne des Wortes, da es nur aus einer
Küche mit darüber befindlichem Zimmer besteht, hat aber Anspruch auf
besondere Beachtung, weil es seine erste Einrichtung noch vollständig
bewahrt. Die Höhe desselben beträgt, einschließlich des eine Schublade
enthaltenden 0,36 Meter hohen Fußes, 1,79 Meter, die Breite 0,90, die
Tiefe 0,59 Meter. Das Museum erwarb es vor einigen Jahren vom kgl.
Hofantiquar A. Pickert.
Das jüngste Puppenhaus des Museums stammt vom Ende des 17. Jahrh. und
war früher im Besitze der Freiherren Kreß v. Kressenstein. Das Dach ist
defekt und deshalb im Museum nicht mit aufgestellt; ohne dieses und
ohne den neuen Fuß hat es eine Höhe von 1,57 Meter, eine Breite von
1,38 Meter und eine Tiefe von 0,53 Meter. In der Mitte des untersten
der drei Hauptgeschosse befindet sich die Hausflur, von welcher die
Treppen nach den Vorplätzen der obern Stockwerke führen. Die Räume
rechts und links der Hausflur sind durch horizontale Zwischenwände
getheilt; rechts ist der Pferdestall mit darüber befindlicher
Knechtekammer, links die Waschküche mit der Mägdekammer. Das zweite
Geschoß enthält rechts des Vorplatzes das Prunkzimmer, links die Küche,
das obere rechts desselben das Schlafzimmer, links ein weiteres Zimmer.
Die Prunkstube und das Schlafzimmer sind getäfelt, das andere und die
Kammern getüncht. Das alte Inventar ist noch so ziemlich erhalten;
doch ist ein Theil des das Haus früher zierenden Silbergeräthes in den
Besitz Sr. Erlaucht des Grafen v. Erbach gelangt.
Unserm Versprechen gemäß lassen wir zum Schlusse nachstehend ein
Verzeichniß des vollständigen Inventars des Frhrl. v. Stromer’schen
Puppenhauses folgen.
=Hausflur.= 2 eingenähte Waarenballen, 3 Fässer, 1 steinernes
Gewicht, 2 bleierne Gewichte, 1 Kasten mit 13 Stück Werkzeug: Feile,
Säge, Hammer, Beißzange, Leimpfanne, Stemmeisen, Schabmesser, Bohrer,
Schleißenmesser, Holzhammer, Pfriemen und 2 Eisen mit Griff; 1 Winde, 1
dreistufige Stiege, 1 Holzmaß, 1 Holztrage.
=Keller.= 1 großes Faßlager, 1 Bank, 1 Holzrechen zum Aufhängen
von Gegenständen, 1 Wandbrett, 5 Fässer, 3 Tropfkübelchen, 1
Traubenpresse (?), 1 hölzerne Stütze (Eimer), 4 hölzerne Mulden, 2
große, auf einer Seite bemalte Blechflaschen mit Ketten, 2 kleine
blecherne Becher mit Haken, 1 Korb, 1 Mausfalle.
=Stall.= 3 befestigte Viehstände mit einem Heurechen, 1
Futterkasten mit zwei Abtheilungen, 1 Bettstatt mit Strohsack und
Kopfkissen, 1 Kleiderrechen, 1 hölzerner Tränkeimer, 1 Schubkarren, 1
Futtertragbahre, 1 Schaufel, 1 Rechen, 1 Sieb, 1 Korb, 2 Pferde, 1 Kuh.
=Kaufladen.= 1 schwarz angestrichener Ladentisch, 2 größere und
3 kleinere Wandrahmen, 1 bemalte, eiserne Geldkiste mit Gold- und
Silbergeld, 1 Truhe, 1 dreibeiniger, runder, grüner Stuhl ohne Lehne, 1
Stiegenleiter, 1 hölzerne Presse mit eiserner Spindel, 1 Brettpresse,
1 leeres Fäßchen, 1 Fäßchen Leim, 9 größere und 5 kleinere Zuckerhüte,
2 grün und roth angestrichene Holzschachteln, 9 rothe hölzerne Büchsen
mit Deckel, zum Theil mit beschriebenen Etiquetten versehen, 7 rothe
hölzerne Büchsen ohne Deckel, 4 grüne hölzerne Büchsen mit Deckel,
1 Wachsstock, 3-1/2 Pack Roßhaare, 1 Pack Leinwand, 1 Pack Rupfen,
4 Strohdeckel, 2 Kränze, 1 Schreibtafel mit Thürchen, an die Wand
befestigt, 1 Schiefertafel in Holzrahmen; 1 Journal, 1 Handbuch, 1
Schuldbuch, sämmtlich ohne Einträge, auf den ledernen Einbänden die
Jahreszahl 1640.
=Waschküche.= 2 Waschtische, 1 thönerner, transportabeler Ofen
zum Aufsetzen des Waschkessels, 1 Wandrahmen, 1 kupferne Badewanne, 1
großes hölzernes Schaff mit Deckel, 10 große und kleinere, hohe und
flache Schäffer, 1 hölzernes Badewännchen auf einem hölzernen Gestell,
2 hölzerne Schöpfkübelchen, 1 hölzernes durchbrochenes Gefäß in
Trichterform, 3 Bürsten, 3 Kehrwische.
=Speisekammer.= 1 Anrichtetisch, 1 Bank, 1 an der Wand befestigtes
Bänkchen, 1 großer und 4 kleinere Teller- und Schüsselrahmen, 19
größere und kleinere blau bemalte Fayenceplatten, 9 größere und
kleinere blau bemalte Fayencehäfen, theilweise mit Henkeln und Deckeln
versehen, 1 blau verzierter Krug mit Deckel von Steinzeug, 1 grün und
roth getupfter gewöhnlicher irdener Hafen, 1 grün glasierte irdene
Backform, 12 größere und 3 kleinere Zinnschüsseln, 1 Zinnschüssel
mit Deckel, 7 zinnerne Häfen, 3 große zinnerne Kannen, 3 kleine
zinnerne Kannen, 1 zinnerne Theekanne, 6 runde zinnerne Büchsen, 1
viereckige zinnerne Gewürzbüchse, 2 zinnerne Deckelkrüge, 1 zinnerne,
durchbrochene Kuchenplatte, 2 zinnerne Seiher (davon einer mit Stiel),
1 verzinnte Schmalzschaufel, 1 größere Blechbüchse, 1 blechernes
Zuckerstreubüchschen, 1 ähnliches Blechbüchschen, 2 blecherne Trichter
(davon einer mit Stiel), 1 eisernes Waffeleisen, 3 kupferne Kessel, 1
Messingschüssel, 1 messingenes Backrädchen, 11 in der Art der blauen
Fayencegeschirre bemalte hölzerne Häfen, Krüge und Kannen, 1 ähnlich
bemalte hölzerne Schüssel mit Deckel, 2 hölzerne Büchsen, 1 hölzerne
Straubenspritze, 1 Haarsieb, 4 hölzerne Fäßchen, 2 hölzerne Eimer, 1
eiserne Wage mit 8 Messinggewichten, 1 eiserner Kronleuchter, 12 Messer
und 6 Gabeln mit Elfenbeingriffen, 1 Tranchierbesteck, 2 Marktkörbe, 1
Tragkorb mit Nachbildungen verschiedener Lebensmittel in Traganth, 1
rundes Körbchen mit ähnlichen Nachbildungen von Brod.
=Schlafkammer.= 1 zweischläfrige, eichene Bettstatt mit
Strohsack, Kopfpolster, 2 Kopfkissen und Deckbett mit gestickten
Einsätzen, 1 vierbeiniger, eichener Tisch mit eingelegter Marmorplatte,
1 geschnitzte, eichene Truhe, 1 kleine hölzerne Truhe, 1 mit
Leder überzogener und mit Messingreifen beschlagener Koffer mit
Vorhängeschloß, 1 hölzerner, grünbemalter Kasten mit 4 Glasflaschen,
1 Strohkörbchen mit einem Glase, 1 blaubemalter Fayencekrug mit
Zinndeckel, 1 Bohrer, 1 Holzschraube, 1 Lichtschirm, 1 Gebetbuch
(Andächtiges Bettbüchlein, Colligirt durch Joh. Jeep; Nürnberg, bei
Sim. Halbmayern 1631), 1 leeres Buch.
=Schlafkammer.= 1 geschnitzter, eichener Bettschrank mit 2
Schubladen, enthaltend Strohsack, Kopfpolster, Betttuch, Kopfkissen
und Deckbett mit gestickten Einsätzen; 1 Kinderbettstättchen auf
4 hohen Füßen, mit Betten mit gestickten Einsätzen, 1 halbrunder
Tisch, 1 Stuhl mit Polsterkissen, 2 grün angestrichene Fußschemel, 1
Waschapparat mit zinnernem Wasserbehälter und Becher, 1 Kinderstühlchen
mit Nachtstuhl, 1 Wandschränkchen, 1 runder, dreibeiniger Stuhl mit
kupfernem Brodkessel, darin 2 Brode, 1 theilweise bemalte Holztafel zum
Aufschreiben der Wäsche und der Vorräthe der Speisekammer, 1 kupferner
Räucherkessel, 3 zinnerne Nachttöpfe, 2 Weihwasserkesselchen, 1 Madonna
von Traganth, 1 Hahn von Alabaster (Spielzeug).
=Schlafkammer.= 1 zweischläfrige Bettstatt von verschiedenfarbigem
Holze mit Strohsack, Kopfpolster, Betttuch, 2 Kopfkissen und Deckbett
mit gestickten Einsätzen; 1 mit Schnitzereien versehene Wiege mit
Strohsack, spitzenbesetztem Betttuch, Kopfkissen und Deckbett mit
gestickten Einsätzen, 1 zweithüriger hölzerner Kasten, welcher eine
weiß- und blaugestreifte und 2 weiße, spitzenbesetzte Schürzen, 1
blaues und 1 weißes Küchentuch, sowie 1 Frauenhemd enthält, 1 eichene
Truhe, 2 Stühle mit Polsterkissen, 1 grün angestrichener Fußschemel, 1
Spinnrocken mit Flachs, 2 Manghölzer, 2 Perrückenstöcke, 1 messingene
Handspritze, 1 zinnener Nachttopf, 1 mit Spitzen besetztes Handtuch, 1
Hornschlange (Spielzeug).
=Vorplatz im I. Stock.= 1 großer geschnitzter, eichener Schrank
mit Flügelthüren und Schubladen, enthaltend 5 Pack Tischwäsche, 1 Pack
Tischtücher mit Spitzen und 1 Pack Handtücher mit Spitzen; 1 kleiner
geschnitzter Schrank mit Flügelthüren und zwei Schubladen, enthaltend 1
Pack Kinderlätzchen, 2 spitzenbesetzte Tischtücher, 3 Pack Handtücher
ohne und 2 Pack mit Spitzenbesatz; 2 Blumenstöcke, 2 Abstreifbretter,
1 Brustharnisch, 1 Sturmhaube, 2 Mützen, 1 messingener Kronleuchter,
5 Oelgemälde in schwarzen und goldenen Rahmen, Glaube, Liebe und
Hoffnung, Gerechtigkeit und Stärke darstellend, 2 ovale hölzerne
Verzierungen mit Spitzen, 1 Bohrer (?).
=Wohnzimmer.= 1 geschnitzte, eichene Himmelbettstatt mit
grünseidenen Vorhängen, Unterbett, Kopfpolster, Betttuch, 2 Kopfkissen,
Bettdecke mit gestickten Einsätzen und Bettdecke mit Spitzenein- und
besatz; 1 großer, eichener Tisch mit 4 gedrehten Füßen und einer
grünseidenen, mit Silberspitzen besetzten Decke, 1 Waschschrank mit
zinnernem Wasserbehälter, 2 zinnernen Waschschüsseln, 1 Schwamm und
2 zinnernen Nachttöpfen; 1 geschnitzter Kasten mit Flügelthüren und
2 Schubladen, enthaltend 3 Spitzenkrägen, 1 Kinderjäckchen und 3
spitzenbesetzte Vorhänge (?); 1 gepolsterter Sessel mit Lederüberzug,
4 eichene Stühle, davon 3 mit Polsterkissen versehen, 1 eingelegter
Fußschemel, 1 Kinderlaufstuhl, 1 Korbwagen mit Bettchen, 1 hölzerner
Spucknapf, 1 Wäschhänge, 5 Landschaften darstellende Oelgemälde
in schwarz und goldnen Rahmen auf dem Gesimse des Täfelwerkes, 1
Schwarzwälder Uhr, 1 Spiegel mit geschnitztem Rahmen, 1 Spiegel
mit Rahmen von Silberfiligran, 1 Schaukelpferd, 1 schwarzsammtner
Herrnhut, 2 Kleiderbürsten, 1 messingene Räucherpfanne, 1 Paar
rothsammtne Pantoffel, 2 Rasiermesser, 1 Besteck nebst Löffel von
Elfenbein mit Schildkrotgriffen, 1 Stock zum Spitzenklöppeln, 1
Nähkästchen von Pappe, 1 Scheere, 1 messingenes Bügeleisen mit Stahl,
1 Körbchen von Glasperlen, 2 Damenbrettspiele, 1 Würfel, 6 Päckchen
Spielkarten, 1 Becher mit 5 Messern, 1 Wiege von Silberfiligran, 1
Herz von Silberfiligran, 1 messingene und 1 hölzerne Kinderschlotter,
1 Breilöffel, 2 Chinesen von Alabaster auf dem grünen Kachelofen,
1 Gebetbuch (Auserlesene Geistliche Rätzel, Nbg., Endter, 1722) in
Futteral.
=Küche.= 1 Tischchen, 1 grün angestrichener Stuhl, 1 Fußschemel,
1 Schränkchen, 8 hölzerne Schüssel- und Tellerrahmen, 1 niedriges
Wandbänkchen, 2 hölzerne Repositorien, 7 silberne Eßlöffel, 2 silberne
Dessertlöffel, 1 großer silberner Löffel mit Elfenbeingriff, 8 silberne
Gabeln, 3 silberne Messer, 28 große zinnerne Platten und Schüsseln von
zweierlei Größe, 21 kleinere zinnerne Platten und Schüsseln, 5 zinnerne
Schüsselchen, 21 größere zinnerne Teller, 10 kleinere zinnerne Teller,
13 zinnerne Tellerchen, 1 zinnerne Salzbüchse, 4 zinnerne Backmodel,
1 zinnerne Gewürzbüchse mit Schubdeckel, 1 zinnernes Salzfäßchen, 1
zinnernes Kehrichtfaß mit hölzerner Schaufel, 1 zinnerner Trichter
mit Stiel, 1 kupferner Brodkessel auf dreibeinigem, grünem Stuhle,
1 kupferne Wasserbutte mit Deckel, 2 kupferne Stützen mit Deckel, 1
kupferne Stütze ohne Deckel, 1 kupferner Kübel mit Deckel, 1 kupferner
Kessel mit 3 Füßen, 1 kupferner Kessel zum Hängen mit einem Hahne am
Boden, 1 kupferner Kessel mit Deckel, 1 kupferner Tiegel mit Deckel,
6 kupferne Kuchenformen, 1 kupferner Seiher, 1 kupferner Milchkrug,
2 kupferne viereckige Pfannen, 3 kupferne Deckel, 8 runde messingene
Pfannen, 6 messingene Backformen, 2 messingene Kuchenplatten, 2
messingene Mörser, 3 messingene Schüsseln, 1 messingenes Löffelblech,
3 messingene Deckel, 1 messingener Löffel, 1 messingener Bratenwender
mit 3 Spießen und einem Uhrwerke, nebst einem das letztere
umschließenden hölzernen Kästchen, auf dessen eine Seite eine Köchin
mit dem Bratspieße in der Hand gemalt ist, 7 Messinggewichte und 1
Bleigewicht, 2 messingene Lichtputzscheeren, 1 messingene Backschaufel,
3 messingene Backrädchen, 2 blecherne Seiher, 3 blecherne Becher,
1 großes blechernes Reibeisen, 1 Gewürzreibeisen, 1 Löffelblech
mit 4 verzinnten Löffeln, 1 Blechbüchse mit Stahl, Feuerstein und
Zunder, 1 blecherner Model für Marzipan, 1 verzinnte Schmalzschaufel,
1 blecherne Schaufel, 3 eiserne Schaufeln, 3 eiserne Dreifüße, 1
eiserner Rost, 1 eiserner Bock, 1 eisernes Backblech, 1 eiserne
Pfanne, 1 eiserner Bratenwender mit 3 Spießen, 1 eiserne Feuerzange,
1 blecherner, durchlöcherter Löffel, 1 Kettennetz, 1 eiserner Rost,
1 eiserne Tranchiergabel, 1 Messer mit Perlmuttergriff, 1 Messer in
ledernem Futterale, 19 Stück thönerne glasierte Häfen, Schüsselchen und
Backformen, 1 dreibeiniger Hackstock mit Hackmesser und Holzschlägel,
1 Hackbrett mit Hackmesser, 1 Blasbalg, 1 geflochtener Feuerfächer,
1 Mühle, 1 Holzschlägel, 1 Nudelbrett, 1 Nudelholz, 1 Holzplatte,
3 hölzerne Straubenspritzen, 2 hölzerne Erbsenpresser, 3 hölzerne
Kochlöffel, 2 hölzerne Schreibtafeln mit Malereien, 1 Holzschaufel, 1
Holzschlägel, 1 Körbchen, 1 Lichterkörbchen, 3 Pinsel, 2 gestrickte
Säcke, 5 Handtücher, 4 Küchentücher.
=Vorplatz des II. Stockes.= 1 großer eichener, geschnitzter
Schrank mit Flügelthüren und einer großen und zwei kleinen
Schubladen, enthaltend 7 Stück Leinwand, 4 Betttücher, 3 gestrickte
Aermelhandschuhe, 1 Paar gestrickte Strümpfe, 3 Tischtücher, 4
Handtücher, 1 Häubchen, 1 gestickten Muff, 1 doppeltes und 1 einfaches
Augenglas; 1 kleinerer geschnitzter, eichener Wäscheschrank mit
Flügelthüren und 2 Schubladen, enthaltend 6 Pack Kinderwäsche, 3 mit
Spitzen besetzte weiße Halsbinden; 1 Spinett mit Stimmschlüssel, 1
dreistufiger, hölzerner Tritt, 3 Oelgemälde in schwarz und goldenen
Rahmen: eine Madonna, eine weibliche Figur, den Neid, und eine
ebensolche, die Mäßigkeit darstellend, 1 hölzerne Schachtel mit 6
blaubemalten Fayencetassen, 1 hölzerne Schachtel mit 2 beinernen Kugeln
und 5 Kegeln, 3 messingene Wandleuchter.
=Schlafzimmer.= 1 geschnitzte, eichene Himmelbettstatt mit,
blauseidenen Vorhängen, enthaltend 1 Unterbett, 1 Kopfpolster, 1
Bettuch, 2 Kopfkissen und 1 Deckbett mit gestickten Einsätzen und
eine Bettdecke mit Spitzenein- und -besatz; 1 geschnitzte eichene,
zwischen zwei Säulen hängende Wiege mit 1 Unterbett, 1 Betttuch, 1
Kopfkissen und 1 Deckbett mit Spitzeneinsatz, sowie 1 Bettdecke mit
Spitzenbesatz; 1 eichener Kasten mit drei Schubladen, enthaltend 5
Hemden, 1 Schurz und ein Röckchen, sämmtlich aus Battist, 10 Lätzchen
von Battist und Leinen und 4 leinene Bündchen; 1 eichenes, geschnitztes
Schränkchen mit staffelförmigem Aufsatze, 1 Waschschränkchen mit
zinnernem Wasserbehälter, 4 Zinnschüsseln und 1 Zinnkrug; 3 eichene
Stühle mit Polsterkissen, 1 vierbeiniger, gepolsterter Stuhl ohne
Lehne, sogen. Hocker, 1 Nachtstuhl mit irdenem Topf, 1 sechstheilige
spanische Wand, mit goldgepreßtem, rothem Papiere vom Anfange des 18.
Jahrh. überzogen, 3 Landschaften darstellende Oelgemälde mit schwarz
und goldenen Rahmen, 1 Crucifix, 1 Sanduhr, 1 leeres Buch, 1 Gebetbuch
(Ein kurzes andächtiges Betbüchlein, Nürnberg, Christoph Endter, 1663),
4 Trinkgläser, 1 Partie Puppengeschirr, 1 messingene Räucherpfanne mit
Gestell, 1 kupferne Räucherpfanne, 2 gestickte Kammtaschen mit je 1
weißen, beinernen Kamm, die eine auch mit einem Staubpinsel versehen, 1
Vogelhaus mit Papagei, 1 zinnerner Nachttopf.
=Prunkzimmer.= 1 großer eichener Tisch mit 4 gedrehten Füßen,
1 eichenes Sopha mit blauseidenem Polster und Kissen, 1 Lehnsessel
mit schwarzem Sammtüberzug, 2 Sessel mit hoher Lehne, 5 Landschaften
darstellende Oelgemälde in schwarz und goldenen Rahmen, 2 Porträte
(Oelgemälde) in ovalen rothen Rahmen, 1 Spiegel mit gesticktem Rahmen,
1 sechsarmiger, messingener Kronleuchter, 1 blauseidene Tischdecke
mit Goldspitzen, 1 Molltischdecke mit Spitzenbesatz, 1 Zinnvase mit
Blumen, 1 ovale, silberne, getriebene Platte, 1 goldener Pokal, 2
goldene Becher, 1 silberne, getriebene Büchse, 2 silberne, emaillierte
Büchschen, 1 silberner Leuchter von Filigran, 1 silberner Krebs, 1
silbernes Bisambüchschen.
/Nürnberg./ /Hans Bösch./
FUSSNOTE:
[317: Paul von Stetten d. j. sagt in seinen „Erläuterungen der in
Kupfer gestochenen Vorstellungen aus der Geschichte der Reichsstadt
Augsburg“ (Augsb. 1765) S. 163: „Bey der Erziehung der Mädgen muß ich
der Spiehl-Sachen gedenken, mit welchen manche spiehlten biß sie Bräute
wurden, nehmlich der sogenannten Docken-Häuser. Darinn war alles was
zu einem Hause und einer Haußhaltung gehörte, im kleinen vorgestellt,
und manche trieben dabey die Ueppigkeit so weit, daß ein solches
Spiehl-Werk gegen 1000. Gulden und mehr zu stehen kam.“]
Briefwechsel des Magistrats Nürnberg mit dem Magistrat Dinkelsbühl
wegen einer in Nürnberg zu errichtenden milden Stiftung.[318]
Den ersamen und wysen Burgermaister und Rate der Statt Dinckelspuhel
unnsern besonnder lieben frunden.
Unnser f. w. D. bevor Ersamen und wysen besunder Lieben frunde Auff
anregung unnsers allergnedigisten herrn des Ro. Kaysers unnd etlicher
ander andechtigen personen sein wir vorhabenns willens jnn unnser Statt
zu lobe unnd ere dem hailigisten hochwirdigsten sacrament des lichnam
unnsers seligmachers ain stifftung zethun nemlich etlich schüller
zu ordnen die jnn jrem habit mit geburlichem lobgesanng dem selben
sacrament, so das ye zu zeitten Krancken Christenmenschen zugetragen
wirdet, vorgeen sollen. Nach dem nun solliche stifftung by unns bisher
nit gewest ist, wir auch nit versteen, ob wir zu auffrichtung derselben
ainicher sonndern gunst und verhengknus der gaistlichen oberkait zu
erlanngen notturfftig sein, oder ob wir das one die selben zuthuͦnd
haben, unnd wir bericht das derglichen stifftung unnd ordnung by uch
lanng zeit geübt sind: so bitten wir euch mit besonnderm vlis fruntlich
jr wellennd unns durch ewer schrifft aigentlich berichten unnd zu
erkennen geben, wie unnd wellichermaß solliche stifftung unnd ordnung
by uch furgenomen erlangt gestifftet unnd aufgerichtet unnd ob sollichs
mit oder one gunst unnd verwilligung der gaistlichen oberkait, oder
jemand anders bescheen sy, unns darnach megen gerichten unnd unns des
nit verzeihen[319] noch euch das befilhen[320] lassen Steet unns umb
uch mit willen zuverdienen. Geben am mitwoch nach dem sontag Jubilate
anno etc. LXXV to. (_1475_)
Burgermaister und Rate zu Nurmberg.
Fursichtigen Ersamen unnd wysen unnser fruntlich willig dienst...
Uff ewer schrifftlich begern von wegen der ordnung so man hie jnn
dem tragen des hochwirdigesten sacramentz des lichnam Christi zu
thun pflicht[321], wollennd vernemen das vor etlichen jaren ettlich
andächtig from lüt fur unns komend sind habenn unns ain ordnung,
so sy mainten jnn dem tragen des hailigen sacramentz loblich were,
furgehalten; die selb ordnung unns auch gefallen hat und ist darnach
mit verwilligung unnsers herrn des pfarrers hie angefanngen unnd bißher
dem fronlichnam Christi zu lobe unnd ere beliben unnd geübt, also ain
yeder priester, der den fronlichnam Cristj krancken kristgloubigen
menschen zutregt, gat jnn seinem habit namlich angetanem Korrock unnd
an unnd furgezogner cappenn mit ainem cappenzippfel hinden am rugken
hinab gehenkt unnd sein geordiniert vier schüler mit vier fenlin unnd
vier laternen die jnn jrem habit glich dem briester dem hailigen
sacrament vorgeen mit dem lobgesanng wie sich gepurt; den selben
schulern geit[322] man darvon zu lonn namlich jr yedem ain quatemper
zway pfunnd der werung hie unnd so man also mit dem sacrament zugeen
pfligt man ain glogken zu leuten derhalben die schuler unnd ander
from andechtig leut die mitgeen des loblichen Sacramentz applas jrer
sunden begern zu erholen sich darczu zefügen wissen. Aber wir haben
sollicher ordnung halben nit besonnder bestettigung oder verwilligung
von der gaistlichen oberkait sonnder die nit anderst herbracht dann wie
obgelaut ist. Got der allmechtig wöll das die dem hailigen Sacrament
zu ere unnd wird also lanngwirig blib. Sollichs alles wolten wir nit
verhalten ewer fursichtigen wisshait, der wir willig sein annain[323]
dienst unnd gefallen zu bewysen. Datum sambstag vorm sontag Cantate
anno etc. LXXV to.
B. u. R. zu D(inckelspuhel).
/Dinkelsbühl./ /Georg Schepß./
FUSSNOTEN:
[318: Abschrift aus einem Kopialbuch (Bl. 57 f.) des durch Herrn Dr.
Ludwig Müller (nun Bibliothekar in Straßburg) in anerkennenswerther
Weise geordneten Dinkelsbühler Stadtarchivs.]
[319: versagen, verweigern.]
[320: zu viel, lästig werden.]
[321: pflegt.]
[322: gibt.]
[323: Wol /annäm/, d. i. angenehm, zu lesen. Dr. Fr.]
König Günther bestätigt dem Edeln Konrad von Trimberg das von seinem
nächsten Vorfahren, Kaiser Ludwig, gewährte Ungeld zu Gelnhausen.[324]
/Frankfurt 1349/, Februar 16.
Wir Gunther von gotis[325] gnaden Romischer[326]) kung[327] ze[328]
allen ziten[329] merer des riches[330] bekennen offenlich[331] mit
disem briefe,[332] daz wir sulche briefe, di^e der edele.. Cunrad her
zuͤ Trimperg, unser lieber getruwer, hat von keiser Luͦdewige,
unserm nehsten vorfarn,[333] dem got[334] gnade, vor[335] hundert
marg silbers[336] vor drizzig marg[337] geldes und vor thusent phunt
Haller[338] bestetigen und vornuͦwen,[339] also daz[340] er inne sal
haben daz ungelt.. zuͦ Geilnhusen[341] und nicht abe zuͦ slahen,
alse lange biz wir odir unse nachkomelinge[342] an dem riche iz von
ym[343] gelosen, als sine offine briefe[344] besagen; und gebiten wir
ouch dem rate[345] und der stad gemeinlich zuͦ Geilnhusen bi^e des
riches hulden,[346] daz si^e yn daran nicht[347] enhindern, und geben
des zuͦ orkunde disen brief[348] mit unserm kunglichen insigel,[349]
der geschriben[350] ist zuͦ.. Frankenfort[351] nach Cristi geburten
drizenhundert jar[352] in dem nun und virtzigisten[353] jare an
mantage[354] nach Valentini in dem ersten jare unsers riches[355].
Urschrift auf Pergament mit dem an Pergamentstreifen hangenden, 103
mm. im Durchmesser haltenden Majestätssiegel B. 15, 1. 30 im gräfl.
Haupt-Archiv zu Wernigerode. Von außerhalb eine ziemlich gleichzeitige
Aufschrift: Kuͦnc guͦnhers brif bistetigit kesir ludiwigis brife.
Das Vordersiegel zeigt in gewöhnlicher Weise den thronenden Kaiser mit
dem Reichsapfel in der Rechten, dem Scepter in der Linken auf einem
gothisch schön verzierten Throne. Von dem Sessel wallt ein gefalteter
Teppich herab. Zu des Kaisers Füßen kauert der schwarzburgische Löwe.
Umschrift: ✠ GVNTHERVS DEI GRATIA ROMANOR’
REX SEMPER AVGVSTUS.
/Wernigerode./ /E. Jacobs./
FUSSNOTEN:
[324: Vergl. Senckenberg, selecta juris etc. t. II, 628 s.]
[325: S. Gots.]
[326: Romscher.]
[327: Konnig.]
[328: zu.]
[329: zyten.]
[330: Rychs.]
[331: uffenliche.]
[332: diessem Brieffe.]
[333: das wir soliche Brieffe, die der Etele Conrad Herre zu Trymperg
unser lieber Getruwere hait von Keyser Ludewigen unsern nesten
Vorfaren.]
[334: Gott.]
[335: vur.]
[336: Sylbers.]
[337: dryssig Marcke.]
[338: fur dusent Punt Heller; phunt steht in unserer Hdschr. auf einer
verwischten Stelle: der Schreiber hatte erst Haller unmittelbar auf
phunt folgen lassen.]
[339: vernuhen.]
[340: das.]
[341: zu Geylnhusen.]
[342: als lange biss wir ader unse Nachkommenlinge.]
[343: Ryche es von eme.]
[344: uffen Brieffe.]
[345: gebyten wir auch dem Rade.]
[346: Stadt gemeynlichen zu Geylnhusen by des Ryches Hulden.]
[347: das sye in nicht daran.]
[348: zu Urkunde diessen Brieff.]
[349: unsern Koniglichem Ingesigel. -- besigelt, was S. hat, steht
nicht im Wernigeroder Original.]
[350: geschrebin.]
[351: zu Franckfurt.]
[352: drytzehenhundert Jare.]
[353: viertzygestem.]
[354: Mantag.]
[355: Rychs.]
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K.
/Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. /Sebald/ in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Reading Tips
Use arrow keys to navigate
Press 'N' for next chapter
Press 'P' for previous chapter