Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
1879. Nº 2. Februar.
5830 words | Chapter 44
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Deutsche Gläser im germanischen Museum.
[Illustration: Fig. 1.]
Wenn überhaupt in Bezug auf die Geschichte des deutschen Handwerkes
und der Industrie noch eine große Reihe von Studien nöthig ist, ehe
alle Erscheinungen sich auch historisch begründet darstellen, so gilt
dies insbesondere von der Geschichte der Glasindustrie. Allerdings ist
bereits eine Anzahl von Urkundenauszügen veröffentlicht, aus denen
hervorgeht, daß da und dort in Deutschland während des Mittelalters
Glashütten bestanden, deren Menge war aber gewiß weit größer, als
die geringe Zahl der bis jetzt nachgewiesenen, und sicher wird nun,
nachdem die Aufmerksamkeit durch mehrere Versuche, das vorhandene
Material zu einer Geschichte des Glases zusammenzustellen, darauf
hingelenkt ist, da und dort noch ein und der andere Ortsname mit
Jahreszahl aus den Archiven zu Tage treten, um uns über das Bestehen
von Glashütten zu unterrichten. Diese Nachrichten gehen bis jetzt in
das 14. Jahrh. zurück. Wir erkennen jedoch aus denselben nicht, ob es
sich um eine erst damals entstehende Industrie, ob um eine lange geübte
handelt. Bekannt ist, daß bunte Glasperlen, daß farbige Glaseinlagen
in Goldschmiedearbeiten in germanischen Gräbern gefunden werden. Die
fortgeschrittene Technik läßt uns annehmen, daß dieses Glas importierte
Waare ist. Ist dies aber auch sicher der Fall mit braungrünen
Glasgefäßen, wie jenes in Fig. 1 abgebildete, das aus einem in der Nähe
von Ulm gefundenen alemannischen Todtenbaum genommen ist, der mit dem
Glase seinen Weg in das germanische Museum gefunden? Sind auch diese
Gläser spätrömische Fabrikate, oder sind sie in Glashütten gefertigt,
die etwa schon in karolingischer Zeit da und dort im Walde bestanden?
Wir haben im Jahrgang 1877 unseres Anzeigers, Sp. 228 ff. auf die der
heil. Hedwig zugeschriebenen geschliffenen Gläser hingewiesen und
geglaubt, andeuten zu dürfen, daß wir, wenn auch etwa orientalischer
Ursprung nicht ausgeschlossen ist, abendländisches Fabrikat, also
natürlich deutsches, des 13. Jahrh. darin zu erkennen glauben. Gehören
etwa jene schweren, dicken, grünen Gläser, die freilich keinen
Schliff zeigen, in dieselbe Periode? Manche derselben mit ihren
aufgeschmolzenen Rosettchen scheinen trotz der Schwere in weit späterer
Zeit entstanden zu sein.
Leider ist nicht zu hoffen, daß sich urkundliche Nachrichten aus
dem Mittelalter über das Fabrikat selbst finden werden, das ja, mit
Ausnahme der geschliffenen Gläser, wol nur dem ordinärsten Bedürfnisse
diente, wie ähnlich auch die Thonwaaren des Mittelalters. Aus den bis
jetzt veröffentlichten Nachrichten läßt sich nicht /nachweisen/,
ob Hohlglas (d. h. Glasgefäße) und Tafelglas (d. h. Butzenscheiben)
allenthalben neben einander gefertigt wurden, ob alle, ob nur einzelne
und welche Farbengläser für die Glasmalerei bei uns hergestellt wurden.
Wir sind darin bis jetzt nur auf Schlüsse angewiesen.
Das einheimische, da Feld-, dort Waldglas genannte, Produkt suchte im
Mittelalter wohl den Weg zur Kunstform nicht. Als nach dem Schlusse
desselben die deutsche Glasindustrie jenen Weg einschlagen wollte,
gieng sie auf Imitation der Venetianer hinaus, und die Produkte
dieser Thätigkeit gelten heute jedenfalls als Venetianer, ohne daß
wir feststellen können, welche derselben die deutschen Imitationen
sind. Was das Mittelalter betrifft, so bilden Gemälde und Miniaturen
die einzigen Anhaltspunkte, um hinsichtlich der Glasgefäße zu zeigen,
welcher Art die damals im Gebrauche befindlichen waren. Sie zeigen sich
uns aus diesen Quellen derart einfach, daß wir nicht zweifeln dürfen,
eigenes, einheimisches Fabrikat dargestellt zu sehen, da man kaum solch
gewöhnliche Waare aus der Fremde bezogen haben kann.
[Illustration: Fig. 2.]
Eine Form, die uns im 14.-16. Jahrh. hin und wieder begegnet, ist
eine nach oben sich konisch erweiternde, wobei die Gefäße am unteren
Theile mit Batzen besetzt sind. Die Farbe ist ein mehr oder minder
gelbliches, trübes Grün. Ein solches Glas, das die Spuren der Erde, in
welcher es gelegen, an sich trägt, und das wol noch dem Mittelalter
angehören mag, ist das hier in Fig. 2. in halber Originalgröße
dargestellte.
[Illustration: Fig. 3.]
Aber auch die Gemälde des 16. und 17. Jahrh. zeigen uns, daß in
Deutschland neben den vornehmen Venetianern mit ihrem durchsichtigen,
farblosen Materiale, die nun die Hauptrolle spielen, immer noch
hellere und dunklere grüne Gläser mit Batzen im Gebrauch blieben, die
als deutsche Fabrikate zu betrachten und aus ähnlichen primitiven
Glashütten hervorgegangen sein dürften, wie jene mittelalterlichen.
Wir finden jedoch eine größere Mannigfaltigkeit der einfachen Formen.
Das germanische Museum besitzt einige Dutzend solcher Gläser in
Original, für welche freilich eine Datierung nicht versucht werden
darf; theilweise sind sie von sehr beträchtlicher Dicke und deshalb
auch sehr dunkel in der Färbung, ohne daß jedoch aus ihrer Stärke
geschlossen werden dürfte, daß sie älter sind als andere, dünnere,
selbst sehr dünne und leichte. Von letzteren geben wir hier in Fig. 3
eine Gruppe in halber Naturgröße. Die verehrten Leser kennen alle die
heute noch, allerdings meist sehr abgeschwächt, in elegantem Fabrikate
dargestellten „Römer.“ Sie erkennen den in beträchtlicher Größe sich
zeigenden Humpen. Sie sehen aber auch ein mit Reifen umlegtes Fäßchen.
Unsere Sammlung zeigt, daß die Glasmacher, wol erst jene des 17.
Jahrh., noch weiter giengen und allerlei Thiere, wie Bären, Mäuse u.
A. fertigten. Selbst eine Trompete aus solchem grünen Glase, die einen
ganz guten Ton hat und recht wohl als Blasinstrument dienen kann, ist
im Museum.
/Nürnberg./ /A. Essenwein./
Hausordnung für die 12 Chorschüler in der Spitalschule zu Nürnberg vom
Jahre 1343.
(Schluß.)
Avch sol vnter den zwelf korschulern allweg ein epistler vnd ein
ewangelier sein vnd wer niht priester werden wil, den sol man zu
korschuler niht nemen. vnd wenn ein priester stirbt, so sol man dem paz
gelersten vnd aller endlichstem,[57] der vnter den zwelf korschulern
ist, die selben pfruͤnt leihen. Wer aber daz ein erberger[58]
bewerter man koͤm, der die pfruͦnt pezzern wolt vnd das spital
gefodern[59] moͤht, dem moͤht man die pfruͤnt verleihen.
Die korschuler suͤllen auch einem schulmaister in dem kor helfen
singen, wenn er sie fodert, pey sechs hallern.
Avch suͤllen sie mess vnd tagczeit gleich mit einander singen, niht
daz ainer sing vnd der ander zu seh, sie suͤllen pey einander vor
dem puch sten.
So sol ir dheiner in dem kor in der priester stuͤl niht sten, noch
vber dez stifters grab niht lainen.[60]
Avch sol dhein korschuler in den sagrer[61] niht geen on des custers
vrlaub, denn[62] die zu der mess ministriren muͤzzen oder der
probst, wenn er fragen muz, waz man singen sol.
So sol ir dheiner auf holczschuhen niht gen in die kirchen noch
vͦber den ganck vͤber die siechen.
Auch suͤllen die korschuler allweg mit plozzem haupt gen vnd sten in
dem kor vnd in den processen von dez heligen creutz tag inuencio auf
dez heligen creutz tag exaltacio, pey sechs hallern.
So sol man den korschulern an ainem gepanten tag[63] niht von milch zu
ezzen geben, sunder von oͤle.
Avch sol dhein korschuler dhein stechmesser niht tragen newr[64] ein
protmezzer, bey sechs hallern von ydem tag.
So sol kein korschuler niht weyter ermel tragen, denn daz moz, daz man
in geben hot vnd dheinen offen langen slitz tragen hinten noch vorn in
den langen roͤcken.
Vnd suͤllen in dheiner processen keinen kappenczipphel[65] vmb daz
haupt niht winden vnd in der kirchen sunderlichen slehticlichen[66] gen
als ziemlich ist dez gotzhaus diner. vnd suͤllen auch allweg latein
reden in irr stuben vnd in irr slafkamern.
Avch suͤllen sie niht reden mit den fremden mayden, die da wazzer
holen von dem prunnen, weder in dem hoff, noch vnter dem tor vnd in der
kirchen mit den frawen pilden bey nacht.
Wenn sie am suntag, veirtag drey mess singen oder vier on selmess, daz
stet in dem sagrer geschriben vnd an dem puch ffolij.
Avch sol allweg nach der tertz zeit[67] der oberst sacrist vnd der
vnter versiculator[68] den hern zu altar ministriren als lang vncz
die andern die suppen gezzen haben. Dar nach sol der vnterst sacrist
vnd der ander versiculator den priestern zu altar dinen vncz auf
die tagmesse.[69]
Vnd der oberst sacrist sol bey dem sagrer pleyben.
Ez sol auch nyemant dheinen sluͤzzel haben zu dem pulpid[70] in dem
kor, do die pucher innen ligen denn der custer vnd der oberst sacrist
vnd der wochner.
Nota. wo die /trew/ stet, daz suͤllen die korschuler halten bey
der trew vnd suͤllen die andern stuck sust halten, wer daz vͦber
vert[71] vnd nicht helt, den sol der probst pfenden oder peuchen.[72]
Aber[73] der custer vnd der pfleger mugen sie dor vͤmb verkeren.
Wenn ein korschuler seumig ist an der leczen[74] on dez schulmeisters
vͦrlaub, den sol der schulmeister ie als off peuchen.
Der schulmeister vnd der probst suͤllen die korschuler dor zu
halten, daz sie stille sein, sunderlich ob dem tisch, daz sie allwegen
sweigen.
Der schulmaister vnd der probst suͤllen auf den leser merken, der
zu tisch list, daz er oͤrdenlich lese vnd niht valsch vnd wenn der
schulmeister spricht: Tu autem, so sol der leser aufhoͤren.
Die korschuler suͤllen daz gracias sprechen mit dem schulmeister.
Item so gibt man den korschulern zwu suppen von inuencio sancte crucis
vncz auf exaltacio sancte crucis, ein vor tisch, die andern nach
tisch. vnd die andern zeit im jar newr ain suppen vor tisch. vnd
man gibt in allweg zu einer suppen einen firdung[75] smalcz vnd sechs
spital prot. [_spätere Nachschrift_. In der vasten gibt man in kein
suppen....]
Item so mag der spitalmeister den korschulern einen cleinen knaben
halten ob er wil, oder er mag in niht halten, wenn er aber einen knaben
halten wil, der sol einhaiczzen vnd tun wez not ist, als in ein pfleger
heizt oder der kornschreiber vnd der kelner. Er sol auch allweg die
orgeln treten.
Nota. Wenn der spitalmeister ein cleinen knaben den korschulern halten
wil, der izzet, waz den korschulern vͤber wirt,[76] dar zu gibt
man im prot. Welchem korschuler er den pett,[77] der gibt im alle
cottemmer drey pfenning. So liegt er pey dem ministriren oder wo in
der spitalmaister heizzet ligen.
Item der korschuler sol dheiner vͤber velt niht gen on dez custos
vnd des spitalmeisters vrlaup.
Item wenn ein korschuler ein vnzucht tet[78] ez wer zu pett oder zu
tisch oder wo daz wer, so sol in der spitalmeister dor vͦmb heizzen
peuchen. wer aber die vnzucht groz, so sol er im vrlaub geben.[79]
Vmb aller heiligen tag sol man der korschuler stuben einhaiczzen.
Item wenn es gar kalt ist, so suͤllen die cleinen schuler in der
korschuler stuben lernen. Wenn ez aber niht vast[80] kalt ist, so
suͤllen sie lernen in der schul.
Aus dem Leitbuche des Neuen Spitals (Bl. 37 bis 43) im Nürnberger
Stadtarchiv.
/Döbeln./. /W. Loose./
FUSSNOTEN:
[57: endelich, tüchtig, zuverlässig. Lexer, I, 551.]
[58: ehrbar, mhd. êrbaerec.]
[59: fördern.]
[60: sich lehnen, legen.]
[61: sacrarium, Sacristei.]
[62: außer, als.]
[63: gebotener Fast- oder Feiertag. Schmeller I, 243.]
[64: nur, mhd. niwâri, newer.]
[65: der Zipfel der Kaputze und die Kaputze selbst. Lexer I, 1515.]
[66: einfach, schlicht.]
[67: Zeit der dritten canonischen Hora.]
[68: Du Cange, VI, 781: Versicularius, qui versus in officio divino
cantare debet.]
[69: Messe, welche nach der mettine (matutina) um Tagesanbruch gelesen
wird. Lexer II, 1392.]
[70: pulpitum, Pult.]
[71: übergeht, übertritt.]
[72: mit Lauge waschen, figürl. Verweis geben, strafen. Lexer, I, 288.]
[73: oder; Schmeller, I, 12.]
[74: lectio, Lehre, Schulunterricht. Lexer I, 1852.]
[75: 1/4 Pfund.]
[76: übrig bleibt. Lexer II, 1608.]
[77: bettet, das Bette macht, (mit Dativ der Person). Lexer I, 244.]
[78: Ungezogenheit, Ungesittetheit, Rohheit begienge.]
[79: ihn entlassen.]
[80: sehr, heftig.]
Zum fränkischen Bauernkrieg.
Nicht blos in Ostfranken und gegen Thüringen zu rumorten die
fränkischen Bauern, auch im Süden, an der Grenze gegen das Ries und
gegen Neuburg und das bayerische Fürstenthum hin, gab es Unzufriedene
genug, die gleich den Schwaben ihr Schicksal auf die Schärfe des
Schwertes setzten und durch Gewalt und Aufruhr ihr Loos zu verbessern
suchten. Ihre Unzufriedenheit bekam Nahrung von den Rieser Bauern, die
mit ihren Herren, den Grafen von Oettingen, ins Gericht gehen wollten,
von den „Dinkelsbühler und Ellwanger Haufen,“ welche Anfangs Mai sich
ins Ries zu werfen beabsichtigten. Markgraf Casimir, der bemerkte, wie
am Südrand seines Fürstenthums diese Kriegsfackel sich zu entzünden
drohte, hielt es für das Beste, hier rasch den Brand zu unterdrücken;
er zog daher, sobald er von den ersten Gewaltthaten seiner Bauern
hörte, jener Gegend zu. Der kurze, aber nicht unblutige Feldzug fand in
der Schlacht am Hahnenkamm, im Dorfe Ostheim sein Ende.
Wir finden nun in den „Bayerischen Bauernkriegs-Sachen“ (VI. Band,
p. 206) des Münchener Reichsarchivs folgenden Brief Casimirs, der
die Schilderung dieser Begebenheiten enthält, und glauben, ihn
hier mittheilen zu sollen, um so mehr, als er von der Bensen’schen
Darstellung (Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken, p. 389 f.)
in mehreren Punkten abweicht: 1) In Bezug auf die Datierung der
Thatsachen: Auszug Casimirs aus Ansbach am 6., nicht 8. Mai; Schlacht
bei Ostheim am 7., nicht 9. Mai. 2) Casimir selbst commandierte in der
Schlacht nicht. 3) Die Zahlenangaben über die Truppenstärke sind hier
officiell, sofern sie das markgräfische Corps betreffen. Der Brief,
dem die Adresse leider fehlt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach an
den Pfleger zu Wemding, Conrad von Leonrod, gerichtet, der ihn seiner
Regierung überschickt haben wird.
Casimir etc. 8. Mai 1525.
Wir geben dir genediger mainung zu erkhennen, das uns vorgestern (6.
Mai) angelangt hat,[81] das sich ain hauff paurn, mererteil uns und
den unsern zustendig, zusamengethon, unser stat Wassertrüehending[82]
einzunemen, uns und die unsern daraus zu beschedigen. derhalben wir
uns dann von stund an zu ros und fues mit ainem stattlichen geschütz
aufgemacht, die stat zu retten und die paurn davor zu schlagen.
aber ehe wir den weg halb von Onolzbach khumen, ist uns potschaft
under augen worden, das die paurn die stat eingenomen und im willen
hetten unser closter Ahausen[83] und Haidenheim zu plündern, zu
verprennen und zu verderben, also haben wir uns gewent in meinung
inen fürzuziehen[84], fernern schaden zu verhüten, und unsern weg uf
Guntzenhausen genomen, ob die paurn uf Haidenheim zugeen, das wir von
Guntzenhausen aus gegen inen fürnemen mochten. und ehe wir also gein
Guntzenhausen khumen sind, ist uns wider potschaft under augen khomen,
das die paurn unser closter Ahausen haben eingenomen und geplündert
und uf gestern sontag (7. Mai) mit etlichen hunderten uf Haidenhaim
zuzeziehen, dasselbig unser closter auch zu plündern und zu verprennen.
also haben wir von stund an etlich unser geraisig uf dritthalb hundert
zu ros und fünfthalb hundert zu fues und sechs schlangen puchsen gegen
inen geschickt, ob sie sie mochten betretten, mit der that gegen inen
zehandeln, und sind wir mit dem andern hauff zu ros und etlich zu fues
in der stat Guntzenhausen plieben und haben kain anderst gewist, dann
das der paurn über sieben oder acht hundert nit. aber über drej stund
ist uns gewislich botschaft komen, das das heer aus dem Ries zu den
andern jetzt gemelten paurn gezogen sind, das man bede haufen uf und
über sechs tausent geacht hat. deshalben wir von stund an ainen potten
abgevertigt den unsern sollichs angezaigt. aber der pot hat nit zu
inen konnen khumen, und also sind die unsern an die paurn khomen, sie
angriffen und mit dem geschütz auch zu ros und fues mit inen getroffen,
der viel erschossen und erstochen und sie in die flucht gepracht, also
das sie in ain gros dorf geflohen und haben die unsern das ober den
paurn anprent, und welche von paurn nit todt pliben, die haben sich
alle in gefängnus geben, auch ire fenlein, harnisch und were den unsern
überantwurtt, doch haben ine die unsern zugestanden das leben und
ewige gefangnus zu sichern. Das haben wir dir, dich mit uns zefreien,
gnediger mainung nit wollen verhalten. Datum Guntzenhausen am montag
nach Jubilate ao. 25.
/Augsburg./ /Dr. Wilhelm Vogt./
FUSSNOTEN:
[81: an uns gelangt, uns berichtet worden ist.]
[82: Wassertrüdingen an der Wörnitz.]
[83: jetzt Auhausen, 1/2 Stunde südlich von Wassertrüdingen, ebenfalls
an der Wörnitz gelegen, ein Augustinerkloster, in welchem 1608 die
Union gestiftet wurde.]
[84: Durch diese Flankenbewegung suchte Casimir die Bauern von
Heidenheim abzuschneiden.]
Das ayd vnd Regiment der aydgnosen der Sweiczeren wan sy in das veldt
oder in dem krieg cziehen etc.
Zwm ersten sol ain hawptman sweren des gmaynen volgks nucz vnd ere
zw füderen vnd iren schaden zw wenden vnd das volgk nindert[85] zu
verfüeren noch kain czug für sich selbs für zw nemen an[86] der rät
wissen und willen vnd dar inn das pest zu thuen getrewlich vnd an geuär.
Item ain vändrich oder ain vändltrager sol sweren mit dem banner oder
vändl mit trewe vnd warhait vmb ze geen vnd an ains hauptmans wissen
vnd willen nindert hyn ze cziechen vnd das banner oder vändl recht ze
haben vnd auch pey dem banner oder vändl ze sterben oder gneßen[87] vnd
dar ynn sein pests ze thuen getrwlich vnd an geuär so verr[88] sein
leib vnd leben gelangen mag.
Item ain vndter vändrich oder vntter vändltrager swert: mit dem banner
oder vändl mit trew vnd warhait vm ze gyen so vere sein leib vnd leben
gelangen mag vnd an ains hawptmanß vnd ains vändrichs wissen vnd willen
nindert mit dem vändl ze cziechen vnd dar ynn sein pests zu thuen
getrülich vnd an geuär.
Item dye dy zw dem banner oder vändl gegeben seindt swerent da pey ze
pleiben vnd des acht ze haben ob ain vändrich krangk wurdt oder nichts
möcht oder vmb keme das sy dann zw dem banner oder vändl greiffen vnd
das auffrecht heben vnd ie ainer dem anderen das pieten da pey ze
sterben vnd ze genesen getrewlich vnd an geuär.
Item der Schüczen hawptman swert auch des gmaynen volgks nucz vnd ere
ze füderen vnd schaden ze wenden vnd darynn sein pests ze thuen vnd dy
schüczen nit ze verfüeren vnd mit ynne kayn pesunderen czug ze thuen
noch für zenemmen an ains hawptmans wissen vnd willen desgleichen
sollen dy anderen hawptleut auch halten vnd sweren waß itlichen[89]
peuolchen würdt darynn sein pests ze thuen vnd kainer mit seinen
waner[90] oder vändl auß dem here ziechen oder lauffen an erlaubniß des
obristen hawptmanß getrülich vnd an geuär.
Item ain Schüczen vändrich oder bannertrager swert gleich alß der recht
vändrich vnd so uil meer das er dem schüczen hawptman mit dem zaichen
gehorsam sein soll vnd soll auch an sein willen vnd wisßen mit dem
vändl nindert hyn ziechen.
Item dye dy vor vnd hynder den baner oder vändl geordnet werden dy
swerendt vor oder hynder dem baner oder vändl alß ietlicher] geordnet
ist zw pleyben vnd das helfen peschirmen vnd pehüten so verr ir leib
vnd leben gelangen mag.
Item dye schüczen sweren nindert hyn ze lauffen an irs hawptmans
willen vnd wissen.
Item dye wachtmeister dy sweren das sy: so man vntter den veinten
ist dye wacht steet[91] wol wellen peseczen vnd dar pey ligen vnd
luegen[92] das dye wol peseczt vnd versechen seind vnd dar ynn ir pests
thuen getrewlich vnd an geuär.
Dar nach got dem almächtigen vnd seiner werden muter maidt[93] maria
ze lob vnd ere seczen vnd ordnen wir das nyemant in kayn kirchen
sträflichen lauffen oder gien sol dy zw perawben Vnd mit sunderhait waß
zw der kirchen gehört vnd kirchenguet ist von der kirchen nit ze tragen
oder von danen verändern.[94] Auch dy wirdige priesterschaft frawen vnd
kinder nit ze smächen noch sträfflich handt an sy nit legen Sy auch nit
ze endteren[95] noch nichs arg zwe fügen. Vnd wer das vbersicht dem sol
man straffen an leib vnd an guet.
Item es sol auch nyemant fliechen vnd kayn flucht machen vnd wer
das vbersicht dem sol der nägst der pey ynn ist, so verr er mag von
leben zwn todt pringen vnd dar vmb sol nyemant weder mit gericht
noch suest[96] noch mit pueß noch peswärnüß gestrafft werden noch
kayn gericht verschuldt haben. Vnd ob ain sölicher flüchtiger in dem
ertrunne den sol man richten ob er gefangen würde: gleich alß ain
manayder schelman vnd pöswicht.
Item wenn vnß got das glück gebe das wir ain streit pehielten so sol
nyemant den anderen außziechen oder plünderen piß das der streit gar
ze ergangen ist vnd wier den sig oder dy v̈berwindung gancz gebunnen
haben vnd das feldt pehebt[97] vnd dar nach sol man mit rat dye Lewt
auß ziechen vnd waß dann erobert wirt das sol man zesammen thuen vnd
sol das gleich yedermann nach manßzal mit taylen wann von sölichen
auß ziechen vnd plünderen wo das in gefecht geschicht: widerferdt den
Leuten grosser schade vnd schandt.
Item ain ytlicher sol in seiner ordnung alß ym ze ziechen pefolchen
wirt pleyben vnd dye nit prechen noch von danen an vrlaub lauffen
sunder vor vnd hinden den baner oder vändl wie dann dy ordnung auß
weist pleiben.
Item wenn auch ain raub gewunnen oder genommen wirdt essende speiß es
sey vich oder suest anders das sol nymant an vrlaub seins hawptmans
vnd der rätt auß dem velt füeren da mit ain gmayne dester paß gespeist
werde vnd das auch vmb ayn gleichen pillichen pfenning geben ain
gemayne da mit nit ze v̈berschäczen.
Es sol auch nyemandt prennen an ayns hawptmans oder der rätt vrlaubs
piß das das volgk für oder durch zücht da mit dye nachthuet oder speyß
nit gehyndert werde.
Item es sol auch nyemandt aynicherlay spil spilen wie das genent
oder gehayßen ist gancz nichs außgenomen noch hynden geseczt an ains
hawptmans willen vnd vrlaub wann[98] von spilen vil vnfreundschafft vnd
aufruer erstet vnd sol auch nyemandt kayn pößen swuer thuen.
Es sol auch yederman in veldt in der veindt landt sein harrnisch vnd
sein wer pey inn tragen er gee ze kirchen oder ze rat tag vnd nacht.
Es sol auch nymant auß dem veld oder suest von baner oder vändl ziechen
an ains hawptmans wissen vnd erlauben weder aushyn weder inhyn wercz
vnd welcher das v̈berdrit hat sein sold dem er des zuegs verdient hat
verloren.
Item ob es auch zu ainem gefecht oder streit kommen wurd so sol
nyemandt ain geschray noch rueffen machen sünder got vnd sein wirdige
mueter mariam an rueffen vnd dye vor augen haben vnd da mit mändlich
vnd ritterlich vechten alß vnser vorvaderen gethan haben.
Item wenn auch dy gesellen wider einander stössig wurden ainer oder
meer da sol yederman schaiden vnd sich nit parteyen ainen tail für den
ander ze helfen oder peystyen: dye stösß trölich zerlegen vnd frid auff
nemmen vnd sol der frid vmb alle sachen geben werden vnd sol nyemant
den anderen frid versagen sunder dem fur wordt vnd werch geben vnd wer
den frid pricht mit fluechen oder schelten den sollen dy hawptleut pey
iren ayd an seinen eren oder an seinen leib vnd guet straffen wer aber
den pricht mit werchen den sol man ab slagen sein hawpt. Thet aber
ainer den anderen vber den frid leiblöß[99] der ist ein mördrer vnd man
sol im auf ain rad seczen.
Pey dem ayd sol nyemant ainer den anderen kayn todslag, der ausserthalb
den zug gescheen wär, rechen in der czeit alß wir in feld sein und wer
das vbersäch zw des leibs vnd gut sol man richten nach recht.
Item vor allen dingen pieten wir das nyemant für sich selbs kain
auffbruch noch auflauff mach ob bald dy veind gegenbürtig[100] wären
dann mit vrlaub der hawptleut vnd mit ordnung alß das vnsere vorderen
auch gepraucht vnd heer pracht haben.
Es sol auch nyemant kayn mül brechen noch der mül gschürr hyn weg
tragen an ayns hawptmans wissen vnd willen.
Item da pey sol yederman sweren vnsere veind an leib vnd guet ze
schedigen so verre unser aller leib vnd guet gelangen mag vnd ainem
hawptman vnd seinen poten gehorsam ze sein noch kain zug noch antrag
ze thuen an ains hawptmanns vnd der rät wissen vnd willen vnd dar pey
vnseren frid nit ze peschedigen weder an leib noch an guet vnd pey den
ayd an ain gefecht oder streit nyemant ze vachen sunder so vere man mag
vnser veindt ze tödten.
Dyse abschrifft hab ich genomen auß der zedel, die man pey ain hawptman
der Sweiczeren hat funden in dem nägsten schlag der da geschehen ist in
der vergangen vasten der Jar zal: (14)99, pey Costnicz vnd hat sy herre
hannß Trugksaß pracht gen walsee vnd ist er dar nach pald worden der
öbrist hawptmann vber das heer das da ligt ze Costnicz.
Item es sagt alle welt in Swaben lob vnd dangk den etschleuten vnd
ärczt knappen vmb ir ritterlich vechten vnd tat dy sy than haben piß
hye her wider dy Sweiczer pesunder wir di Chör[101] vnd pey veldkirchen
vnd hat der gancz Schwäbisch pundt ain großen wolgefallen und troest
zw den etschleuten alß ich dann das warlich vernomen hab nit alayn von
here hannßen Trugkßsaß sunder auch von manigen anderen pideren leuten
dy in dem krieg sein gewesen vnd noch sein. Got geb vnß gnad sig vnd
glügk wider all vnser veindt amen amen amen.
Wolkenstein’sches Archiv im germanischen Museum.
/Nürnberg./ /Hans Bösch./
FUSSNOTEN:
[85: nirgends.]
[86: ohne (so noch öfter).]
[87: genesen, am Leben bleiben.]
[88: so fern, so weit.]
[89: jeglichem.]
[90: Banner.]
[91: stets.]
[92: schauen, zusehen.]
[93: Jungfrau.]
[94: entfernen, entfremden.]
[95: entehren.]
[96: sonst.]
[97: behalten.]
[98: denn.]
[99: leblos, todt.]
[100: gegenwärtig.]
[101: wider die Churer (?); das Papier ist an dieser Stelle gebrochen
und dadurch die Schrift nicht sicher zu lesen.]
Ein ehrengerichtlicher Spruch aus dem 16. Jahrhundert
Wolfgang von Honneck Comentur des deutschen Hauses zu Freiburg,
Hans Albrecht von Anwyl, Bürgermeister daselbst, Hans Wilhelm von
Liechtenfels und Erhart von Falkenstein erklären, im Namen gemeiner
Herren und Gesellen der löblichen Gesellschaft zum Ritter, daß
beleidigende Aeußerungen des Abtes Melchior zu St. Trudpert[102] gegen
den Freiherren Anthoni zu Stauffen, nach den von dem Abte gegebenen
Erklärungen, keinem Betheiligten an Ehre, Herkommen, Stand und Leumund
nachtheilig sein sollen.
1550, December 22.
Zu wyssend vnd khundt sy menigklichem mit disem brieff, nach dem
sych spaͤnn[103] vnd irrung zugetragen zwischen dem wolgeborenen
| herren, herren Anthonien freyherren zu Stouffen an einem vnd dem
erwürdigen vnd geistlichen herren, herren Melchior | abte des gotzhußes
zu sant Trutprecht am anderen teil von wegen etlicher wortt, die
sich vff den acht vnd zweinzigen (sic!) tag | des Monats Marcii
nechst verschinen,[104] als man etliche spaͤnnige hoͤltzer
besichtiget, von dem genantten hern abte wider den gemelten herren
von Stouffen geredt haben solle, welche wortt der gedacht herr von
Stouffen fuͤr schmelich vffgenommen, den herren abbt rechtlich
darum zu suchen willens gewest. Vnd aber derenhalben fuͤr vnß
herren vnd gesellen der loblichen geselschafft zum Ritter, vermoͤg
der ordnung, vff huͤt dato khomen, daruff man sy zu beiden teillen
notturfftig[105] gehoͤrt. Demnach aber der vorgenant her abbt die
selbige wortt nit dermassen, das sein wyll vnd gemiett inne[106]
den herrn von Stouffen an seinen eeren, herkomen vnd guͤten
leimbdten[107] zu verletzen ye willens gewest, auch noch sein wyll
vnd gemiet nit sye, sonder, was er geredt, habe er als ein altter,
bedagtter man vß vnbedachtem beweglichen gemiett gethonn, verantwurt
hett, vnd woͤlle ime, herren von Stouffen, alle eer, lieb vnd
diennst, wie bißher bewysenn, daruff den die parthien vff vnnser
fruͤntlich bitt vnd ansuͤchen dise sachen vnnß heim gestellt
haben, dwill[108] wir dann in des herren abbts verantwurttung, das sein
wyll vnd gemiett den hern von Stouffen darmit an seiner eeren, herkomen
vnd gutten leimbdten zu verletzen nit gewest, genugsam gehoͤrtt, so
haben wir durch vnseren güetlichen spruch ertheiltt, das dise wortt
keinem teil an seinen eeren, herkomen, standt vnd guͤten leimbdten
nachteilig sein sollen, auch hiemit deren halben gericht, vertragen
vnd vereinbartt sein, also das kein theill den anderen deren halben
wytter suͤchen[109], weder inner noch vsserthalb rechtens beschweren
woͤlle. Das sy vnnß zu beiden teilenn by guͤtem glauben, eren vnd
würde zugesagt vnd versprochen haben mit verzyhung[110] aller gnaden
vnd freyheitten. Deß zu vrkhundt so haben der erwürdig, die edlen und
vesten, herr Wolffgang von Honneck, Comenthur alhie zu Fryburg im
tutschen huß, Hannß Albrecht von Anwyll, dieser Zeit Burgermeister
der statt Fryburg, Hannß Wilhalm von Liechtenfels vnd Erhartt von
Falckenstein im namen vnd von wegen gemeiner herren vnd gesellen der
loblichen gesellschaft zum Ritter ire eigne insigell zu vnd an disen
brieff thonn hencken, der geben ist vff den zwein und zweinczigistenn
tag des monats Decembris im jar als man zalt nach Christi vnsers
lieben herren vnd erloͤsers geburtt tusendt fuͤnffhundert vnd
fuͤnffzig.
Perg.-Orig. mit 4 Siegeln, von denen indeß nur noch zwei (v.
Lichtenfels und v. Falkenstein) gut erhalten.
Karlsruhe. Großh. General-Landes-Archiv: Urkundensection St. Trudpert,
Convolut 36.
/Karlsruhe./ /v. Weech./
FUSSNOTEN:
[102: St. Trudpert, ehemaliges Benedictinerkloster im jetzt badischen
Bezirksamte Staufen.]
[103: /Span/, m., pl. /Spän/, Streitigkeit, Zwist; /spänig/, streitig,
Schmeller II, 670.]
[104: vergangen; Schmeller II, 423.]
[105: nach Bedürfniß, so viel nöthig; Schm. I, 539.]
[106: ihn.]
[107: /Leumde/, aus mittelhochd. liumunt, liumet, Ruf, öffentliche
Meinung, Leumund; Schm. I, 1472.]
[108: /dwill/, aus mhd. /die wîle/ (während, da); zusammengezogen:
dieweil.]
[109: belangen.]
[110: Entsagung, Verzicht; Schm. II, 1105. Dr. /Fr./]
Mäßigkeitsvertrag.
Fünf 1609 in Paris sich aufhaltende deutsche Edle errichten unter sich
ein Bündniß gegen zu vieles und ungesundes Weintrinken unter Androhung
einer bedeutenden Geldstrafe.
„Khundt vnndt zue wissen, sey jedermenniglich, daß vff heutt Dato
ann dem heiligen Ostertag, Altten Calenders, die Wohlgebornen Herrn
und Edlen, Herr Albrecht Güntter, der Vier Grauen des Reichs, Grauen
zu Schwartzburg vnnd Hohnstein, Herrn zu Arnstatt, Sondershaußen,
Leuttenberg, Lohra vnnd Clettenberg etc. Christoph Moritz Freyherr
zu Herberstein etc. Seyfridt Herr vonn Küttlitz etc. Adam Andreä
Rideßel vonn Camburg, Fürstl. Speürischer Rath, ober Ampt- vnnd
Lanndtshauptmann auff Magdenburg vnnd Lanndeckh etc. vnnd Sambson
Schöer(?) von Schwartzenburg, Fürstlicher Württenbergischer bestellter
Rüttmeister vnnd Hauptmann etc. Sich mit einannder vereinbartt und
verglichen, daß kheiner (biß wider auff khünfftigen Ostertag wann mann
zehlen württ 1610.) vber eine Mahlzeitt (deß Tags nicht mehr dann zwo
gerechnet) auff daß höchste mehr nicht dann ein maß wein trinkhen soll,
vnnd zwischen denn Malzeitten mehr nicht denn ein quartt, Weil aber die
Massen jnn Teütschlandt hin vnnd wider vngleich, wollen wür hiermit
diße nach Volgende drey massen Außtrukhenlich genannt vnnd verstanden
haben, Namblichen die Reinisch, Württembergisch, und Elßäßisch, da
sy einannder biß auff Vngeuahr ein klein gläßlin voll gleich seindt,
etc. All anndere Starkhe getrankh wie die Namen haben mögen, hiemit
Außtruckhenlich verbotten und außgenommen sein sollen mehr nicht dann
ein klein Trünckhgleßlin voll, Ohne wasser vnnd Büer, Es wehre dann,
daß einer Kranckh vnnd Ime ein annder tranckh geordnet würde. Es solle
auch khein theül dem Anndern macht haben Mehr zu Erlauben etc. Auff dem
fahll aber einer oder der Annder sich überreden lüesße, oder obgemelte
zwo masß, vnnd die quartt zusamen Sparen oder auff einmahl trinckhen
woltte, der solle hiemit vnnd Inn Crafft diß Verbunden vnnd schuldig
sein denn Anndern obgemeltten, Jedem Insonnderheitt, /Drey hundert
Reichsthaler/ Inn specie zu geben, nicht allein auff einmahl,
sondern so offt er solches vber tritt. Wür versprechen Vnnß auch gegen
einander, Bey vnnßern gewisßen Eydt vnndt Ehren, Da es einer oder der
Annder Vbersehe vnndt nicht hüeltte, daß er schuldig sein soll, denn
andern ein solches zu gestehen vnnd anzuzeigen. Da aber einer oder der
annder Außflüchten suchen woltte, vnnd annderst v̈berwißen würde, Der
soll schuldig vnnd verbunden sein, Obgemelte Summa Doppelt zu geben,
vnnd so offt daß er solches thuett etc. Die weil wür aber Aller seitz
Verpflichte Lehen Leuth vund Diener seindt, allß wollen wür hiemit dem
Churfürsten vonn Sachsen, Hertzog vonn Württenberg, vnnd dem Bischoff
von Speur, oder da einer hie zwischen Inn Annderer Fürsten Diennst
Kheme, Allein Jre Taffel außgenommen haben etc. Solches stehet vnnd
vest zu haltten, Auch hiemit alle Außreden, Außflüchten vnnd Lüst, so
Menschen erdenckhen mögen außgenommen haben. Dessen wür vnnß mit Mundt
vnnd handt, auch crafft dieser schrifft gegen einannder Verbunden vnnd
Verlobt.
Zue wahrer Vrkhundt haben wür diß Verbündtnus mit vnsern angebornen
Rinng Püttschiren vnd eignen Hannden becräfftigt vnnd vollenzogen.
Datum Pariß den 16/26 Aprilis anno 1609.“
Folgen die 5 Siegel und eigenhändigen Unterschriften der obengenannten
5 Herrn:
/Albrecht Günther/ /Christoff Moriz/
Graff zu Schw. u. Honst. Freih. zu Herberstin
/Seyfriedt/
Herr vonn Kittlitz
/Andre Ridesell/ /Samson Schöer/
von Camburg vonn Schwartzenburg
Oberster Leytenannt Ritmeister vndt Hauptmann
Aus dem Rudolstädter Archiv.
/B. Anemüller/.
Samuel Karoch von Lichtenberg.
Ueber diesen Vorläufer der Humanisten und seine wunderlichen Verse
habe ich in der Zeitschrift f. d. Gesch. des Oberrheins im 28. Bande
gehandelt. Es ist nicht unwichtig, daß derselbe trotz seines sehr
mangelhaften Lateins und seines possenhaften Auftretens doch es zu
einer gewissen Berühmtheit gebracht hat. Ich bemerke deshalb hier, was
mir damals entgangen war, und worauf mich Herr Dr. Geiger aufmerksam
machte, daß dieser Samuel auch in den Epistolis obscurorum virorum
vorkommt. Magister Conrad von Zwickau schreibt ep. 13: „Per deum valde
jucundum est amare mulieres, secundum illud carmen Samuelis poete:
Disce bone clerice -- conservare“. Zarncke, Die deutschen Universitäten
im Mittelalter S. 87, hat dasselbe, mit noch einer Zeile am Schluß,
aber ohne den Namen des Verfassers. Noch merkwürdiger aber sind die
Worte Magistri Philippi Sculptoris ep. 25: „Tempore meo fuit tantum
unus poeta, qui vocatus fuit Samuel; et nunc solum in ista civitate
sunt bene viginti.“ Boecking, Opp. Hutteni VII, 463 im Index biogr.
verweist auch auf Habich in Progr. Gymn. Goth. 1860, nach welchem in
einer Gothaer Hs. außer dem Dialogus inter adolescentem et virginem
auch f. 297-300 enthalten ist: „Samuelis de monte rutilo epistola
missiva et petitoria omnes paene scholarium miserias lucide declarans.“
Die möchte auch vielleicht der Mittheilung nicht unwerth sein.
/Berlin./ /W. Wattenbach./
Hochzeitbrief eines Scharfrichters.
Hoichwirdighe Fürstin Wollgeborne Gnetighe Fraw. E f g magh Ich
Deroselben vndertheniger Diener in Vnderthenigkeit nitt verhalten
waßgestalt Ich nun durch Zufuegungh Gottes vnd freunde Raith meyne
Tochter Elisebeth an eynen erbarn Gesellen vnsers beruffs eheligh
versprochen. Vnd darab[111] derselben hochtzeitligen ehrtag gliptz[112]
Gott vff dinxstagh den Zehenden dises Monatz alhie zu Essen an vnser
Behausungh gern halten solle. Dweilh[113] nun Ich armer Diener zu E. f.
g. aller gnad vnd Beystandtz mich gentzlich getroeste, Alß Glangt an E
f g Meyn vnderthenigh hohe fleissigh bitt. Die wollen myr vnd meyner
Tochter zu derselben hochzeitligen Ehrtag so gnetiglich erscheinen. Vnd
denselben mitt gnaden hilffen leisten etc. Daß bin Ich armer Diener in
aller vndertheniger Vermugenheit sampt meynem Ehetumb[114] die taghe
unsers Lebens widrumb zuuerschulden geflissen. Weis Gott der E f g
zu langen Zeiten in hohem furstlichen stande gesundt vnd glückseligh
erhalte.
Datum am 6^{ten} July Anno etc. 601.
E. F. G. Vndertheniger gehorsamer Diener
Hanß Bernhers. Scharpffrichter.
Dieser Brief ist gerichtet an die gefürstete Aebtissin des kais.
freiweltlichen Stiftes von Essin (Essen). Er stammt wahrscheinlich
aus dem Besitze des Archivars Kindlinger, (vgl. Annalen des Vereins
f. nassauische Alterth. XI, 336 f.), der ihn mit andern Essen’schen
Akten an Bodmann abgetreten zu haben scheint, von welchem er (1830) mit
dessen archivalischen Sammlungen käuflich an Habel übergieng.
/Miltenberg./ /Conrady./
FUSSNOTEN:
[111: daher.]
[112: geliebt es.]
[113: d. i. dieweil, weil.]
[114: Diese umdeutende Form für /Eidam/ findet sich auch bei
Apherdianus, tirocinium linguae latinae, p. 194. Dr. Fr.]
Spruch.
In einem alten Buche steht eingeschrieben:
„Disses Buh ist mir ver Ehrt worden
Zum neuen Jahr bey dem schulmeister
Zu stamheim darum ist mir lieb Wers
stilt der ist ein dieb. Er sey gleich Rieder
otter Knecht so ist er an den galgen gerecht.
Anno 1631 Jar“.
/Kupferzell./ F.-K.
(Mit einer Beilage.)
* * * * *
Verantwortliche Redaction: /Dr. A. Essenwein./ /Dr. G. K.
Frommann./
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei /U. E. Sebald/ in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
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