Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
3. Hec omnia sunt vanitas
3429 words | Chapter 145
Clara cujus amenitas
Ista nobis dat gaudia,
Sed remanent perennia
unius respectu virginis,
solem obumbrat radiis.
que non sunt transitoria,
viceque sempiterna.
Amen.
/Berlin./ /W. Wattenbach./
Die heraldischen Kronen auf Siegeln des niederen Adels.
Daß sich, im Sinne des Mittelalters zu sprechen, zu Helm und Schild
geborene Personen auf ihren Siegeln statt des Helmes wol auch der Krone
bedienen, ist an und für sich auffallend genug; denn was soll, so fragt
man billiger Weise, das bildliche Zeichen hoher, königlicher Würde
im Wappenbilde eines sicherlich nicht zur Fülle der Macht berufenen
Mannes? Aber auch Frauen führen bekanntlich die sogenannten Rangkronen
über dem Wappenschilde, und es hat sich sogar in der Neuzeit das
Herkommen gebildet, nicht den Helm, sondern die Krone hauptsächlich in
den Siegeln des schönen Geschlechtes zur Verwendung zu bringen.
Ich beabsichtige nun keineswegs, über diesen Gegenstand, dessen
Erörterung ich den Sphragistikern überlassen möchte, Vermuthungen
auszusprechen; wohl aber erlaube ich mir, auf ein in ziemlich gut
erhaltenem Abdruck vorliegendes Siegel aufmerksam zu machen, weil
dasselbe ein ungemein frühes Beispiel einer, über den Schild einer
weder zum Fürsten-, noch zum Herrenstande zählenden Persönlichkeit
gestellten, heraldischen Krone ist.
Es handelt sich um das Siegel eines graduierten Klerikers. Dasselbe
hängt an einer im Generallandesarchive zu Karlsruhe befindlichen
Originalurkunde 1480 (verbis) montag nach Katharinentag (Nov. 27.),
Sect. Ueberlingen-Pfullendorf, Conv. XIII.
Der Siegler, „Cunradus Gaͤb, lerer der recht, vicarj des hofs
zu Costenntz und pfarrer zu Sulgen“, bringt, in Gemeinschaft mit
dem zuerst genannten und in rothem Wachse siegelnden Abte Johann
von Salmansweiler, zwischen dem Abte des Klosters Königsbronn und
dem Priester Michael Setzing, Leutpriester zu Pfullendorf, einen
gütlichen Vergleich über Novalzehenten zu Stande. Sein Siegel ist
ein gewöhnliches Rundsiegel in grünem Wachs, unbedeutend größer als
die Mehrzahl der damals vom niederen Adel geführten Siegel, ungefähr
von der Größe eines Zweimarkstückes. Das Wappenbild ist ein von
rechts nach links gezogener Schrägbalken, die Schildform die damals
übliche halbrunde. Zur Bezeichnung des Unterschiedes von Farbe und
Metall ist der Schild zierlich gegattert, so zwar, daß in den hiedurch
gebildeten, sehr fein gezogenen Quadrätchen je ein Kreuzchen zu stehen
kommt. Der Schild steht gerade. Ueber demselben befindet sich in
völlig deutlicher Ausprägung eine Krone mit fünf Zacken, von denen
jede in ein Dreiblatt endigt (sog. Laubkrone). Ueber die in der Mitte
befindliche Zacke hebt sich aber, unverkennbar als Kleinod (zimier),
ein Federbusch, der nicht auf den Schild aufgesetzt ist, sondern, so
zu sagen, aus der Mitte der Krone emporsteigt. Der Schild ist von
einem gut stilisierten, mehrfach gebrochenen Spruchbande umgeben.
Leider ist die Legende nicht sonderlich wohlerhalten; doch lese ich
mit völliger Sicherheit: S’. CONRAD GÄB und dazu als Schluß noch ein
Wort, welches aller Wahrscheinlichkeit nach licentiati heißen wird,
alles in kleinen gothischen Buchstaben, damaliger Druckschrift ähnlich.
Ueber das Herkommen des Konrad Gäb ist mir Näheres nicht bekannt.
Er wird zum Jahre 1484 als Doctor Conrad Gäb, Vicarius des Bischofs
Otto von Constanz, in der Zimmerischen Chronik I, 486 genannt. In
Freiburg in Breisgau saß schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts das
siegelfähige Geschlecht der Geben, welches vielfach in der Zeitschrift
für Geschichte des Oberrheins (Band XII, XIII, XVII, XXX) genannt
wird. In Schreiber’s Urkundenbuch der Stadt Freiburg II, 1, Taf. VII,
34 findet man die Abbildung des Siegels Cuͦnradi dicti Geben zum
Jahre 1370, durch welche, in Verbindung mit den Siegelbeschreibungen
der genannten Zeitschrift, die Uebereinstimmung des Wappenbildes der
Freiburger Familie mit jenem des Constanzer Generalvicarius außer Frage
gestellt wird. Ohne hieraus einen genealogischen Zusammenhang stricte
deducieren zu wollen, glaube ich doch die Wahrscheinlichkeit eines
solchen annehmen zu müssen. Der Licentiat oder Doctor Konrad Gäb führt
also sein Familienwappen und über demselben eine Krone, als das älteste
mir bekannte Beispiel der Anwendung einer heraldischen Krone über dem
Wappenschilde eines Mittelfreien.
/Karlsruhe./
/Dr. Frhr. Roth v. Schreckenstein./
Ueber Kronen.
Bemerkungen zu dem Siegel des Dr. Konrad Gäb.
Das in vorhergehendem Aufsatze beschriebene Siegel ist jedenfalls
sphragistisch hochinteressant, und es ist lebhaft zu bedauern, daß der
Herr Verfasser uns nicht in die Lage setzen konnte, eine Abbildung
desselben zu geben. Das Interesse liegt in der schwer erklärbaren
Bedeutung der Krone; doch möchten wir der Bezeichnung derselben als
„/heraldische Rangkrone/“ nicht zustimmen. Sie hat kaum Bezug
zum Rang des Siegelführers; aber es können auch Rangkronen nicht
als „heraldisch“ bezeichnet werden, wenn schon dies in unserer Zeit
geschieht.
[Illustration: Fig. 1.]
[Illustration: Fig. 2.]
[Illustration: Fig. 3.]
Das Mittelalter kannte allerdings bereits Rangkronen und wendete
sie auch in Verbindung mit der Heraldik an, aber nur für wirkliche
Kronenträger und in der ihrem Range entsprechenden Form. Wir finden
kaiserliche und königliche Wappen, bei denen statt des heraldischen
Helmes mit der Helmzier die Krone auf dem Schilde steht, und können
im 15. Jahrh. einen feststehenden Typus für die Kaiserkronen finden,
der merkwürdiger Weise scheinbar in gar nichts mit der wirklichen
Kaiserkrone übereinstimmt, aber nicht blos in Verbindung mit der
Heraldik auftritt, sondern der gesammten Kunst des 15. Jahrh. angehört.
Wie weit diese Unterscheidung etwa in das 14. Jahrh. hinaufgeht, können
wir zur Zeit nicht feststellen; im 15. finden wir sie gegeben und sehen
darin die Grundlage der „Rangkronen.“ Die Königskrone unterscheidet
sich bei allen Darstellungen -- Ausnahmen aus Mißverständnissen
oder besonderen Gründen vorbehalten -- jener Zeit, auch wo sie in
Verbindung mit der Heraldik auftritt, von der Kaiserkrone dadurch,
daß sie ein einfacher, mit Laubzacken besetzter Reif ist, während
die Kaiserkrone Bügel hat, die sich über dem Kopf wölben. Wenn es
nun auffallen muß, daß diese typische Form der Kaiserkrone keine
Aehnlichkeit mit der wirklichen hat, so hat dies seinen Grund darin,
daß die wirkliche Kaiserkrone sehr wenigen Künstlern je selbst zu
Gesicht kam und auch dem Volke unsichtbar war, da sie ja der Kaiser
selbst nur bei der Krönung trug, so daß die Künstler sich deshalb ein
typisches Bild machten, an welches auch das Volk sich derart gewöhnte,
daß es selbst in officiellen Darstellungen auftritt. Wenn wir absehen
von dem alten Holzschnitte[234] vom Beginn des 15. Jahrh., welcher
die Reichskleinodien vor Augen führt und „Kaiser Karls Krone“ so,
wie sie Fig. 1 in einer Hälfte dargestellt erscheint, abbildet, so
ist in vielen späteren Bildern eine der bischöflichen Mitra ähnliche
Form wiedergegeben; so insbesondere bei Wohlgemuth, welcher in der
Schedel’schen Chronik consequent die Kaiser und Könige in der Krone
unterscheidet. Wir erhalten davon ein deutliches Bild durch die
zwei Figuren, welche wir der Darstellung des deutschen Reiches und
seiner Glieder entnommen haben (Fig. 2) und die den Kaiser und den
König von Böhmen zeigen. Grünenberg gibt in seinem Wappenbuche eine
Darstellung der Kaiserkrone, welche auch im wesentlichen mit der Krone
übereinstimmt, die Kaiser Friedrich IV. auf seinem Grabmale in der
St. Stephanskirche zu Wien trägt (Fig. 3). Es ist dieselbe Hauptform,
welche später, am Schlusse des 16. Jahrh., der sog. „österreichischen
Hauskrone“ gegeben wurde, die, dem Kaiser dienend, nicht
Reichseigenthum, sondern solches des österreichischen Kaiserhauses war,
also auch außer der Krönung zur Verfügung stand und noch heute als
österreichische Kaiserkrone betrachtet wird. Wie entstand diese Form?
Betrachten wir (Fig. 4) die deutsche Kaiserkrone, so zeigt sich, daß
sie in nichts mit jener auf Friedrichs IV. Grabstein übereinstimmt, als
daß ein Kreuz oberhalb der Stirne steht, von welchem ein Bügel nach
rückwärts geht. Aber wir sehen neben der Hülse, in welcher der letztere
an der Rückwand und ebenso an der Vorderwand befestigt ist, noch zwei
solche etwas schräg stehende Hülsen. In diesen mag je ein flacher
Bügel befestigt gewesen sein, der als oberer Rand je eines halben
Käppchens von Sammt oder Seide diente und sofort das Charakteristische
der typischen Künstler-Kaiserkrone auch an der echten erscheinen läßt,
so daß es klar wird, wie die Künstler ihr Bild der bloßen Erinnerung
der Wirklichkeit entnahmen, indem sie nur die 8 Schildchen der echten
Krone, die sie nie nahe gesehen, in Laub umwandelten. Während die erste
uns bekannte Darstellung, die sich einigermaßen der echten Kaiserkrone
nähert, in dem Nürnberger Heilthumsbuch von 1493 enthalten ist (Fig.
5), zeigen selbst jene Siegel Kaiser Maximilians I., bei welchen
eine Krone statt des Helmes auf dem Schilde ruht, nur den Typus der
Bügelkrone, wie er populär war. Auf einem vom Kaiser verbreiteten
Flugblatte von 1508 erscheint am Fuße das Wappen Fig. 6.
[Illustration: Fig. 4.]
[Illustration: Fig. 5.]
Diese Kronen bei kaiserlichen Wappen sollen aber Kaiser- und keine
Königskronen sein, sie sollen des Kaisers Rang bezeichnen, wenn auch
das Grabmal Friedrichs IV. ähnliche Kronen auf anderen Schilden
zeigt. Bei dem Wappen von Alt-Oesterreich steht der Herzogshut auf
dem Schilde (Fig. 7) und trägt merkwürdiger Weise auch die Helmzier,
die eben zum Helm gehört, nicht zur Krone. In ähnlicher Weise, wie
hier der Herzogshut angewendet ist, tragen die Wappen der Päpste und
Bischöfe die Tiara und Mitra, das Wappen des Dogen von Venedig den
Dogenhut u. s. w., /um den Rang zu bezeichnen/. Aber während diese
Darstellungen bis in das 15. Jahrh. hinaufgehen, ist uns kein Beispiel
bekannt, daß Dynasten oder niederer Adel damals schon Rangabzeichen
mit dem Schilde verbunden hätten, noch weniger, daß sie das Zeichen
eines Ranges, den sie nicht besaßen, also eine Königskrone, als
Rangabzeichen gebraucht hätten. Als nach dem Mittelalter die Sitte
allgemein wurde, Rangabzeichen mit den Wappen zu verbinden, war es
auch nicht die Königskrone, welche jene Herren führten, sondern ein
ihnen eigenthümliches, je ihren speziellen Rang ausdrückendes Zeichen,
welches wir, weil es mit einer Königskrone Aehnlichkeit hat, als
„Grafenkrone“ oder „Freiherrenkrone“ bezeichnen. Für deren Entstehung
kann aber unser Siegel des Dr. Gäb doch keinen Anhaltspunkt gewähren;
denn die Krone dieses Siegels ist eine Königskrone, also keine, welche
den Rang des Dr. Gäb bezeichnete.
[Illustration: Fig. 6.]
Wenn es somit auch nicht schwer fällt, die vom Herrn Verfasser des
vorhergehenden Aufsatzes gewählte Bezeichnung umzustoßen, so ist es um
so schwieriger, die Bedeutung der Krone in diesem Siegel festzustellen.
In der Heraldik kommt die Krone (Königskrone) als Schildfigur häufig
vor. Als eigentliches Helmkleinod sie gesehen zu haben, erinnern wir
uns nicht; wohl aber kommt sie oft genug als Hülfskleinod, ähnlich
wie die Federkörbe, Wulste u. dgl. vor. Dafür erscheint sie bei dem
vorliegenden Siegel zu groß, da der Federbusch sie nicht ausfüllt.
Sollte nur der Siegelstecher sie in die Breite gezogen haben, weil
im Mittelalter jedes Feld durch die Figuren entsprechend gefüllt
sein mußte, ein Grundsatz, der jedem Maler oder Bildschnitzer für
jede Composition ebenso galt,[235] wie dem Heraldiker für die
Schildzeichnung, und den auch jedes schöne Siegel bezüglich der
Darstellung, ob diese nun eine heraldische war oder nicht, zur Geltung
bringt?[236] Unbedingt überzeugend ist allerdings diese Erklärung
nicht. Ist es etwa besser, anzunehmen, daß Gäb einer Bruderschaft
oder einem Orden angehörte, deren Symbol die Krone war? etwa einer
Bruderschaft der Himmelskönigin? Führte er deshalb eine Königskrone im
Siegel? die Krone der Himmelskönigin? Sollte aber auch die Krone nichts
anderes sein, als ein vom Künstler der Form des Siegelfeldes wegen ins
Breite gezogenes Hülfskleinod, so ist die Darstellung des Kleinodes
ohne Helm als Siegelbild höchst interessant, wenn auch nicht ohne
Parallelbeispiele.
[Illustration: Fig. 7.]
Zum Schlusse noch ein Wort über die Bezeichnung der Rangkrone überhaupt
als „heraldische“. Diese Bezeichnung erscheint uns, so allgemein sie
auch ist, nicht zutreffend. Heraldisch sind doch nur Schildfigur und
Kleinod, etwa Schildhalter. Sie sind eine heraldische Illustration des
Familiennamens. Der Rang des Trägers gehört in ein anderes Gebiet. Der
Träger führt seinen Rang eben so wohl wie seinen Namen; /er kann
also mit seinem Wappen die Rangbezeichnung verbinden/; sie wird
aber dadurch nicht Theil des Wappens, sondern Zugabe zu demselben, wie
sie auch nicht Theil des Monogramms oder des Buchstabens wird, wenn
der Träger seine Rangbezeichnung dem Namensinitial beifügt, eben so
wenig als man bei Verbindung von Ordensabzeichen mit dem Wappen diese
als heraldisch bezeichnen kann, während gewiß zur Darstellung der
persönlichen Verhältnisse diese Verbindung eben so berechtigt ist, als
jene des Rangabzeichens mit dem heraldischen Abzeichen des Trägers. Die
Verbindung der Darstellung sonstiger persönlichen Verhältnisse mit der
heraldischen Illustration des Namens geht ja auch bis in das 15. Jahrh.
hinauf. So führen verschiedene Nürnberger Ketzel die Zeichen ihrer
Pilgerfahrt an das heilige Grab als Beizeichen zum Wappen und auch die
Verbindung der Ordensketten und Ordensinsignien findet sich schon in
jener Zeit.
/A. Essenwein./
FUSSNOTEN:
[234: Ein vollständiges Exemplar des Blattes ist uns nicht bekannt. Es
war aus zwei Stücken zusammengesetzt. Der Abdruck des einen Stockes mit
der halben Krone ist im germ. Museum.]
[235: Vgl. die Darstellung der Kreuzigung Christi auf dem
Elfenbeinrelief, Jahrgang 1867, Sp. 228 d. Bl., wo die Arme des
Heilandes, dem Formate entsprechend, in die Länge gezogen sind.]
[236: Wir bewegen uns mit unserer gesammten Darstellung in diesem
Aufsatze nur auf deutschem Boden; italienische Siegel sind uns nicht
genügend bekannt, um dieselbe Regel festzustellen. Italienische
Medaillen des 15. Jhdts. haben mitunter auf dem Reverse nur eine kleine
Darstellung im leeren Felde. Auch die schönen deutschen des 16. Jhdts.
folgen diesem Grundsatze, bei mittelalterlichen Sigeln aber nur rohe
Arbeiten, kein schönes Stück.]
Etliche Kauffmans Reguln, deren sich Junge Handelsleuth oder deren
fleißige Diener gebrauchen sollen.
1) Erstlichen danckhe Gott vor alle Wohlthaten vnd bitte denselben
vmb seinen Heyligen Geist, schutz Regierung vnd Seegen.
2) Zum andern müßbrauche den Nahmen Gottes bey Leib vnd Leben nicht.
3) Drittens nehme nichts auf dein trawen wieder dein gewießen, dann
es macht vnruiges Schlaffen.
4) Viertens, dein Schlaff vnd Ruhe, von Neune bis vff Fünff Uhr soll
sein.
5) Fünfftens bekümmere dich nit vmb das Jenige so du nit endern magst
oder kanst, sondern wirf dein anliegen auff dem Herrn, der wirds wohl
machen.[237]
6) Seye embsig, Vorsichtig, mit allem fleiß, auch was du thun kanst,
daß spare nit vff den morgen.
7) Lebe meßig so kannst daß deinige mit allen Lust verrichten.
8) Stelle deine Handlung vnd failschafft zue rechter Zeit gen
marckth, vnd erwarte derselben fleißig ab.
9) Neutens (!) halte deine wahrn fein Sauber ordentlich vnd
musterlich, daß macht kauffer vnd verkauffer lustig.
10) Mit freundlichen wortten vnd gebertten gib Jedermann vrsach mit
dir gern zu Conversirn.
11) Erzeuge dich nicht zornig vnlustig, geschefftig, noch als werest
mit heimblichen Sachen beladen, dann solches macht die Kauffer schey.
12) Frage viel, glaub aber nit alles waß du hörest vnd weist,
vertrawe nit ein Jeden so hastu desto weniger zu verantwortten.
13) Mache deine Rechnung, was dir zu thun vnd leidenlich ist.
14) Biedet man dir ein Billiches, vnd Ruͦckhet zu deinen
vorhabenden Zill, so druckhe bald ab ehe dichs Reuet.
15) Keinen aber gib dein eußerstes wortt, bis er nicht zuvor selbst
dazue Ruckht.
16) Bedenckhe daß ihrer Viel deiner wahrn auch haben, vnd milder
im hingeben sein möchten alß du; derselben Köpff mustu dich auch
annehmen, wiltu anderst nit steckhen bleiben.
17) Seye resolvirt vnd vorbedacht, was zue thun ist, drockhe
nit lang, bis vff den Letzen pfennign, dann man scheucht solche
verkauffer.
18) Verliehren zu Rechter Zeit ist auch Eine Kunst.
19) Hastu aber eine wahr allein, so genieß derselben, doch machs
Brüderlich, laß einen andern auch was wagen vnd gewinnen.
20) Deine alte vnd gute kunden, verlaß nit gern, vnd truckhe sie nit
zuhardt, dann es thut jhnen weher als einen Frembden.
21) Neben einer würdigen wahr setze eine Vnwürdige, nemb von einer
jeden ein leidenlichen gewinn, daz ist dir nutzer vnd löblicher, alß
wann du eine zu hock spannest.
22) In den Märckhen vnd Meßen gilt es nit lang besünnens, was einmal
versaumbt, wird nit wieder gebracht.
23) Dann es ist beßer mit rew verkaufft, als mit rew behalten.
24) Andet dich du mögest eine böse schuld machen, so vberbiede deine
wahr, oder verleugne dieselbe alß were es schon verkaufft.
25) Schreibe ein eh du außgibst, vnd nimb ein ehe du aufschreibest,
auf vereße (_vergeße_ = vergiß) nichts.
26) Lege dich keine nacht nieder zu Ruhe, du habst denn der handlung,
deßelben tags in die bücher gebracht.
27) Was du einschreibst, sey lauter, verstendig vnd richtig
eingetragen.
28) Zahle keinen wexel vor der Zeit, daz du ihn nicht noch einmal
zahlen must.
29) Wird dir ein wexelbrieff vor ankunfft der ordinari Brief
praesentirt, bedeuts gewißlich ein sonderlichen Casum, darumb mit der
acceptation behutsamb zugehen, vnd der aviso zu erwartten seyn will.
Aus dem Handlungsbuche des Hanns Albr. Lemp in Nürnberg vom Jahre
1652 (Bl. 17-19) in der Bibliothek der Paul Wolfgang Merkel’schen
Familienstiftung im germanischen Museum. Dasselbe enthält auch am
Eingang eine Reihe von Denkversen, die ebenfalls den frommen Sinn des
Schreibers bekunden; so z. B.
Wer ist für der welt veracht
Der würd groß von Gott geacht
Sei gern für der welt gering,
Daß dich hoch die demuth bring.
Arbeite fleißig in deim stand
Darein dein Gott dich hat gesand
Wer müßig bringt sein leben zue
Kommt nimmermehr zur himmelsruh.
Trag nur die last gedultiglich,
Damit die noth beleget dich.
Viel herter man zu Boden ligt,
Wer vngedultig wieder ficht.
In vnglückh faß ein Löwen Muth,
Traw Gott, es wird schon werden guth.
u. a. m.
/Nürnberg./ /Hans Boesch./
FUSSNOTE:
[237: Hier steht von anderer Hand noch folgender Spruch:
All dein Anliegen würff auff Gott.
So würstu nimmermehr zu Spoth.
]
Spitalbau in Füssen.
Auf den Vorsetzblättern der Maihinger Handschrift II. Lat.: 1. 4to.
num. 33 steht von einer Hand aus dem Anfang des 16. Jahrh. folgender
Eintrag:
„Des Jars als man zalt nach Christi gepurt unsers lieben herrn 1469 als
man angefangen hett das spitall hie zuͦ Füssen pawen vnd etwiuil
arbeit als mit dem grund vnd pfall schlahen vnd mauren darauff gesetzt
ward: kam her zuͦ unß in dise statt Füssen ain guͦtter gesell mit
namen Johannes Ronggo, hett nit par gelt an den paw zegeben, denn er
tranck wein vngemessen, doch begabt er sollich vnser Spittal mit disen
nach volgenden versen:
Astripotens pietate tua qui cuncta gubernas
Faucibus a baratri Faucenses oro tuearis,
Hoc qui struxere templum pariterque dedere
Munera que pietas tua suscipiat sibi grata.
Pontificum dyadema ferens celeberrimus evo
Petrus olim noster praesul Schaumberg et alumpnus
Contribuit nobis motus pietate paterna
Florenos centum mercede fruatur eterna
Cum castellano Schott nato sanguine claro.
Sed quam felicem fabrum qui condidit acta
Conradum Borhoch per quem capellula facta est.
Struitur ista domus pauperibus et peregrinis
Pupillis viduis simul orphanis decrepitisque.
M. l. x. iuncta, quatuor c. ter tria puncta.
Dise verß hat der Ersam priester herr Mang Birgman, Kirchherr zu
Pfronten getewschet wie nach volgt:
Gwaltiger gott der himlischen speren,[238]
Durch des guͦtte alle ding sich meren,
In der helle schlund, ich dich bitt,
Fuesser volck wellest versencken nitt,
Das dir den tempel hie auff diser statt
Vnd Spittal auß freyem grund gebawen hatt;
Sonder das guͦttlich von in empfahen,
Seyd sy dir zuͦ ern das gethon haben.
Einer, der die Bischoffliche Kron kluͦg
Langzeitt hie auff erden loblichen truͦg,
Hieß Peter von Schaumberg, ein Römischer Cardinal
Dar zuͦ bischoue in Augspurger sal,
Der (gab) auß seiner vetterlichen trew
Hundert gulden an ditz Spittal new.
Den lon wellest im geben in ewigkeit
Mit Hansen Schotten, hie sein pfleger beraitt.
O wie selig ist denn der schmid,
Der deß ersten disem Spittal reilich tailte mit
Vier hundert gulden, Conrad Borhoch genant,
Do mit der paw und Capell warden angewant,
Zuͦ stewr den bilgern vnd armen gebawen,
Witwen, waisen, alt, krancken vnd herkomnen,
Als man zalt nach Christi gepurt in dem Jar
Tauset vierhundert newn und sechtzig, das ist war.“
/Dinkelsbühl./ Gg. /Schepß/.
FUSSNOTE:
[238: Sphären.]
Findlinge.
Omnibus hoc dico, tibi dico
Sicut amico:
Diffamare cave,
Quia revocare grave.
Von einer Hand der 2. Hälfte des 15. Jahrh. auf einem Concept im
Hauptstaatsarchive zu Dresden (II. Abth. Oerter, Freiburg, Bl. 40 b.)
Frawen list
Betreugt als was do ist,
Unnde wer got eyn gauch[239],
Sy betrugen[240] auch.
* * * * *
Herrenn hulde unnde aprilenn wetter,
Huren gunst und rosenbletter,
Der würfel und der karten spil
Vorcheren sich offt, wers glauben wil.
Von einer Hand des 16. Jahrh. auf dem letzten Blatte einer Handschrift
der k. Bibliothek zu Berlin.
/Dresden./ Dr. /H. Ermisch/.
FUSSNOTEN:
[239: Thor, Narr.]
[240: betrüge ihn.]
Lateinisches Räthsel.
Die Lösung des lateinischen Räthsels: Est animal parvum etc. aus
einem Münchener Codex in Nr. 4, Sp. 101 des Anzeigers glaubt Herr
Gymnasialprofessor Schmitt in Schweinfurt, wie er mir in einem Briefe
vom 9. Mai mitgetheilt, in /nebria -- ebria/ gefunden zu haben.
Allein, abgesehen von der Deutung, ließe sich dagegen einwenden, daß
der Name nebria für eine Gattung Laufkäfer (Carabicini) wol erst
von der neueren Naturwissenschaft gebildet worden ist (vgl. Leunis,
Synopsis der drei Naturreiche, 1860, Th. I, 437 u. 440); denn er
begegnet weder in den reichen Glossensammlungen von Diefenbach, noch
in Nemnich’s Polyglotten-Lexicon. Zutreffender möchte die Lösung sein,
welche Hr. Leo Campe in Berlin der Redaction eingesendet hat: /glis
-- lis/.
/Dr. Frommann./
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. /A. Essenwein/. Dr. /G. K.
Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei /U. E. Sebald/ in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
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