Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
17. Jahrhundert. Von C. W. Hingst. -- Nachrichten aus dem Knopfe des
2668 words | Chapter 41
kleinen Thurmes der Stadtkirche St. Matthaei zu Leisnig. Von Hofmann.
-- Vereinsangelegenheiten.
/Philologische und historische Abhandlungen der k. Akademie der
Wissenschaften zu Berlin/. Aus dem Jahre 1877. Berlin, 1878. 4. 195
Stn. Mit 1 Tafel.
/Monatshefte für Musikgeschichte/, herausg. v. d. Gesellschaft für
Musikforschung. X. Jahrg., 1878. Nr. 11-12. Berlin. 1878. 8.
Samuel Scheidt und dessen Dedicationsschrift bei Ueberreichung seines
Orgeltabulaturwerkes an den Kurfürsten von Sachsen Johann Georg I. im
Jahre 1624. Von Otto Kade. -- Leonhard Lechner. (Forts. u. Schluß.)
Von Robert Eitner. -- Aus meiner Bibliothek. IV. Von Georg Becker.
Verzeichniß der Bücher, Musikalien und Bildnisse im Besitze der
Gesellschaft für Musikforschung. -- Literatur. -- Mittheilungen. --
Anzeigen etc.
/Zeitschrift für Ethnologie./ Organ der Berliner /Gesellschaft
für Anthropologie/, /Ethnologie/ und /Urgeschichte/. Unter
Mitwirkung des zeitigen Vorsitzenden derselben, R. Virchow, herausg.
von A. Bastian u. R. Hartmann. Zehnter Jahrgang, 1878. Heft IV. Mit
Taf. XII u. XIII. Berlin. 1878. 8.
Die prähistorischen Bildschnitzereien mit besonderer Rücksicht auf das
benutzte Rohmaterial im Keßlerloch bei Thayngen. Von Dr. O. Fraas.
-- Vorhistorische Gräber bei Čzekanow und Niewiadoma in Polen.
Mitgeth. von Albin Kohn. -- Miscellen. -- Literatur.
/Schriften des naturwissenschaftlichen Vereins für
Schleswig-Holstein./ Band III. 1. Heft. Kiel. 1878. 8. Mit 2
lithogr. Tafeln.
Ueber Volks- und Geheimmittel. Von Dr. A. Heller.
/Blätter für Münzfreunde./ Numismatische Zeitung. /Organ
des Münzforscher-Vereins./ Herausg. von H. Grote. Vierzehnter
Jahrgang. Nr. 66-72, vom 15. Febr. bis 15. Novbr. 1878. 1878. 4. Mit 4
lithograph. Tafeln.
Bronze-Medaille auf Alfonso de Valdes 1531. Von Th. St. -- Münzfunde
auf dem Welfsholze. Von dems. -- Marken und Zeichen der Stadt Leipzig.
(Forts.) -- Bracteatenfund bei Altenburg a. d. S. Von Köhler. -- Der
Münzfund in Beyersdorf. Von Ad. Glatz. -- Münzfunde in Baiern. Von C.
F. Gebert. -- Die Münzen der Herren von Rappoltstein. Von H. G. --
Erzbischöflich Bremischer Halb-Ort. -- Nachgeahmter Denar des Augustus.
Von Ad. Schultz. -- Gräflich Schwarzburgischer Kippergroschen. --
Münzmeister Hans Apfelfelder. Von C. F. Gebert. -- Der Mescheriner
Thalerfund. Von Stenzel. -- Die Braunschweig-Lüneburgischen
Gutegroschen. Von Wolff. -- Dornburg Münzstätte zur Kipperzeit. --
Camin oder Sachsen? Von M. Schmidt. -- Literatur. -- Anfragen. --
Berichtigung etc. etc.
/Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande./
Heft LXIV. Bonn. 1877 u. 1878. 8.
Der Rhein im Alterthum. Von L. Urlichs. -- Römische Heerstrassen
zwischen Maas und Rhein. Von J. Schneider. (Mit Abbild.) -- Ein neues
römisches Castell in Britannien. Von E. Hübner. (Mit Abbild.) --
Beiträge zu den römischen Alterthümern der Rheinlande. Von dems. (Mit
Abbild.) -- Der keltische Gott Merdos und der arische Mithros. Von
Karl Christ. -- Datirbare Inschriften aus dem Odenwalde und Mainthal.
Von dems. -- Die antiken Denkmäler der Kölner Privatsammlungen. Von H.
Dütschke. (Mit Abbild.) -- Ueber eine goldene Fibula aus Etrurien. Von
dems. (Mit Abbild.) -- Römisches Denkmal in Merten. Von F. X. Kraus.
(Mit Abbild.) -- Ausgrabungen römischer Alterthümer im Regierungsbezirk
Trier im Jahre 1878. Von F. Hettner. --
Datirte Grabmäler des Mittelalters in den Rheinlanden. Von E. aus’m
Weerth. (Mit Abbild.) -- Römische Gläser. b) Heidnische und christliche
Glaskelche und Patenen. Von dems. (Mit Abbild.) -- Das Haus des Herzogs
von Brabant zu Köln. (Fortsetzung von Heft LXIII, S. 141.) Von J. J.
Merlo. -- Literatur. -- Miscellen.
Literatur.
_Neu erschienene Werke._
1) /Die graphischen Künste./ Redigirt von /Dr. Oskar
Berggruen/. Jahrg. I. Hft. I. II. Gesellschaft für
vervielfältigende Kunst. Wien, 1879. 2.
2) /Oesterreichische Kunst-Chronik./ Herausgeber und Redacteur:
Dr. /Heinrich Kábdebo/. I. Jahrgang. Wien, 1878/79. 4.
Der Schluß des Jahres brachte als Resultat der eifrigen Kunstbewegung
in Wien zwei Zeitschriften, welche neben der Beschäftigung mit der
lebenden Kunst auch der Forschung auf dem Gebiete der Kunstgeschichte
gewidmet sind. Die erstgenannte, von welcher zwei glänzend
ausgestattete Hefte vorliegen, das Organ der so anregend wirkenden
und thätigen Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, in zwei
Ausgaben erscheinend, zeigt sich schon äußerlich als eine überaus
vornehme Erscheinung, wie wir sie bei deutschen Zeitschriften bis
jetzt nicht gewohnt sind; hat ja doch die Gesellschaft vor Allem
die Absicht, die vervielfältigenden Künste unserer Zeit zu fördern!
Ihr Inhalt von Stichen und Radierungen darf deshalb auch nicht blos
als Ausstattungsapparat betrachtet werden. Es sind selbständige
Kunstwerke, die die Gesellschaft auf diese Weise zu Tage fördert.
So sehr die Gediegenheit dazu reizen würde, auf dieselben auch hier
näher einzugehen, müssen wir doch, wenn auch mit Bedauern, hier
davon absehen, weil diese Betrachtung uns aus dem Rahmen der Aufgabe
unseres nicht den Leistungen der Gegenwart, sondern dem Studium
der Vergangenheit gewidmeten Blattes herausführen würde. Auch der
literarische Theil, soweit er der Würdigung der heutigen Kunst dient,
liegt außerhalb des Kreises dieses Blattes, um so näher aber der
kunsthistorische, der sich durch Gediegenheit der Arbeit auszeichnet,
so daß wir das Blatt in Bezug auf Form, wie auf Inhalt freudig
begrüßen. Die vorliegenden Hefte bringen an selbständigen Aufsätzen
eine Arbeit von O. Berggruen über M. v. Schwindt und von W. Bode über
Adriaan van Ostade als Zeichner und Maler. Vierteljährlich soll eine
Nummer der Zeitschrift ausgegeben werden.
Die zweite genannte Zeitschrift wird dagegen monatlich zweimal
erscheinen. Die drei uns jetzt vorliegenden Nummern bieten auf je 16
Seiten in Quart bei gedrängtem Satze eine große Fülle von Material
in einfacher, aber doch würdiger Ausstattung. Die Illustration
tritt zurück; dagegen bringt jede Nummer neben der sehr ausführlich
behandelten Chronik der modernen Kunst, neben Besprechung von neuen
Erscheinungen der kunst- und kulturgeschichtlichen Literatur gediegene
Aufsätze aus dem Gebiete der österreichischen Kunstgeschichte, von
denen uns besonders der Eröffnungsaufsatz der Zeitschrift: „das
älteste Wiener Kunstblatt vom Jahre 1727“ interessierte, welchem sich
ein solcher über den Maler Franz Christoph Jannek, einen seiner Zeit
berühmten Künstler, der 1703 in Graz geboren war, anschließt. Wir
können neben diesen gediegenen Aufsätzen an dem neuen Blatte noch
besonders die praktische Einrichtung der Anordnung in den kleinen
chronikalischen Notizen rühmen.
3) /Kunstschmiedearbeiten./ Aufnahmen aus verschiedenen
Stylepochen, mit besonderer Berücksichtigung der Zeit deutscher
Renaissance, und eigene Entwürfe von /Fr. Otto Schulze/,
Architect in München. Leipzig, Carl Scholtze. 1877 u. 1878. 4. 8
Stn., 40 Tafeln u. 4 Beilagebogen.
Die Kunst des Eisenschmiedens stand schon an der Wiege der deutschen
Kultur, und jene herrlichen, mit Gold und Silber eingelegten Arbeiten
aus Eisen, welche heutzutage, aus den germanischen Gräbern gefördert,
ihre Auferstehung feiern, zeigen, daß die Meister der Vorzeit mit
Material und Technik vertraut waren und zur Entfaltung künstlerischer
Formen durch dieselben geradezu gereizt wurden. Die mittelalterliche
Kunst hat in anderer Weise das Eisen zu kunstvollen Schmiedearbeiten
verwendet, und die ihm folgende Periode bis zum Schlusse des 18.
Jahrh. war, unter Wechsel des Formenkreises, aber unter Festhaltung
der soliden Technik, der vorhergehenden Zeitperiode treu geblieben.
Erst mit dem Schlusse des 18. Jhdts. verdrängte das Gußeisen die
Schmiedekunst. Der eigenthümliche Zauber jedoch des geschmiedeten
Eisens war es, der beim Wiederaufblühen des Kunsthandwerkes in
unserer Zeit auch für die Schmiedekunst eine Zeit der Auferstehung
mit sich brachte. In der Literatur spiegelte sich das Verhältniß, und
glänzende Prachtwerke von Hefner-Alteneck und von Raschdorf führten die
Schönheiten der Werke unserer Väter auf dem Gebiete der Schmiedekunst
sowohl den Kunstfreunden, als unsern Gewerbsmeistern vor, und die
Fachzeitschriften füllten sich mit Aufnahmen alter Schmiedewerke. Eine
Kunst jedoch, die so tief im Wesen des Volkes wurzelte, hat kleine und
große Denkmäler in ungezählter Menge hinterlassen und noch steht eine
große Zahl derselben theils ungekannt in verborgenen Winkeln, theils
bekannt, aber unveröffentlicht auf den Straßen unserer Städte und in
den Kirchen, jenen Schatzkammern und unerschöpflichen Fundgruben für
das Studium der Vorzeit. Aus diesen reichen Quellen hat der Verfasser
geschöpft und vorzugsweise Werke des 17. Jahrh. in seine Sammlung
aufgenommen, da nicht blos jene Periode seither weniger beachtet
war, sondern auch gerade bei der heute fast ausschließlich in den
Neuschöpfungen unserer Zeit herrschenden Hinneigung zu den Formen
des deutschen Barockstiles den Künstlern und Handwerkern Vorbilder
willkommen sein mußten. Neben wenigen eignen Entwürfen ist eine große
Reihe alter Schlüsselbleche, Thürgriffe und Bänder und vor allem von
solch reichen Oberlichtfüllungen und Gittern wiedergegeben, unter den
letzten besonders jene, welche Zierden der Kirchen von Augsburg und des
Münsters zu Konstanz sind, so daß das Buch eine Fundgrube nicht blos
für den Künstler, sondern vorzugsweise auch für den Kunsthistoriker
bietet. A. E.
Vermischte Nachrichten.
1) Das jüngste Heft der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u.
hist. Denkm. berichtet von einer Anzahl neuer Fundstellen prähistor.
Alterthümer in Böhmen und den dort gemachten Funden. Es werden
genannt das Dorf Jesenic (zwischen Neustadt a. d. Mettau und Böhm.
Skalic), Nahořan (westlich von Neustadt a. d. M.), der Wenzelsberg,
Trautenau, Hoch Oujezd (bei Hohenbruck), Bolehošts (bei Opořno)
und Křivic.
2) Beim Ausschachten eines einige hundert Meter nördlich von Leimbach
gelegenen Kieshügels fand man, wie das Salzunger Tageblatt mittheilt,
ungefähr 0,5 m. unter der Oberfläche eine 10-15 m. lange, 0,5-0,6
m. breite und eben so tiefe Ader aus Asche, welche in mehrere Aeste
sich verzweigte. In derselben standen Urnen, mit Asche und Knochen
gefüllt, in einer Linie, 1,8-2 m. von einander entfernt. Sie haben
am Boden einen Durchmesser von 12-16 cm., ihre Höhe betrug 25-30 cm.
Dieselben sind von schwarzgrauem Thone und 0,5-1,5 cm. stark. In jeder
Urne fanden sich einige, von Rost sehr angegriffene Eisenstückchen.
Das größte ist 1 dcm. lang, gabelförmig und hat das Aussehen einer
kleinen Zange. Ferner sind 3 eiserne Ringe, jeder etwas größer als
ein Fingerring, gefunden worden. Auch ein hohles, 4 cm. langes,
kegelförmiges Eisen, sowie einige kleinere Eisenstückchen fanden sich
vor. Nach dem Urtheile sachverständiger Personen sind es Fibulae. Sie
sehen in der That unseren jetzigen Versicherungsnadeln sehr ähnlich.
Unter den Eisenstückchen ist besonders eines von großem Interesse. Am
Ende eines 36 cm. langen, 5-12 cm. dicken, bogenförmigen Eisens sitzt
ein aus Bronze gebildeter Vogel, eine schwimmende Ente darstellend.
Vielleicht ist dieses Eisen ein Bruchtheil eines Helmes. Da die Funde
der Eisenperiode angehören, so stammen sie wahrscheinlich aus den
ersten Jahrhunderten nach Chr. Geb. Die aufgefundenen Sachen sind
bereits dem alterthumsforschenden Vereine zu Meiningen, der hoffentlich
weitere Nachforschungen anstellt, eingeliefert.
3) Auch in dem Jahre 1878 wurden die Ausgrabungen auf dem Burgfelde
bei Deutsch-Altenburg unter Leitung des Prof. A. Hanser fortgesetzt,
wozu nach einer Angabe der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.-
u. hist. Denkm. der Unterrichtsminister 3000 fl. für das genannte Jahr
bewilligt hatte.
4) Im Anschlusse an die kurze Nachricht Nr. 146 in Nr. 12 d. v. Jahrg.
d. Bl. wird hier die Mittheilung von Interesse sein, daß in den letzten
Tagen des November 1878 in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Gersheim,
auf einem Berghügel Ausgrabungen eines Reihengräberfeldes vorgenommen
wurden, welche zur rheinischen Archäologie manches Bemerkenswerthe
beitragen dürften. Schon vor einigen Jahren wurden beim Bau der Strasse
nach Walsheim an derselben Stelle einige Reihengräber aufgeschlossen,
welche verschiedene Waffen, Münzen, Gefäße etc. enthielten, die im
historischen Museum in Speyer ihren Platz gefunden haben. Im Laufe des
heurigen Sommers nun wurden durch die beim Bahnbau hier beschäftigten
Ingenieure weitere Nachgrabungen vorgenommen, welche in der südlichen
Fortsetzung obiger Fundorte drei weitere, anscheinend weibliche
Skelette zu Tage brachten, bei denen sich Glas- und Thonperlen der
verschiedensten Farben, sowie einige Münzen und Schmuckgegenstände
vorfanden. Zur Zeit werden die Ausgrabungen in der nördlichen
Fortsetzung der Gräberreihe bethätigt, wobei bis jetzt vier männliche
und ein weibliches Skelett, sowie ein weiteres Menschengerippe zu Tage
gefördert wurden, welch letzteres mit auf dem Rücken zusammengelegten
Armen und gekreuzten Füßen, mit dem Rücken nach oben, im Grabe lag,
so daß hier offenbar angenommen werden kann, daß dasselbe in derart
gebundenem Zustande beerdigt wurde. Während bei den ersteren Gerippen
Waffen der verschiedensten Art, Pfeil- und Lanzenspitzen, Reste von
Thongefäßen und eines Harnisches, Kämme, Gürtelbeschläge, Perlen,
Wildschweinhauer etc. vorgefunden wurden, war bei letzterem gar nichts
zu finden. Auch lagen erstere und ebenso die früher vorgefundenen
Skelette derart im Grabe, daß dieselben genau nach Osten schauten,
während letzteres ausnahmsweise mit dem Gesicht nach Westen, also
in verkehrter Richtung lag. Diese Umstände lassen vermuthen, daß es
ein Verbrecher war, der -- wie schon oben angedeutet -- von seinen
Zeitgenossen gebunden, ohne Waffen und Schmuck hier beerdigt und nicht
würdig erachtet wurde, selbst im Grabe der aufgehenden Sonne sein
Antlitz zuzukehren[56]. Die vorgefundenen Gerippe waren zum Theile noch
sehr gut erhalten, manche Schädel konnten noch ganz herausgenommen
werden, und hauptsächlich sind die Zähne noch in bestem Zustande. C. M.
5) Bei den im vergangenen Jahre vorgenommenen Restaurationsarbeiten am
Portale der Kirche zu Millstadt (Kärnten) fand sich im Tympanon unter
der zopfigen Stuckarbeit des Monogramms Christi ein altes Relief,
Christus mit offenem Buche, zur Seite Sonne und Mond, vor ihm ein
Mönch knieend mit dem Modell der Kirche und Bruchstücken der Umschrift
Heinricus Abbas. Rudger me fecit.
6) Die seit einigen Jahren zu Tage getretenen Schäden und Gebrechen an
der Kaiserburg zu Eger, insbesondere der Einsturz eines Gewölbebogens
und zweier Fenstersäulchen des Palas, machten eine Restaurierung
nöthig, welche nach den Mittheil. der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u.
hist. Denkm. im abgelaufenen Jahre auf Staatskosten in vollkommen
befriedigender Weise durchgeführt wurde.
7) Die im Jahre 1870 begonnene Restauration der gothischen Pfarrkirche
zu St. Valentin in Niederösterreich, welche unter Leitung des Linzer
Dombaumeisters Schirmer erfolgte, ist nunmehr beendet.
(Nach d. Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm.)
8) Ueber den Fortgang der Restaurierungsarbeiten am St. Stephansdome zu
Wien enthält das neueste Heft der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm.
f. K.- u. hist. Denkm. einen Bericht, welchem wir die Nachricht
entnehmen, daß nunmehr der stumpfe, unausgebaute Thurm von Gerüsten
befreit wird, daß die Arbeit an den beiden sog. Heidenthürmen der
Westseite im Gange ist, sowie daß auch die kostbare Steinkanzel im
Innern der Kirche in die Restauration einbezogen werden mußte.
9) Es wird manchem Kenner und Freunde der alten deutschen Malerei nicht
ohne Werth sein, zu erfahren, daß wieder ein /Altarbild von Lukas
Kranach/ dem Jüngern, dem Bürgermeister von Wittenberg, aus dem
Jahre 1584 aufgefunden wurde, und daß es gelungen ist, _seine Echtheit
zweifellos durch Urkunden zu erweisen_. Die K. Landesversorganstalt zu
Colditz bewahrte in einem ihrer Expeditionsräume seit vielen Jahren
dieses unscheinbar gewordene Bild auf, das zuvor mehrere Jahrhunderte
lang den Altar der Schloßkapelle geziert hatte.
Derselbe alterthümliche Rahmen umschließt es noch jetzt, der ihm bei
seinem Ausgange in die Zeit mitgegeben wurde: dunkelbraun, vielfach
gekehlt und von herzförmiger Gestalt, 1 m. 10 cm. hoch und 1 m. breit.
Das Altarbild stellt „die heilige Dreieinigkeit“ dar; von diesem
Gegenstande erhielt die evangelische Schloßkapelle, die bis dahin den
Namen omnium sanctorum geführt hatte, 1584 die neue Benennung sanctae
trinitatis.
Der Leichnam Jesu ist vom Kreuze abgenommen worden und ruht in Schooß
und Armen des Vaters, zu dessen Rechten der Geist schwebt in Gestalt
der Taube. Engelsgestalten, darunter sehr liebliche, füllen die Rundung
des Bogens und tragen die Marterwerkzeuge, jeder Engel ein anderes: das
Kreuz, die Nägel, die Zange, die Dornenkrone, die Geisel, den Speer,
den Stab mit dem Schwamme.
Die Darstellung des Leichnams Jesu dürfte bei vieler Naturtreue der
Auffassung und bei allen den Vorzügen, die sonst die sächsische
Malerschule auszeichnen, dennoch unseren jetzigen Augen wenig behagen.
Als bester Theil des Bildes erscheint uns das majestätische, liebend
ernst blickende Greisengesicht des Vaters mit langem, weißem Barte. Auf
dem Haupte strahlt die Krone der drei Reiche, die hohe Gestalt wird von
einem wallenden Purpurmantel in Goldstickerei, mit Edelsteinen besetzt,
umflossen.
Das Bild ist auf Holz gemalt, welches an zwei Stellen gesprungen ist;
die Farben sind dick aufgetragen und werden bei der Reinigung wieder
frisch und schön; das Malerzeichen konnte bis jetzt nicht aufgefunden
werden.
Dennoch kann nach den urkundlichen Mittheilungen aus dem k.
Hauptstaatsarchive zu Dresden, welche wir der Güte des Herrn Archivars,
Dr. Distel verdanken, an der Echtheit dieses Altarbildes nicht mehr
gezweifelt werden.
(Wissenschaftl. Beil. d. Lpzgr. Ztg., Nr. 101.)
10) Wie man dem „Tiroler Boten“ mittheilt, wurden in jüngster Zeit
hochwichtige literarische Funde gemacht, auf welche Tirol das beste
Anrecht besitzt. In Berlin kam ein Fragment einer Nibelungenhandschrift
zum Vorschein; dasselbe stammt aus dem Vintschgau, und es ist sicher
interessant, festgestellt zu sehen, daß dies schon die zweite im
Vintschgau aufgefundene Nibelungenhandschrift ist. Ebenfalls im
Vintschgau wurde ferner ein Fragment von Williram’s Psalmenübersetzung
und in Proveis eine Predigt aus dem 12. Jahrhundert aufgefunden.
(Korresp. v. u. f. Deutschld., Nr. 12.)
11) Der „Tiroler Bote“ berichtet, daß sich im Vintschgau Fragmente aus
dem Heldenbuche (von „Dietrichs Flucht“), die einer Handschrift vom
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