Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
1434. 4. Juni, Ulm.
3565 words | Chapter 68
Reuerendissimis et venerabillibus in Christo patribus et dominis
sacrosancte generali Basiligensis Sinodo in spiritu sancto legiptime
congregate, ecclesiam vniuersalem representanti amicis nostris
karissimis gr(aciosissimis et sin)cere nobis dilectis. Reuerendissimi
in Christo patres et domini, amici karissimi, re.......ati sinceroque
pure nobis dilecti. Hodie hora vesperarum confluxerunt ad nos nuncii
qui in tribus et diebus cicius de Boemia volantissime applicuerunt,
afferentes nobis iocundissima et felicissima noua de victoria nostrorum
et conflictu Taboritarum[123] et illorum qui allias in obsidione
ciuitatis Pilzensis erant, qui per dei graciam a quo omnis procedit
victoria in planicie intra ciuitatem Chuxim et monasterium Scaluze
forti bello cum modico dampno nostrorum victoriosse prostrati quarum
litterarum aliquas originales vestris reuerendissimis paternitatibus
mittimus presentibus intraclussas. Hec reuerendissimi patres volumus
vestris paternitatibus pro singularissimo gaudio cun(c)tis Christi
fidellibus obtantissime (!) nunciare, rogantes cordintime (!) quatenus
altissimo domino nostro Jesu Christo infinitas agentes gratias cum
processionibus et aliis solempnitatibus ad bonum et felicem progressum
tam felicis principii epno ...... medii omni opera atque cura vigillare
velitis, quoniam et nos similiter de agendis nil premittemus, et
quecunque in futurum habuerimus vestris paternitatibus die no(c)tuque
intimare curabimus. Datum Vlme die IIII. Junii, regnorum nostrorum anno
Ungarie etc. quadragessimo octauo Romanorum XXIIII., Boemie XIIII.,
imperii vero secundo.
Subscripcio mittentis Sixmundus dei gracia Romanorum imperator semper
augustus, ac Vngarie et Boemie (rex).
Gleichzeitige Copieen auf einem Doppelblatt im Besitze des Dr. Vinc.
Joppi zu Udine.
/Graz./ /Dr. J. von Zahn./
FUSSNOTEN:
[117: Abschr. „augustus“.]
[118: Ebd. „serenissimus“.]
[119: Ebd. „alouiti.“]
[120: Ebd. „que.“]
[121: Ebd. „serenitas vestra.“]
[122: Abschr. „recreat.“]
[123: Abschr. „Tabolitarum.“]
Martin Behaim.
In der Norikasammlung des Unterzeichneten befindet sich eine
Federzeichnung, welche eine Insel mit hohem Berge darstellt, an dessen
Fuß an einer Bucht eine Stadt liegt. Im Hafen ankert eine Galeere;
eine andere eilt, von Rudern getrieben, ebenfalls demselben zu. Diese
Zeichnung ist geistreich und keck hingeworfen und nur ganz wenig
mit Wasserfarben laviert. In der linken Ecke unten liest man in den
Schriftzügen des fünfzehnten Jahrhunderts: Martin Beheim Eq^s in insul
Faïal 1479. Dieses Blatt stammt aus dem 1841 versteigerten Nachlasse
des Gallerie-Conservators Freihrn. Haller von Hallerstein und trägt
alle Merkmale der Echtheit. Damit wäre nachgewiesen, daß Martin Behaim
bereits im Jahre 1479 in Portugal war. Bekanntlich datiert sein letztes
Schreiben an seinen Oheim Leonhard Behaim zu Nürnberg vom 8. Juni
dieses Jahres aus Antwerpen, und schon 1481 finden wir den jungen Mann
als Mitglied der nautischen Commission, welche König Johann in Lissabon
zum Zwecke von Vorschlägen für eine Entdeckungsreise berufen hatte. Zum
Ritter soll Martin Behaim im Jahre 1485 geschlagen worden sein, und
1486, nach der Rückkehr von seiner längeren Seereise mit Diego Caõ,
verheirathete er sich mit der Tochter des Statthalters von Fayal Joz
von Hurter, konnte somit 1485 nicht in Portugal anwesend gewesen sein.
Man wird der Wahrheit ziemlich nahe kommen, wenn man annimmt, daß
Martin Behaim mit Joz von Hurter, den er in den Niederlanden kennen
gelernt hatte, im Sommer 1479 nach Fayal gereist ist, wo eine
niederländische Kolonie war, vielleicht um da den Rest seiner Tuche zu
verkaufen; bei dieser Gelegenheit hat er die Insel mit der Hafenstadt
in sein Skizzenbuch gezeichnet und dieses Blatt, etwa bei seiner
Anwesenheit in Nürnberg 1491, einem Verwandten, vielleicht seinem
Vetter Michael, zum Andenken geschenkt, der dann den Namen und das Jahr
der Entstehung auf die Zeichnung schrieb. Die Frage: wann Martin Behaim
nach Portugal gekommen, welche in Dr. Ghillany’s Werk noch als eine
offene behandelt ist, scheint demnach jetzt gelöst.
/Nürnberg./ /Georg Arnold./
Urkundliche Beiträge zur Künstlergeschichte Schlesiens.
V. Neisse.
Das Hauptdenkmal mittelalterlicher Baukunst in dieser alten
Bischofsstadt (darum auch das schlesische Rom geheißen) ist die
kath. Pfarrkirche zu St. Jacob mit ihrem abseits stehenden hohen
Glockenthurme, wovon „Schlesiens Vorzeit“ im Jahrgang 1872 eine
Abbildung und im vorangehenden eine Besprechung bringt. Die älteste
Anlage ist nicht bekannt[124]; vielleicht war an einer späteren
thätig der /magister operis Gerardus/, welcher 1307 im Neißer
Lagerbuch (I, 36) und im Formelbuche des Arnold von Protzan erwähnt
wird. Als Meister des bestehenden, in der Hauptmasse dem 15. Jahrh.
angehörigen Gebäudes gilt /Peter von Frankenstein/, über den
mir augenblicklich besondere Notizen nicht zu Gebote stehen. Zwölf
Gattungen von Steinmetzzeichen an den verschiedenen Portalen lassen
sich constatieren.[125] Ueber dem Eingange zum Glockenthurme steht in
Minuskeln die Zahl 1474[126]; auch das oberste Stockwerk ist zweimal
datiert: auf der Westseite unter dem Wappen des Bischofs Johannes V.
MDXV[127], auf der Südseite 1516, wobei der Buchstabe H zwischen
zwei Monogrammen angebracht ist. Ueber die Renaissancedenkmäler
der Pfarrkirche in der Stadt überhaupt hat sich Lübke, a. a. O.
II, 686 ff. verbreitet[128]. Auf der Nordseite der Kirche liegt
das sog. Benedictenhaus, über dessen östlichem Eingange ein
Mettertienbild[129] nebst dem bischöflichen Wappen, 1513 datiert, in
Stein ausgehauen ist; auf der Westseite erblickt man dasselbe Wappen
(mit dem halben Löwen und drei Rosen darunter), von zwei Engeln
(Renaissancegestalten) getragen, mit der Dedicationsinschrift: IO[Mit
Ω darüber] . V . EP[Mit Ω darüber] . VRA[Mit Ω darüber] . DIVE . ANNE .
EREXIT . M . D . XIII. Die Baumeister sind vorläufig alle unbekannt. Von
älteren Neißer Architekten kennt man noch den /Michael Glocz/,
welchem der Magistrat von Brieg die Anfertigung des Gesperres an
der Dominikanerkirche auf dem Sperlingsberge um 55 Mark und 1
„Parchan“ 1410 verdingte. (Stdtb. 1, 122). Um 1570 war in Neiße
Meister /Benedict/ Stadtmaurer, dessen Tochter Anna 1578 aus
Brieg ausgewiesen wurde. (Urgichtbuch 112 a). Auch ein italienischer
Baukünstler /Hans Baptista/, Italus, Meurer, welcher 1545
in Breslau Bürger wurde, lebte um 1550 in Neiße. Er arbeitete
wahrscheinlich mit dem Steinmetzen Hans Bernhard von Verona an dem
Schloßbau des Hertwig Seidlitz auf Töppliwoda[130] (Schultz, Wälsche
Maurer S. 147). 1671 baute Melchior Werner von Neiße das jetztstehende
Gebäude des Klosters Rauden (cf. oben).
Ueber ältere /Maler/ in Neiße[131] sind nur spärliche Notizen zu
bringen. /Nicolaus Spigeler pictor/ de Nisa und seine Frau Clara
kaufen 1413 3 Mark Zins vom Kloster Heinrichau[132], desgleichen 1417
7 m. und außerdem für sich und nach ihrem Tode für „Meister Hannose
moler“ zu Neiße 4-1/2 m. Zins. Der vollständige Name des Letzteren
lautet 1413 Johannes /Slaup pictor/, welcher in diesem Jahre
mit seiner Frau Barbara 5 m. vom Kloster kaufte. (Staatsarchiv:
Heinrichauer Diplomatar D. 185 f. 15 b. 16 a. 20 b.) Von dem
„schlesischen Apelles“ /Willmann/ hängen in der Pfarrkirche
folgende Bilder: Christus am Kreuz, Sturz der bösen Engel, Martyrium
des Bartholomäus. (Knie, a. a. O. 880). -- Von /Goldschmieden/
kenne ich /Balthasar Guldener/, Bürger zu Neiße, welcher 1612
bereits todt war; sein gleichnamiger Sohn, ebenfalls Goldschmied, wurde
1613 in Brieg aufgeboten. (Aufgebotsbuch der Brieger Nicolaikirche.)
-- Nach derselben Quelle lebte um 1600 in Neiße der /Buchdrucker
Andreas Reinheckel/, dessen Tochter Anna 1613 Stieftochter des
kunstreichen Herrn /Caspar Siegfried/, Buchdruckers zu Brieg,
genannt wird[133]. -- /Glockengießer/ beschäftigte Neiße ehedem
folgende: 1419 gießt Meister /Jörge/, Kupferschmied, eine Glocke
für die Brieger Pfarrkirche und bekommt für den Centner 1/2 Mark und
alle Geräthe außerdem. (Br. Stadtb. I, 122). Für dieselbe Kirche
verfertigte 1503 der Gelbgießer /Barth. Lindenradt/ aus Neiße die
große Glocke, welche Bischof Johannes Roth von Breslau taufte. (Stdtb.
II, 11). Derselbe Meister goß sie fünf Jahre später noch einmal, und
sie wurde zwölf Tage nach der Vollendung auf den Thurm gezogen und mit
den andern Glocken in ein neues Gestühle durch Meister Leonhard von
Romberg aufgehängt. (ebda. 11 b.) Auch einen Seigermeister, /Georg
Pfuhl/, berief man aus Neiße nach Brieg, welcher 1535 die Rathsuhr
verfertigte; man hatte ihm dafür 2 alte Uhren und 44 Gulden (à 3
Flor.) gegeben (ebda. 35)[134]. Um 1680 und 1712 gossen für Neiße und
nach auswärts /Matthias Munse/ und /Heinr. Josef Reichel/.
(Vorzeit, B. 29, S. 66) -- Der sogen. schöne Brunnen auf der Breslauer
Straße, eine prächtige Schmiedearbeit, von dem Schlesiens Vorzeit
1870 eine Abbildung bringt, trägt die Inschrift: „Aus Belieben eines
löblichen Magistrats machte mich Wilhelm Helleweg, Zeugwarter, anno
1686.“ Doch ist das Wort „machte“ kaum wörtlich zu nehmen, da der
Zeugwart nur zu den Unterbeamten des Raths zählte und die Waffen der
Stadt zu beaufsichtigen hatte; es dürfte darum jener Name aus Lübke’s
Künstlerverzeichniß a. a. O. 983 zu streichen sein.
Es sei zum Schlusse noch gestattet, einige schlesische Künstler, die
sich nicht anderweitig hatten unterbringen lassen, aus Angaben der
Brieger Kirchenbücher nachzutragen:
1588 stirbt auf dem Pfarrhofe zu Brieg Michael Brisen, Maler, von
Pitschen. (Todtenb.) Im Aufgebotsbuche von 1606 werden namhaft gemacht:
1606 weiland Baumeister Thomas Hartsch zu Neustadt o/S.[135]; 1608 der
kunstreiche Georg Brückner, Baumeister zu Breslau; 1611 weil. Caspar
Springer, Baumeister und Müller (!) zu Prauß bei Strehlen; 1613 weil.
Baumeister und Müller Lorenz Orttelbach zu Beuthen a. d. O.; 1619 wird
aufgeboten Leonhard Sorge, Maler und Bürger zu Oppeln, Sohn des †
Rentmeisters zu Ketzerndorf (Karlsmarkt)[136], mit der Tochter des †
fürstl. Hausvogts Sommerfeld zu Brieg; der Künstler siedelte übrigens
später nach Brieg über. 1620 starb bei dem Bildhauer Hans Döring zu
Brieg der Maurergeselle Elias Marga, von Bunzlau gebürtig. (Todtenb.)
-- 1594 lebte in Brieg ein Perlhefter (Paramentensticker) Paltzer
(Todtb.); seit 1613 wird in den Kirchenregistern mehrfach erwähnt ein
Perlhefter Peter Tunckel. 1596 starb Christoph Heinze der Kartenmaler
(das.); 1626 wird daselbst aufgeboten der Kartenmacher Zacharias Böhme,
dessen † Vater Stenzel B. auch ein solcher gewesen; 1612 arbeiteten in
Brieg zwei fremde Steinschneider: Hans Rurock aus Danzig und Tobias
Bartsch aus Meißen. (Taufb.) --
Endlich sei bezüglich der italienischen Künstlercolonie in Brieg noch
bemerkt, daß sich nachträglich ein wälscher Maurer /Gregor Pahr/,
wol ein Sohn des ausführlich besprochenen Schloßbaumeisters Jacob,
gefunden hat als Taufzeuge 1594. In die Leitung der herzoglichen Bauten
trat nach dem um 1609 erfolgten Tode des Bernhard Niuron Meister
/Hans Lucas, „Baumeister zu Hofe“/, wahrscheinlich unmittelbar
ein; man ist versucht, ihn für einen Nachkommen des Italieners Hans
Lugan zu halten.
VI. Sonstige Städte.
Die hier folgenden Zusammenstellungen sind aus zum größten Theil
gedruckten Urkunden oder Monographieen geschöpft und behandeln in
alphabetischer Reihenfolge diejenigen Städte und Klöster Schlesiens,
wo es dem Verfasser nicht möglich gewesen, eingehendere archivalische
Studien zu machen. Darum mögen auch Angaben über schlesische Künstler
des vorigen Jahrhunderts, in Ermangelung früherer, diesmal nicht
ausgeschlossen bleiben.
/Falkenberg/ (Regierungsbez. Oppeln). Das im Renaissancestil
aufgeführte und weithin sichtbare Schloß an der Ostseite der
Kreisstadt, beschrieben in Schlesiens Vorzeit II, 14, wurde 1589-92
unter Balthasar Pückler von Groditz, Besitzer der Herrschaft seit
1581, von den Maurermeistern /Jakob Westphal/ und /Hans
Czerr/ aus Jägerndorf erbaut, resp. um einen Stock erneuert, für
welchen Bau ihnen gegeben wurde „an Geld 775 [Symbol: Reichstaler],
Korn 2 Malter, Gerste 2 Schffl., Erbsen, Hirse, Haidekorn je 1 Schffl.,
Butter 4 Tönnchen, Rinderkäse oder Quärge 50 Schock, Kühe 1 Stück,
Schafe 12 St., Fleisch 3 Seiten, Karpfen 3 Schock, Salz 1/2 Schffl.,
Bier 8 Achtel, Tischbier 30 Achtel.“ -- Der betreffende Contract ist
abgedruckt in Schlesiens Vorzeit, 31. Bericht, S. 104-105[137]).
/Freistadt/ (Regb. Liegnitz). /Jost Köpper/ von der
Freistadt[138], /Maler/, wurde 1521 in Görlitz Bürger, zog aber
heimlich davon. (Bürgercatal. v. G.)
/Glatz/ (Hauptstadt der Grafschaft G.). Innerhalb der Jahre 1464
und 66 malt im dortigen Augustiner-Chorherrenstift Meister /Wilhelm
Kalteysen/ von /Aachen/; pictor sollempnis nennt ihn die
Klosterchronik. (Zeitschr. für Gesch. etc. Schlesiens X, 140.) --
1679 lebte der Maler /Caspar Paumgarten/ in Glatz. (ebenda 141.)
Der ebendort ansäßige Steinmetz /Wenzel Krobener/ trat 1571
mit dem Magistrate von Brieg in Unterhandlungen wegen Arbeiten am
dortigen Rathhause und erhielt am 18. Sept. 70 [Symbol: Reichstaler]
auf Abschlag. (Brieger Rechnungsb. von 1563.) -- Das Schloß in Glatz
wurde 1557 von Meister /Lorenz Krischke/ errichtet. (A. Schultz,
Schlesiens Kunstleben II, S. 17, nach Aelurius’ Glaciographia.)
/Gr. Glogau/ a. d. Oder. Ein /Cunczelinus murator/ wird genannt als
Zeuge in einer Urkunde von 1326. (Liber cum cruce, p. 18.) -- Am
Rathsthurme arbeiteten 1678, resp. 1720, die Zimmermeister /Caspar
Mücker/ aus Bunzlau und M. /Freudenberg/ aus Breslau. (Minsberg,
Glogau II, 144 ff.) -- Ein /Maler/ aus Breslau -- leider ist der Name
nicht angegeben -- vollendete nach mehrjähriger Arbeit 1493 für das
Glogauer Domkapitel einen Schnitzaltar (unam novam tabulam) für den
Chor. Man hatte dem Künstler dafür 150 ungar. Floren gegeben. (Annales
Glogovienses, S. 64.) -- Ein Madonnenbild (1518) von /Lucas Cranach/ in
der Collegiatkirche erwähnt Büsching in seiner „Geschäftsreise durch
Schlesien“, S. 107. -- /Melchior Heinrich/ von /Freiberg/, /Maler/ zu
Glogau, malte 1595 die Kanzel der Dorfkirche zu Diebau (Kr. Steinau)
laut Inschrift. -- Im städtischen Archiv zu Brieg befindet sich eine
Urkunde von 1710, worin die Geschwornen und Aeltesten des löblichen
Mittels der /Goldschmiede/, /Maler/ und /Bildhauer/ zu Großglogau
Joh. Ferd. /Schamaranski/ und George Anton /Nicke/ bekennen, daß
letzterer, Malerältester, am 14. Nov. mit seinem „Lehrknaben“ Joh.
Sebastian /Neubert/ erschienen sei und bekannt habe, dieser habe
seine 5 Jahre ausgestanden und sich in Allem aufrichtig und ehrlich
verhalten; nunmehr werde er seiner Lehrjahre ledig gesagt und allen
Berufsgenossen empfohlen. Unterzeichnet ist dies Document von dem
Oberältesten (Goldarbeiter), wobei Wappen (im Schilde und auf dem Helme
ein Vogel mit Ring im Schnabel und G. S.), und dem Malerältesten,
wobei das allgemeine Malerwappen; auf dem Helme aber zwischen Geweih
eine weibliche Figur. -- Ein /Münzmeister/ Konrad von Glogau wird 1310
erwähnt. (Minsberg I, 181.)[139]
/Hirschberg/ (Regb. Liegnitz). Im Buche der Petrusfigur eines
Schnitzaltars zu Wünschendorf bei Lähn (1865 in Breslau renoviert) hat
sich der Maler durch folgende Inschrift verewigt: hec tabula consumata
est per me /David Grossmann pictorem de Hirsberc/ aō. partus
virginei M.CCCC.LXI. die XVI. Februarij. Deo gratias.[140] -- 1479, 15.
Oct. richtet der Rath von Hirschberg an den von /Danzig/ einen
Brief, worin er den Steinmetzen /Martin Frey/, der Schlösser,
Kirchen und Thürme köstlich gebaut und allenthalben seine Meisterschaft
bewährt habe, für den Bau der dortigen Marienkirche empfiehlt.
(Schles. Kunstleben, S. 40.) -- Die Orgel in der kath. Pfarrkirche zu
Hirschberg erbaute /Casparini/, während /Röder/, Erbauer der
Magdalenenorgel zu Breslau, die in der Gnadenkirche 1725-27 errichtete.
(Knie, Uebersicht der Dörfer etc., S. 837.) Adam Horatius Casparini
stammte aus /Padua/, verfertigte 1709, resp. 1715, die Orgeln
zu Bernhardin und Christophorus in Breslau. (Schles. Vorz. II, 260.
261.); auch in Görlitz hat er gearbeitet. -- In H. arbeitete am Anfange
des 18. Jahrh. der /Glockengießer/ Ch. Friedr. Seifert. (Schles.
Vorz., 29. Ber., S. 66.)
/Hoyerswerda/ (in d. Wendei). In der sehr alten Pfarrkirche soll
sich das Epitaphiumsbild eines Herrn von Maltitz mit der Darstellung
„Christus segnet die Kinder“ erhalten haben, woran sich ein Monogramm
in der Art des Dürer’schen (nur daß statt D Ↄ steht) nebst
der Inschrift fecit 1582 zeige. (Katal. d. Wolf’schen Sammlung in der
Bibl. d. Lausitz. Gesellsch. z. Görlitz, S. 151.)
/Löwen/ (bei Brieg). 1663, resp. 1689, arbeiteten dort die Maurermeister
Georg /Pfalman/ und Adam /Scholtze/. (Urkunden der Brieger
Bauhandwerker-Lade.) -- 1257 wird erwähnt ein /Walterus monetarius/ de
Lewin. (Reg. z. schles. Gesch., Nr. 955.) Andere Münzmeister des 13.
Jahrh. finden sich: 1261 /Arnold/ in /Löwenberg/ (ebenda Nr. 1091),
1290 /Petzmann/ in /Schweidnitz/ (Reg. d. Bresl. Staatsarchivs).
/Münsterberg/ (Regb. Breslau). Dem /Maler/ Herzog Karls[141]
gibt die Stadt Brieg 1536 2 Flor. für Entwürfe zu den neuen Gebäuden an
den Brotbänken; wahrscheinlich hieß er /Laubener/, wie der Name
des gleichzeitig in dieser Stadt beschäftigten Künstlers lautet. (Urk.
v. Br., S. 200.)
/Namslau/ (Regb. Breslau). Die kath. Pfarrkirche soll 1401 von
Meister /Peter Steinmetz/ erbaut worden sein; doch kann ich
diese Angabe nicht urkundlich erhärten. -- Um 1471 lebte daselbst
Meister /Niclas der Maler/. (Zeitschr. X, 142.) Denkmäler
mittelalterlicher Malerei und Holzsculptur finden sich mehrfach in der
Umgegend von Namslau in den Dörfern Altstadt, Strehlitz, Proschau,
Belmsdorf, Kreuzendorf.
/Oels/ (Regb. Breslau). Ein Maler Nicolaus de Olsina (vgl. A.
Schultz, Bresl. Malerinnung) wird zum Jahre 1401 erwähnt im Anzeiger
1875, Sp. 74. An der Pfarrkirche haben um 1456 gebaut die Maurer Nic.
/Hoferichter/ und Nic. /Fischer/. (Zeitschr. X, 134.) --
Ueber die bei den fürstlichen Grabdenkmälern betheiligten Künstler gibt
Lübke, Gesch. der deutschen Renaissance, Luchs, schles. Fürstenbilder,
A. Schultz, Schlesiens Kunstleben, Aufschluß. Von dem herzoglichen
Schloßbau aber kennt man bisher die ausführenden Künstler nicht; ich
habe im Anzeiger unter /Brieg/ die Vermuthung ausgesprochen, daß
der Steinmetzmeister /Kaspar Khune/ einer derselben gewesen.
/Ohlau/ (b. Brieg). Das herzogliche Schloß wurde durch /italienische/
Baumeister 1654 wiederhergestellt; sein Erbauer war Georg II. von Brieg
gewesen. (Kunstleben, S. 17.) Das Rathhaus, vielfach (zuletzt 1823)
umgebaut, hat von dem ursprünglichen nichts Besonderes übrig behalten.
Aus einem undatierten Contract über seinen Bau (im Brieger Archiv)
ersieht man, daß es zwei Thürme mit einer, resp. zwei, Durchsichten,
den größeren von einem Kranz mit eichenen Säulen umgeben, haben sollte.
Der Baumeister -- wahrscheinlich war es der 1585 in Brieg gestorbene
/Hans Seiler/ -- sollte 300 [Symbol: Reichstaler] bekommen. (Schles.
Vorz., 39. Ber.) -- 3 Uhrmacher, /Sallat/, /Kraut/ und /Riebe/,
verfertigten bis 1718 das Wahrzeichen von Ohlau, die künstliche Uhr am
Rathsthurme: man sah auf der Seite im NW. den Mondlauf, im NO. beim
Stundenschlage eine Henne, gejagt vom Hahn, im SO. den Tod, der beim
Viertelstundenschlage die Sense bewegt, und im SW. den Herrscher
der Zeit, der bei jedem Stundenschlage das Zepter neigt und den Mund
bewegt.[142] (Knie, a. a. O., S. 889.) Schließlich sei hiebei als
Nachtrag zu den Italienern von Brieg bemerkt, daß die Herzoge Joachim
Friedrich und Johann Georg, Gebrüder, durch eine Urkunde d. d. Ohlau,
1588, 6. Aug. ihren /Baumeister Bernd Niuron/ frei machten „aller
Beschwerung, es sei an Wachen, Geschoß, Ungelden, Steuern etc.“ (Brieg.
Mittelspriv., S. 181.) Er mag auch in dieser Stadt thätig gewesen
sein.[143]
/Reichenbach/ (Regb. Breslau). /Paul Juch/, Maler, nennt
sich unter Anbringung seines Monogramms 1586 am Schülerchor der alten
Pfarrkirche. (Schles. Vorz. 24. Ber. S. 255.)[144] -- Der südliche
Kapellenanbau rührt her von /Balthasar Jentsch/, „Meurer und
kunstreichem Tischler“ aus Liegnitz (1585) (ebenda S. 253). Dieselbe
Kirche besitzt das Grabmal des Maurers /Melchior Friedrich/ (†
1589) mit Monogramm (ebenda S. 255).
/Sagan./ Meister /Hans/ von Sagan malte 1506 die Orgel in
der Klosterkirche der Franziskaner zu /Bautzen/ und erhielt
dafür 14 Mark. (Wirthschaftsbericht des Klosters, abgedr. im N. Laus.
Magaz., Bd. 49, S. 43.) Wahrscheinlich ist dieser Künstler identisch
mit dem bei Schultz, Breslauer Malerinnung, S. 88, angeführten /Hans
Schöneiche/ pictor in Sagano 1509. -- Der 1518 in Görlitz Bürger
gewordene Maler /Caspar Wittich/ nahm um 1530 seinen Wohnsitz
in Sagan. (Vgl. die Maler von Görlitz im 52. Bande des N. Laus.
Magazins.)[145] -- Die Decken der Stiftsbibliothek sind al fresco von
einem Maler /Neunherz/ 1736 gemalt. (Büsching, a. a. O., S. 122.)
/Strehlen/ (Regb. Breslau). Den Steinmetzmeistern /Stephan/
und /Georg/ von Strehlen wird 1405 die Behauung der Steine „zum
obersten Werke“ an der Nicolaikirche zu Brieg verdingt, pro Elle 3
Groschen weniger 2 Heller. (Brieg. Stadtb. I, 121.) -- 1383 bekennen
die Rathmanne von Strehlen vor denen von Schweidnitz, daß /Hensil
Friberg/, Seigermeister daselbst, ihnen verkauft habe einen Seiger
nebst allem Zubehör, wie Glocke etc. Diesen soll er nach Strehlen zu
schicken und einzurichten veranlaßt werden, auch „waz die czwee iar
deme seiger abegeet, daz sol er fulkomen ferrechin.“ (Schweidn. Stadtb.
I, 102.)
VII. Schlesische Klöster.
/Leubus/ (1175 gegründet). Die noch vor 1300 vollendete
Klosterkirche mag von dem Bruder /Fridericus magister operis/
monasterii Lubensis, welcher 1307 genannt wird, herrühren. (Abhandl.
d. Ges. f. vaterl. Kultur, Arch. Sect. 1870.) Im 17. u. 18. Jahrh.
arbeiteten in Leubus die Maler /Willmann/, „der schlesische
Apelles,“[146] Anton /Scheffler/ (auch an der Lorettokirche des
Prager Hradschin und dem Breslauer Universitätsgebäude beschäftigt)
und Philipp Christian /Benton/, welcher die Fresken der Kirche in
Städtel Leubus malte und auch 1746 für den Abt der Prämonstratenser zu
St. Vincenz in Breslau Arbeiten übernahm. (Zeitschr. X, 142.)
/Trebnitz/ (gegründet von Herzog Heinrich I. 1203 auf Anliegen
seiner Gemahlin, der h. Hedwig). Muthmaßlicher Baumeister der
Klosterkirche ist der in Urkunden von 1208 u. 1218 erwähnte /Laie/
magister /Jacobus lapicida/ (Zeitschr. IX, S. 308.) Der im Kloster
befindliche Grabstein des Herzogs Konrad II. von Oels († 1403)[147],
ohne jedes Bildwerk, nur mit einer Randinschrift, war 1409 dem
Maurermeister /Heinrich Frankenstein/ verdingt worden. (Zeitschr.
X, 132.)
/Grüssau/ (1292 erbaut und mit Cisterziensern besetzt; nach Knie,
am angeführten Ort, S. 188)[148]. Luchs, bildende Künstler, S. 25,
erwähnt aus einem Briefe des Provinzialarchivs (ohne nähere Angabe)
d. d. Breslau, 1562 am Pfingstmontage, an den Herzog von Brieg einen
Meister /Christoph/ den /Walen/, Meurer, der nach Grüssau
gehen muß.
1692 legte der Abt Rosa den Grundstein zur Josephskirche, welche
Michael /Willmann/ mit Fresken ausschmückte. (Büsching, a. a. O.,
S. 356 ff.) Dieselbe Quelle nennt noch Gemälde der Klosterkirche von
Jacob /Köbel/, /Brandel/, /Scheffler/.
/Heinrichau/ (Tochterkloster von Leubus, gegründet 1222,
eingeweiht 1227. Stenzel, schles. Gesch., S. 36 ff.). Das
Fundationsbuch (ediert von Stenzel 1854) nennt 1304 und 1309 (S. 205.
105) den Bruder /Winandus magister operis/. Auch wird in einer,
allerdings für unecht erklärten, aber doch noch aus dem 13. Jahrh.
stammenden Urkunde von 1234 (Schles. Regesten, Nr. 433) gesagt, Herzog
Heinrich habe auf Bitten des obigen Steinmetzen Jacob dem Kloster
Trebnitz 200 Hufen eines Waldes bei Heinrichau geschenkt, von denen
/Winand/ die Hälfte besitzen solle; vielleicht steht dieser zu
dem Baumeister W. irgendwie in Beziehungen. -- Büsching a. a. O., S.
417 ff. nennt in einer dort abgedruckten Urkunde von 1325 einen Abt
Wynandus von Heinrichau und unter den Zeugen einen zweiten /magister
operis Johannes/ nebst einem /Winand/ furnarius (Bäcker).
-- Bei Stenzel a. a. O., S. 166, wird zum Jahre 1263 ein Johannes
aurifaber angeführt. -- Das zweite Schweidnitzer Schöppenbuch erwähnt
1407, ohne jede Namensbestimmung, einen /moler/ von Heynrichau.
Möglicherweise ist es der im Schweidn. Steuerregister vermerkte Jocob
moler, Czinkewicz (ein zu Kloster H. gehöriges Dorf) genannt. --
Auch in H. hat /Willmann/ nach Büsching, S. 415 ff., gemalt.
-- Die schlesischen Provinzialblätter von 1865 thun ohne jegliche
Begründung eines elfenbeinernen Cruxifixes in einer Seitenkapelle der
Klosterkirche Erwähnung, das von /Benvenuto Cellini/ herstammen
soll (!).
/Rauden./ (Die Stiftungsurkunde datiert von 1258, cf. Regesten,
Reading Tips
Use arrow keys to navigate
Press 'N' for next chapter
Press 'P' for previous chapter