Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
15. Jahrh. bloßgelegt worden. An der Ostseite, zur Rechten des Altars
1872 words | Chapter 181
zeigten sich Scenen aus der Leidensgeschichte, darüber Christus am
Kreuz mit Maria, zur Linken eine große Madonna mit dem Christkinde, an
der Südseite die Bilder des hl. Laurentius und der hl. Katerina (sic!)
mit den Namen derselben und dem Namen des Stifters der Bilder, Frisen,
in gothischer Minuskel, darüber eine größere Figur, von der nur noch
die, untere Hälfte erhalten ist, an der Westseite St. Georg, mit dem
Drachen kämpfend. Die Malerei ist einfach, schlichthandwerksmäßig in
Kalkfarben mit kräftiger, brauner Contourierung ausgeführt. Außerdem
sind eine große Anzahl alter Weihekreuze an den Pfeilern bloßgelegt.
Das ganze Innere war ursprünglich in Rohbau mit sauber aus Gips
gezogenen Fugen gehalten und soll auch so wiederhergestellt werden.
P.
80) /Schaffhausen./ Ueber ein am 12. März in der /St.
Johanniskirche/ entdecktes Wandgemälde cf. „Allg. Schw. Ztg.“ Nr. 81.
Mit zwei gegen eine Stimme hatte der kleine Stadtrath den Beschluß
gefaßt, es sei dasselbe wieder übertünchen zu lassen. Die neuerdings
erhobenen Vorstellungen jedoch und das Anerbieten des antiquarischen
Vereins, die Erstellung eines beweglichen Verschlusses auf eigene
Kosten zu übernehmen, scheinen den hohen Magistrat etwas toleranter
stimmen zu wollen. Das figurenreiche Gemälde, die Kreuztragung Christi
darstellend, befindet sich an der Westseite des äußersten, südlichen
Seitenschiffes und ist ohne Zweifel bald nach dessen 1517 stattgehabter
Erbauung verfertigt worden.
(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)
81) Ueber /neu entdeckte Malereien in der Muttergotteskapelle
bei St. Peter Wyl/ (St. Gallen) berichtet Hr. Prof. Rabe der
„Allg. Schw. Ztg.“ unter Anderm:
Noch merkwürdiger und auch besser erhalten als die Bilder im Chor sind
die Malereien in der westlich anstoßenden „Todtenkapelle“. Bis jetzt
sind die östliche Schmalwand und ein Theil der nördlichen Langseite
abgedeckt. Dort, an der Ostseite über der Chorthüre beginnend, nimmt
eine figurenreiche Darstellung des jüngsten Gerichtes fast die
ganze Breite der Mauer ein. Hoch in der Mitte erscheint in einer
sternenförmigen Glorie der Heiland. Sein Thron ist ein Regenbogen, die
Füße ruhen auf der Weltkugel. Ein purpurner Mantel läßt den Oberkörper
unverhüllt: Kopf und Arme sind zerstört, weil hier die nachmals an
Stelle einer flachen Holzdiele eingefügte Gipsdecke beginnt. Zur
Rechten Christi kniet fürbittend die Madonna. Lange gelbe Haare
fluthen über den Nacken herab. Ein weißer Mantel umhüllt in schönem
Wurfe die Gestalt und läßt nur die knapp anliegenden Aermel frei.
Gegenüber, wo jetzt noch Tünche haftet, wird man Johannes den Täufer
finden. Eine gelbe, von weißen Wolken besäumte Glorie umgibt diese
himmlischen Gestalten. Dann folgen tiefer die markigen, lebensvollen
Figuren der Apostel mit ihren Attributen. In zwei sich zugewendeten
Chören sind sie in doppelter Reihe übereinander geordnet, wobei die
vorderen ganz, die hinteren Gestalten als Halbfiguren zum Vorschein
kommen. In der Mitte zwischen diesen Chören sieht man zwei schwebende
Engel, die Boten des Gerichtes, das sie mit ihren gekreuzten Posaunen
verkünden. Weiße Wolken trennen die Apostel von dem grünen Erdenplane,
wo in der Mitte von vorne bis in die Ferne die Todten aus den
Gräbern steigen. Vorne hat sich die Scheidung vollzogen. In wildem
Tumulte werden die Verdammten von Teufeln umfangen, gequält und von
hinnen gerafft. Diese Hälfte, zur Rechten vom Beschauer, ist schlimm
mitgenommen, sehr gut dagegen die Schaar der Berufenen erhalten. Es
ist eine anmuthige, lebendig geschilderte Scene. Ein Kaiser, in dem
man die Züge Maximilians I. zu erkennen glaubt, befindet sich unter
den Seligen. Vor ihm steht ein Mann, mit der Schaube bekleidet,
barhäuptig und in devoter Haltung. Die Rechte ans Herz gelegt, scheint
er sich angelegentlich mit einem weißbärtigen Alten zu besprechen.
Man möchte in diesem Letzteren, wenn er einen Nimbus trüge, den hl.
Petrus vermuthen. Auch eine Nonne sieht man unter den Berufenen und
weiter Frauen und Männer, unter diesen einen Ritter, eine prächtige,
jugendliche Gestalt, mit dem Harnisch bewehrt und das Haupt mit einem
Federbarett bedeckt. Der letzte der Schaar, ein bärtiger Mann, schaut
angstvoll nach seinem teuflischen Verfolger zurück; aber ein Engel,
der den Zug geleitet, wendet sich ebenfalls um und weist den Satan mit
der Geberde des Segens hinweg. Es muß ein Meister von großem Talent
gewesen sein, der diese Scene, um 1530 etwa, gemalt hat. Die nackten
Theile weiß, braunrothe Contouren, Gelb für die Haare und einzelne
Gewandstücke, dazu ein trübes, dunkles Roth und Grün, ein grünliches
Graublau: das ist die Palette, die dem Maler zur Verfügung stand; aber
daneben staunt man über die wahrhaft geniale Bravour, mit welcher der
Meister nur so flüchtig diese Gestalten gezeichnet hat, wie über die
Schönheit und die markige Kraft der einzelnen Erscheinungen. Eine aus
dem Bilde herausblickende Frau ist von vollendeter Anmuth; in dem Kopfe
des mit Petrus redenden Mannes glaubt man Holbeinischen Einfluß zu
erkennen, und der jugendliche Ritter, der so angstvoll mit gerunzelter
Stirn dem erlösenden Ziel entgegenschaut, ist ein wahrer Prachttypus
von kraftstrotzender, stilvoller Renaissance-Erscheinung. Ebenso
großartig, einfach breit, musterhaft im Charakter der Zeit entworfen,
sind die nur mit wenigen Tönen in der Lokalfarbe schattierten Gewänder.
Den Churer Todesbildern steht die Sorgfalt der Ausführung nach, den
Wandgemälden in Stein ist dieses jüngste Gericht an geistreicher Kraft
und Frische des Vortrags weit überlegen. Was muß das für eine Zeit
gewesen sein, da der einfache Schilder dergleichen zu malen im Stande
war! -- Bis jetzt ist nur ein geringer Theil eines Bilderfrieses am
östlichen Ende der Nordwand bloßgelegt, -- eine wichtige Entdeckung
jedoch; denn es ergibt sich, daß der ganze Fries einen Todtentanz
enthält, von Versen begleitet, die unten in Minuskeln beigeschrieben
sind. Die Reihe beginnt an der Ostwand mit der alten Frau, die der Tod,
der in der Linken eine Schaufel hält, am Arme fasst. Dann folgen als
Opfer ein nacktes Kind, ein Bauer, ein Bürger oder Edelmann, zuletzt
ein Krückenmann. Auf grünem Plane heben sich diese schwarz gezeichneten
und mit wenigen glatten Tönen bemalten Bilder von dem weißen Grunde
ab. Der Tod, ein gelber, eingeschrumpfter Kadaver, eilt jeweilig
tanzend mit seinen Opfern von dannen und bläst dazu auf einem seltsam
geschwungenen Horn.
Fast noch merkwürdiger ist aber eine eigenthümliche Todesallegorie,
die unter den fünf bis jetzt bloßgelegten Gruppen zum Vorschein kam.
Ein solches Bild, roth umrahmt, zeigt oben hinter einer Mauer eine
Schaar von Geharnischten und Landsknechten. In der Mitte ist die
Fallbrücke heruntergelassen; ein Theil der Besatzung scheint einen
Ausfall wagen zu wollen, während andere mit Hellebarte und Streithammer
ihr Refugium vertheidigen -- gegen Todtengerippe, halbverweste
Kadaver, die mit hochgeschwungenen Dreschflegeln gegen die Mauer
anstürmen, hinaufklettern und immer neuen Succurs bekommen von anderen
Todesgestalten, welche diesseits des Zwingers ihren Gräbern entsteigen.
Rechts zur Seite ist der Einblick in ein hohes Gelaß geöffnet, mit
einem Butzenfenster in der Tiefe. Ganz vorne, wo ein einziges nacktes
Figürchen (kein Gerippe) aus dem Grabe steigt, kniet anbetend, von
der Schlachtscene abgewendet, die große Gestalt einer Frau oder eines
geistlichen Herrn.
(D. Reichsanz., Nr. 164.)
82) Auf der Insel Gothland sind vor einiger Zeit zwei Funde gemacht
worden, die wegen des historischen und metallischen Werthes, der
Zierlichkeit und Gleichartigkeit der gefundenen Gegenstände besonders
merkwürdig sind. Der eine Fund wurde in der Nähe von Hafdhem beim
Fällen eines großen Baumes gemacht. Bei dem Wurzelstocke standen zwei
Thongefäße, enthaltend silberne Schmucksachen und Münzen im Gewicht
von ca. 11 Pfund. In dem einen Gefäß lag eine kleine, aus Baumrinde
verfertigte, länglich runde und halb vermoderte Schachtel mit Deckel,
gefüllt mit silbernen Münzen. Der übrige Theil des Fundes bestand aus
zwei massiven, mit eingelegten Verzierungen versehenen Armringen,
sieben Spiralarmringen, deren Spiralen mit zwei feinen Drähten umwunden
sind, Fragmenten von ähnlichen Ringen, vier einfachen Spiralarmringen,
Stücken von allerlei Zierrathen und einem kleinen Knäuel
aufgewickelten, sehr feinen Silberdrahts. Von den gefundenen Münzen
waren 247 kufische (arabische), einige oströmische Kaisermünzen, einige
deutsche und angelsächsische und außerdem eine ganze Menge zerbrochener
Münzen. Die Thongefäße und die Schachtel sind vollständig erhalten. Der
zweite Fund wurde auf der entgegengesetzten Seite der Insel bei Ryssnäs
beim Torfgraben gemacht und bestand aus vier Spiralarmringen, den
obenerwähnten sehr ähnlich, und aus einer Menge theils ganzer, theils
zerschnittener kufischer Münzen. Beide Funde dürften vom Reichsmuseum
in Stockholm erworben werden.
(Numismat.-sphragist. Anz., Nr. 6.)
83) Der Wiener Alterthumsverein hat jüngst das Jubiläum seines 25
jährigen Bestehens durch einen Akt der Pietät gefeiert, gleichzeitig
der Stadt Wien ein historisches Kunstdenkmal zurückgegeben,
nämlich das Denkmal des Vertheidigers Wiens bei der ersten
Türkenbelagerung (1529), Nicolaus Grafen von Salm, das ursprünglich
in der Dorotheenkirche gestanden war, aber nach Aufhebung des
Chorherrenstiftes durch Kaiser Josef II. sammt allen Einrichtungen
der Kirche beseitigt und nur durch Zwischenkunft der Familie Salm
gerettet wurde. Es ist eine Tumba, deren Seiten reich mit Sculpturen
geschmückt sind, während auf dem Deckel die Figur des Helden vor dem
Crucifixe knieend dargestellt ist. Dieser Deckel war seit Beginn dieses
Jahrhunderts in der Salm’schen Schloßkirche zu Raitz aufgestellt, die
übrigen Theile aber einfach aufbewahrt. Unter Zustimmung des Fürsten
Salm hat nun der Alterthumsverein die Tumba in der Votivkirche zu Wien
wieder aufgestellt.
83) /Dresden/, 11. Juli. (Dr. J.) Die neuerrichtete Abtheilung
der Bildwerke des /Mittelalters/ und der /Renaissance/ im
Königlichen /Museum der Gipsabgüsse/ wird am nächsten Montag, den
14., eröffnet werden.
(D. Reichsanz. Nr. 161.)
84) Die hessische Landesgewerbeausstellung zu Offenbach bringt unter
ihren Sehenswürdigkeiten auch eine nicht unbeträchtliche Reihe von
Alterthümern, so daß die löbliche Sitte, derartige Ausstellungen stets
auch den Freunden alter Kunst und Kultur interessant zu machen, nunmehr
wohl als ganz allgemein angesehen werden kann, wodurch die Verbindung
des heutigen Lebens und der heutigen kunstgewerbliche Thätigkeit mit
der Vorzeit immer inniger wird.
85) Die Generalversammlung des historischen Vereines von Oberpfalz und
Regensburg, welche am 16. d. M. abgehalten wurde, gab dem Vorsitzenden
Veranlassung, bei Besprechung der Wirksamkeit und Thätigkeit des
Vereins auf das wichtigste Vorkommniß, die Einrichtung der ehemaligen
St. Ulrichskirche zu einem Museum, in ausführlicher Weise hinzudeuten.
Wenn auch heute die Einrichtung dieses seit Jahrzehnten verlassenen,
merkwürdigen Monumentalbaues für den jetzigen Zweck nicht beendet ist,
so ist doch die Ordnung und Katalogisierung der bereits beträchtlichen
Vereinsbibliothek sowie der Münzsammlung bereits weit vorgeschritten.
86) Das steiermärkische Landesarchiv macht bekannt, daß es in der Lage
war, aus den zum Theile in großer Anzahl von Exemplaren vorhandenen,
theils einfachen Dupletten gedruckter Patente, Ausschreibungen der
Behörden und Circularen mehrere Sammlungen von historischem und
kulturgeschichtlichem Interesse zusammenzustellen und zu verkaufen. Die
erste solche Sammlung umfasst 3683 Blätter, darunter 90 aus dem 16. und
107 aus dem 17. Jhdt.; die zweite 2323, die dritte 1599, die vierte
1072 Blätter u. s. w. in absteigender Folge. Bestimmte Preisforderungen
sind jedoch nicht gestellt, sondern es werden für jede Abtheilung
getrennte Preisangebote bis zum 15. August angenommen, mit welchem Tage
die Verhandlung geschlossen wird und der Zuschlag für jede Sammlung an
jene erfolgt, welche das höchste Gebot gethan.
Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K.
/Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei /U. E. Sebald/ in Nürnberg.
ANZEIGER
FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Sechsundzwanzigster Jahrgang.
[Illustration]
=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten
Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_
incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuss oder 6 _M_.
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bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
Anstalt des Museums, /F. A. Brockhaus/ in Leipzig, befördert.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
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