Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
13. Jahrhunderts erkennen wird, wenn demnächst Fikentscher’s in
1405 words | Chapter 43
Augsburg Monographie über dieselben, welche er gegenwärtig bearbeitet,
erschienen sein wird.
In Nürnberg wurden jüngst beim Weitergraben eines Kellers 130 Stück
Heller gefunden. Es waren etwa 50 Amberger, 14 Langenzenner mit Z zu
erkennen; die anderen Exemplare waren durch Grünspan verdorben.
Ostheim, 6. December. Dieser Tage ist hier beim Aufgraben des
Brandschuttes, wie der „Eis. Ztg.“ geschrieben wird, an dem p.
Zehner’schen Wohnhaus ein Topf gefunden worden, welcher 355 alte
Silbermünzen enthielt. Dieselben stammen aus dem 16. und 17.
Jahrhundert. Das neueste Geldstück trägt die Jahreszahl 1675. Die
Münzen befinden sich in Verwahrung des Gemeindevorstandes. Der Fundort
soll früher dem Herrn von Schnepf gehörig gewesenes Areal sein.
(Fürstl. Reuß-Geraer Ztg. v. 13.|12. 78.)
Auf dem Dominium Rathstube, unweit Dirschau, wurden beim Pflügen außer
einer Goldspange einige zwanzig sehr schön erhaltene byzantinische
Goldmünzen des 4. und 5. Jahrh. gefunden. „Die Regierung von Danzig ist
vom Funde in Kenntniß gesetzt; momentan werden sie von einem Danziger
Gelehrten genau bestimmt und soll dann die Liste veröffentlicht werden.“
(Berl. Tageblatt vom 12. December 1878.)
13) Bisher hatten die Bücherliebhaber vor andern Sammlern wenigstens
das voraus, daß die Seltenheiten, welche sie an sich brachten, mochte
deren Werth auch gering sein, doch echt waren. Mochten sie auch
im Preise überhalten worden sein, sie konnten sich damit trösten,
nichts Unechtes zu besitzen. Ein antiker Helm, ein Rembrandt, der
lange für echt galt, konnte sich schließlich als eine kunstvolle
Imitation entpuppen. Aber eine Incunabel, so nahm man bislang an, ein
/Aldini/ oder /Elzevir/ mußte echt sein; denn ein Buch kann
nicht imitiert werden. Aber nach einer in London gemachten Entdeckung
scheint auch dieses Axiom verrückt worden zu sein, und die Liebhaber
seltener Bücher mögen darum auf ihrer Hut sein. Thatsächlich besteht
in London eine Druckerei, in welcher nicht etwa der Nachdruck,
sondern die vollständige Imitation alter Bücher mit dem Aufwande
aller Geschicklichkeit und in großem Maßstabe betrieben wird, wiewohl
(bei der Unverletzlichkeit des englischen Hausrechts in diesem kein
Criminalverbrechen betreffenden Falle auch eine schwierige Sache)
-- bis jetzt das Local dieser Druckerei nicht aufgefunden werden
konnte. Doch wurden bei Schriftgießern Lettern von längst außer
Gebrauch gekommener Form und bei Papierfabrikanten größere Partien
von geschöpftem Baumwollpapier nach eigenem Muster bestellt. Daß
jedoch trotz aller Sorgfalt und aller Kunstgriffe die Imitation keine
vollständige sein und dieselbe vielmehr bei der Vergleichung mit einem
Original auf den ersten Blick erkannt werden muß, liegt auf der Hand.
Der Witz besteht aber darin, daß eben nur außerordentlich seltene
Werke, welche selbst den eifrigsten Bibliomanen nur dem Namen nach
bekannt sind, imitiert werden, und daß der Verkauf nicht öffentlich,
und überdies mit großer Vorsicht und Schlauheit betrieben wird.
Auf dem Festlande scheinen in dieser Beziehung bisher nur einige
ganz schüchterne Versuche unternommen worden zu sein. Die Aufdeckung
des Schwindels geschah auf eine eigenthümliche Weise. Einem als
passionierter Büchersammler bekannten schottischen Baronet wurde
auf einer Reise von einem „verarmten Gelehrten“ ein Buch zum Kaufe
angeboten. Es sei ein Erbstück und sein letztes Besitzthum, von dem
ihn nur seine außerordentliche Nothlage trennen könne. Der Lord sah zu
seinem nicht geringen Erstaunen eine Incunabel von höchstem Werthe vor
sich. Es war eine in Venedig gedruckte Ausgabe des /Boccaccio/ vom
Jahre 1492. Mit Freuden bezahlte der Schotte den dafür begehrten Preis
von 90 Pfund und lud nach seiner Heimkehr sofort einige benachbarte
Bücherfreunde ein, um ihnen seinen so wohlfeil erworbenen Schatz zu
zeigen. Doch einer seiner Besucher besaß dasselbe Buch, und bald wurde
noch ein dritter /Boccaccio/ aufgefunden. Man schöpfte Verdacht,
und die hierauf mit einem im Besitze des Roxbourgclubs befindlichen
Original, welches seinerzeit um die zehnfache Summe angekauft worden
war, angestellte Vergleichung ließ die drei anderen Bücher als unecht
erkennen. Aehnliches wiederholte sich darauf an anderen Orten mit
zwei italienischen und deutschen Bibelausgaben, einem Gargantua des
/Rabelais/ und dem berühmten Werke des /Miguel Servet/.
Von letzterem existieren nur zwei Exemplare (zu Wien und Paris), da
die ganze Auflage zu Rotterdam durch den Henker verbrannt wurde.
Gleichwohl wurden auch von dieser Imitation mehrere Exemplare an den
Mann gebracht. Die bekanntlich nicht geringe Schaar der englischen
Bibliophilen ist darob in gewaltiger Aufregung und begegnet den
Verkaufsanboten der Antiquarbuchhändler mit dem äußersten Mißtrauen.
Die öffentlichen Bibliotheken aber gehen nun bei der Ausgabe seltener
Werke mit besonderer Vorsicht vor.
(N. illustr. Ztg., Nr. 12.)
14) Die am 9. December vor. Jahres wie alljährlich vom Vereine von
Alterthumsfreunden im Rheinlande veranstaltete Geburtstagsfeier
Winkelmanns fand unter zahlreicher Betheiligung im Kaiserhofe zu Bonn
statt. Eine Ausstellung kleinerer römischer Alterthümer, besonders von
den letzten Ausgrabungen des Bonner Castrums herrührend, wie Pläne und
Zeichnungen desselben dienten zur Illustrierung des ersten Vortrags,
in welchem Professor aus’m Weerth als Vereinspräsident der Bedeutung
des Tages einige Worte widmete und den Bericht über die Ausgrabungen
des römischen Castrums in Bonn als ein der Manen Winkelmanns nicht
unwürdiges Geburtstagsgeschenk bezeichnete. Ausgehend von der Annahme,
daß Julius Cäsar seine zweite Rheinbrücke bei /Bonn/ schlug,
dieselbe für eine weitere Verwendung zur Hälfte stehen ließ und am
linksrheinischen Ufer mit großartigen Befestigungen und einer Besatzung
von 12 Cohorten versah, gelangte der Vortragende zu dem Schlusse, daß
diese Befestigungen zum Schutze der Brücke als die erste Anlage des
unterhalb Bonn’s am Wichelshof belegenen römischen militärischen
Lagers anzusehen seien. Wenn die Conservierung der Brücke, auf die
durch die Erfolge hervorgerufene Entschließung Cäsars: die römische
Machtsphäre über den Rhein auszudehnen, hindeute, so sei von Augustus
und Drusus diese erweiterte Politik aufgenommen worden, wie die große,
linksrheinische Befestigungslinie Xanten, Bonn, Weißenthurm und Mainz
mit den rechtsrheinisch vorgeschobenen Werken Aliso, Niederbiber
und der Saalburg es klar ausdrücke. Das von Augustus oder Drusus
erbaute und aus den Cäsarischen Brückenbefestigungen hervorgegangene
Bonner Castrum sei deshalb ein bemerkenswerthes Glied in der großen
römischen Offensiv-Politik gewesen, aber alsobald auch zur lediglich
defensiven Bedeutung herabgesunken, als erstere unter Claudius
endgültig aufgehoben wurde. -- Die seit dem vorigen Jahre durch das
Bonner Provinzialmuseum methodisch in Angriff genommenen, schon im
Jahre 1820 einmal begonnenen Ausgrabungen des Castrums beschränkten
sich bisher auf die Offenlegung der Gebäude des südlichen Dritttheils
des Rücklagers (der retentura) des Castrums. Zwei große, je 80 mtr.
lange Infanterie-Kasernen, eine dritte, horizontal dazu liegende
Kavallerie-Kaserne mit vorliegenden Pferdeställen, ferner ein kleinerer
Bau für die Vexillarii, jene vom übrigen Dienste befreiten Veteranen,
welchen die Führung der Feldzeichen der Reiterei, des Vexillum,
anvertraut war, dann ein großes Magazin mit Schlachthaus sind bereits
bloßgelegt und festgestellt worden. Eine Menge kleinerer Funde,
darunter viele, im Ganzen an 800 Münzen, welche sich in den durchgängig
aus Tuffstein gebauten Räumen fanden, tragen zur Kennzeichnung von
Zweck und Zeit der Erbauung wesentlich bei. Daß kurz nach der durch
den Aufstand des Civilis (70 n. Chr.) herbeigeführten Zerstörung
unter Domitian auf den älteren Fundamenten ein durchgängiger Neubau
stattfand, erweisen die vielen Ziegel mit dem Stempel der von diesem
Kaiser errichteten Leg. I. Minervia pia fidelis. Nach den bisher
gewonnenen Resultaten lassen die Fortsetzungen der Ausgrabungen auf
großen Umfang der Anlage, eine weitere Anzahl bereits festgestellter
Gebäude, wie überhaupt darauf schließen, daß das Bonner Castrum sowohl
nach Größe, wie nach den baulichen Einrichtungen das bedeutendste der
bisher bekannt gewordenen sei.
Professor /Justi/ sprach über den holländischen Maler Johann van
Scorel (1495-1562.)
Geheimer Rath /Schaafhausen/ erläuterte eine Anzahl ausgestellter
merowingisch-fränkischer Grabfunde, welche in Folge glücklicher
Ausgrabungen von Seiten des Bonner Provinzialmuseums kürzlich in
Meckenheim bei Bonn zu Tage traten.
Gleichzeitig und zur Feier des Tages gab der Verein von
Alterthumsfreunden sein 64. Jahrbuch aus, über dessen reichen Inhalt
wir oben referierten. Es wird allen Benützern dieser Zeitschrift
erfreulich sein, zu erfahren, daß im Anfange des Jahres ein
Generalregister aller bisher erschienenen 64 Jahrbücher zur Ausgabe
gelangt.
FUSSNOTE:
[56: Eine bis jetzt in Reihengräbern ganz vereinzelte Thatsache
(nach d. V.’s Wissen), welche das hohe Interesse der deutschen
Alterthumskunde und Ethnologie erregt.]
Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K. /Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums
in Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. /Sebald/ in Nürnberg.
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