Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
1879. 8.
2691 words | Chapter 119
Archäologische Wanderungen durch Kirchen des Kreises Jerichow. I.
Von Wernicke. -- Die Baugeschichte der Stadtkirche zu Gr. Salze bei
Magdeburg. Von F. O. Müller. -- Hochzeitsgebräuche des Magdeburger
Landes. (Forts.) Von Ph. Wegener. -- Zur Geschichte der edlen Herren
von Barby. Von F. Winter. -- Nachlese zu den Urkunden des Klosters U.
L. Fr. Von Dr. G. Hertel. -- Miscellen. Von Dr. Zurborg u. Th. Stenzel.
-- Literatur. -- Vereins-Chronik.
/Mittheilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte u.
Alterthumskunde./ Zweiter Band, 4. Heft. Dessau, 1879. 8.
Ein Anhaltischer Kohlhaas. Von O. v. Heinemann. -- Die frühesten
urkundlichen Erwähnungen von Ortschaften Anhalts. Von Th. Stenzel. --
Rehbergs Antheil an den Erwerbungen des Herzogs Leopold Friedrich Franz
von Anhalt-Dessau für die Wörlitzer Kunst-Sammlungen. Von F. Siebigk.
-- Ueber Anhaltische Volksmundarten. Von Dr. H. Wäschke. Vermischtes.
Von W. Hosäus. -- Nachtrag zu dem im 3. Hefte dieses Bandes d.
Mitthlgn. veröffentlichten Aufsatze: „die Alterthümer Anhalts“. Von
G. Stier. -- Ein älteres Shakespeare-Bildniß im Gothischen Hause zu
Wörlitz. Von W. Hosäus. -- Vereinsnachrichten.
/Bremisches Jahrbuch./ Herausg. von der /historischen
Gesellschaft des Künstlervereins/. Zehnter Band. Bremen, 1878. 8.
Vereinsangelegenheiten. -- Bremen und die Synode zu Dordrecht. Von
J. Fr. Iken. -- Die Anfänge des Anschariikapitels und die Bremische
Kirchspieleintheilung. Von Dr. W. von Bippen. -- Zur Geschichte
der älteren Handelsbeziehungen Bremens mit den Ver. Staaten von
Nordamerika. Von Dr. M. Lindemann. -- Kleinere Mittheilungen. --
Literatur.
_Neu erschienene Werke._
6) /Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur
Neuzeit/ von /Georg Muck/, Pfarrer in Poppenreuth, vormals
in Heilsbronn. I. Band. Mit 3 Abbild. Nördlingen, C. H. Beck’sche
Buchhandlung. 8. XVI. u. 642 Stn.
Einen wichtigen Beitrag zur Geschichte Frankens bietet das Werk,
dessen erster Band uns bereits vorliegt, und von welchem noch zwei
weitere Bände erscheinen sollen. „Drei Bände über einen so kleinen
Marktflecken“? dürfte wol mancher Leser sich fragen. Sein Bedenken
wird sich aber bald heben, wenn er erfährt, daß es sich hier nicht
allein um die Geschichte des Cisterzienser Klosters Heilsbronn handelt,
welche bekanntlich für sich schon des Merkwürdigen außergewöhnlich
viel enthält, sondern auch um die von weit über hundert Ortschaften,
die ehemals dem Kloster unterthan waren und in ihrer Gesammtheit den
Umfang eines Fürstenthums erreichten. Gar viele der Bewohner dieser
Orte werden sich freuen, hier Nachrichten über ihre Urgeschichte zu
erhalten, von denen sie sonst nie ein Kenntniß hatten, auch nicht haben
konnten. Was aber die Geschichte des Klosters selbst betrifft, so darf
vor allem nur erwähnt werden, daß in der dortigen, nun prachtvoll
restaurierten, ehemaligen Klosterkirche die Gräber der Urahnen unseres
erhabenen, vielgeliebten Kaiserhauses, daß daselbst auch eine größere
Anzahl Kunstdenkmale bezüglich Architektur, Malerei und Skulptur
sich befinden, daß ferner in diesem Kloster von seiner Stiftung an
bis zur Reformationszeit sämmtliche deutsche Kaiser bis auf einen
sich einfanden, ebenso viele Burggrafen, Kurfürsten, Markgrafen und
sonstige vornehme Herren von geschichtlicher Bedeutung, endlich daß
die Kunstdenkmale Urkunden und Aufzeichnungen, Klosterbibliothek u.
s. w. ziemlich wohl sich erhalten haben, da sie von Brand und Krieg
verschont geblieben. Kurz, es ist dieses Werk eine wahre Fundgrube von
zum Theil noch nicht bekannten historischen Thatsachen und außerdem ein
inhaltsreicher Beitrag für die Kultur- und Kirchengeschichte.
Der gelehrte Verfasser, ein welterfahrener, vorurtheilsfreier Mann,
der bereits im Jahre 1859 die werthvollen Beiträge zur Geschichte von
Kloster Heilsbronn (Ansbach bei Seybold) veröffentlicht hat, steht
in seinem 85sten Jahre, ist noch vollkommen lebensfrisch, in seinem
geistlichen Amte aktiv und hat am Abend seines Lebens noch die freudige
Genugthuung, das umfangreiche Geschichtswerk, an welchem er über 30
Jahre thätig war, in seiner Vollendung vor sich zu sehen.
Vermischte Nachrichten.
28) Der Major von Humbert auf Hohen-Kränig, Kreis Königsberg in N./M.,
bei Schwedt a./O., hat auf seiner Gutsfeldmark auf der Höhe des steilen
linken Oderufers ein /Heidengrabfeld/ aufgedeckt. Etwa einen
halben Meter unter der Erde befanden sich in regelmäßigen Reihen von
etwa einem Meter Abstand, von Außenwand zu Außenwand gemessen, kleine,
etwa einen Meter hohe Packungen von unregelmäßigen Feldsteinen der
verschiedensten Form, jedoch nicht über einen Quadratfuß höchstens
groß. Etwa 12 derartige Stellen wurden aufgedeckt. Im Innern befanden
sich einzelne große Urnen mit Stülpen darüber und meheren kleineren
Gefäßen darin, meist noch umstellt mit leeren kleineren und größeren
Gefäßen, darunter solche von ca. 1-1/2 bis 2 Liter Inhalt. Nur in
den größten Centralurnen befanden sich die Reste des Leichenbrandes,
aber sehr vermorscht und auf besonders hohes Alter deutend. Neben
einem solchen großen Gefäße lag frei in der Erde ein unverbrannter
Menschenschädel, von dem jedoch nur ein Theil der Zähne gerettet
werden konnte. Beigaben aus Stein oder Metall sind weder bei früheren
Nachgrabungen noch jetzt gefunden worden. Man gewann diesmal ca. zwölf
große und kleine thönerne Gefäße, dunkelbraun, von primitiver Form.
Zweifellos handelt es sich um vorwendische Objekte. Herr von Humbert
hat die ihm gehörigen Fundstücke den städtischen Behörden von Berlin
für das /Märkische Provinzial-Museum/ zum Geschenk gemacht.
(D. Reichs-Anz., Nr. 79.)
29) /Cöln/, 4. April. Die /römischen Ausgrabungen/
bei der benachbarten /Marienburg/ haben zu dem Funde eines
oblongen, ungefähr 0,90 m hohen, 1,80 m langen und 0,90 m breiten
/Sarkophags/, in welchem sich mehrere Gegenstände befanden, sowie
eines 1,80 m hohen und 0,60 m breiten /Grabsteins/ von Jurakalk
geführt. Der erstere, dessen Deckel zertrümmert ist, trägt auf einer
Langseite die folgenden Endworte einer im Uebrigen verwitterten,
dreizeiligen Inschrift: /VCI -- VERINVS -- IVLLONIE/. Von den in
dem Sarkophage aufgefundenen Gegenständen sahen wir bei dem Direktor
der Aktiengesellschaft Marienburg, Herrn von Gellhausen, welcher
leider erst nach Eröffnung des Sarges bei der Fundstelle eintraf,
kleine Bruchstücke eines traubenförmig façonnierten Glasgefäßes, von
dem wir vermuthen, daß es in seinem Hauptbestande erhalten war, einige
Bronze-Appliken, anscheinend auf den Mithraskult bezüglich, eine
Glasperle, verschiedene Kupfermünzen -- Großerze und kleinere -- von
Hadrian, Antoninus Pius, Commodus, Tetricus, Postumus etc. und endlich
einige, ihrer früheren Bestimmung nach unbestimmbare Metallplättchen
und Ueberreste. Weitaus interessanter ist der vorgedachte Grabstein
von rechteckiger Form, welcher auf seiner obern Hälfte in zierlich
schlanken Buchstaben die nachfolgende, fast makellos erhaltene
achtzeilige Inschrift trägt: L. Octavius L. F. Elaites, gubernator
ann(orum) LVIII, stip(endiorum) XXXIIII h(ic) s(itus) e(st). Dionisius
Plestharchi F. Trallianus scriba pro merit(is). Diese Inschrift ist
von einigen gefurchten Linien umrahmt und überdacht von einem leicht
reliefierten Giebelfelde mit einer Lotosblume in der Mitte, von
der ausgehend verjüngende Akanthusblätter die Winkel des Dreiecks
ausfüllen. Die oberen Zwickel des Steines sind mit Palmetten belebt.
Die Fundstelle befindet sich nur 0,40 m unter der Oberfläche des die
Marienburg umgebenden Grundstückes, welches jetzt behufs Offenlegung
von Zugangswegen zu dem Gesellschaftshause eingeebnet wird. Eine von
dem Bonner Provinzial-Museum für den Grabstein angebotene Summe wurde
von dem Besitzer, der demselben in den Gartenanlagen der Marienburg
eine hübsche Aufstellung zu geben gedenkt, abgelehnt.
(D. Reichs-Anz., Nr. 85, nach der Kölnischen Ztg.)
30) /Bonn/, 18. März. In der Nähe von /Oberbreisig/ wurde
ein Gebäude von rechteckiger Form, ungefähr 70 Fuß lang und 30 Fuß
breit, aufgedeckt, welches zweifellos /römischen Ursprungs/ ist,
dessen Zweckbestimmung indeß erst die weitere Aufdeckung feststellen
kann. Die Aufgrabung steht in Zusammenhang mit derjenigen mehrfacher
anderer römischer Baureste des dortigen Distrikts, besonders einer
römischen Villa beim Orte Waldorf und einer römischen Straße, welche
von Sinzig herkommt. Die Ausgrabungen im Bereiche des /Bonner
Castrums/ haben augenblicklich wegen Bestellung der Felder bis zum
Herbst Unterbrechung finden müssen, nachdem der große Abflußkanal, der
von Westen nach Osten das ganze Castrum durchzieht, in einer Länge
von ungefähr 300 Fuß festgestellt worden ist. Dieser große Kanal von
theilweise 14 Fuß Tiefe der Sohle und einer Breite von 4 Fuß im Lichten
wird seine volle Bedeutung für die Erforschung der Baueinrichtung des
Castrums erst gewinnen, wenn es gelingt, seinen Anfang und Ausfluß in
den Rhein festzustellen. Von großem Interesse dürfte auch das Resultat
werden, welches die Ausgrabung auf der rechten Rheinseite, gegenüber
dem Castrum, bei /Schwarzrheindorf/ verspricht. Es ist bereits ein
großer Mauercomplex aufgedeckt, über dessen nähere Bestimmung indeß
die Aufklärung noch zu erwarten bleibt. Uebrigens sind diese Baureste
keineswegs zufällig, sondern wohlbewußt von Professor aus’m Weerth
gesucht worden.
(D. Reichs-Anz., Nr. 70, nach der Bonner Ztg.)
31) Der Bericht über die Versammlung des historischen Vereins zu
Oberpfalz und Regensburg am 2. April theilt mit, daß in den letzten
Tagen bei dem Graben des Fundaments des Liechtl’schen Neubaus vor den
Ostenthore eine größere Anzahl von römischen Grabstätten bloßgelegt
wurde. Herr Pfarrer /Dahlem/ hat dieselben einer eingehenden
Untersuchung unterzogen; bei dieser Gelegenheit fand derselbe mehrere
Thongeschirre u. s. w., welche der Bauherr bereitwilligst dem
historischen Vereine schenkte. Dieselben wurden in jener Versammlung
vorgezeigt und von dem Herrn Vortragenden eingehend besprochen. Von
besonderem Intresse ist der Töpfername /Reginus/ auf einer Schale
von terra sigillata, der bisher in Bayern nicht vorgekommen war.
Hieran reihte der Herr Pfarrer sehr interessante Erörterungen über
die römischen Straßenzüge und Begräbnißplätze rings um Regensburg.
Namentlich wurde der östliche Beerdigungsplatz besprochen, der sich
vom östlichen römischen Thore beim Carmeliten-Bräuhause bis Alt-St.
Niclas sporadisch hinzog und vorzugsweise für Arme und Sklaven bestimmt
gewesen zu sein scheint.
32) Bei Gelegenheit der Arbeiten zur Wiedergewinnung der Teplitzer
Quellen wurden im Quellenhause verschiedene Münzen und sonstige
Alterthümer gefunden; unter den ersteren auch eine römische, woraus man
schließen will, daß schon zu Zeiten des Kaisers Hadrian die Thermen
bekannt und benützt waren.
33) Dem Berichte über die Thätigkeit der k. k. Central-Commission
für Kunst- und historische Denkmale im Jahre 1878 entnehmen wir die
Nachricht, daß bei Schluß von Ausgrabungen in D. Altenburg im Jahre
1878 eine kleine Badeanlage mit 3 Absiden, das Fundament eines größeren
Gebäudes, vielleicht des Prätoriums, ein ausgedehntes Leichenfeld,
die Anlage der Porta decumana mit den Grundmauern eines quadratischen
Thorthurmes bloßgelegt waren. Professor Hauser legte eine Fundkarte an,
in welche auch künftig alle zu Tage tretenden Funde eingetragen werden
sollen.
34) Zur Restauration der sehr schadhaften gothischen Kirche
zu Maria-Neustift in Steiermark sind je 1500 fl. ö. W. im
Staatsvoranschlag für 1880-81 eingestellt worden.
35) Aus dem in den Mittheilungen etc. enthaltenen vierten Berichte
über die Thätigkeit der Central-Commission für Erforschung und
Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale im Jahre 1878 erhalten
wir nachträglich Kunde über einen am 30. Oct. v. J. in Verbindung mit
mehreren Skeletten erhaltenen Fund von 30 Goldmünzen aus der Zeit vom
Schlusse des 13. bis Schluß des 14. Jhdts., der in Krems an einer
Stelle gemacht wurde, die als vormaliger israeliitscher Friedhof gilt,
und Münzen der Städte Florenz und Lübeck, ferner Albrechts I. v.
Oesterreich, Johanns von Luxemburg, des ungarischen Königs Karl Robert
(1308-42) und 12 Stück von dessen Sohn, Ludwig d. G. (1342-82) enthält.
36) /Görlitz./ Am 28. März wurden in der ehemaligen Küsterwohnung,
die vor einiger Zeit käuflich an Herrn Kaufmann /Burghardt/
übergegangen ist, beim Aufreißen des Fußbodens gegen 200 alte
Goldmünzen, wahrscheinlich aus der Zeit des Kaisers Sigismund,
aufgefunden. Dieselben sind noch ganz gut erhalten, haben zum Theil die
Größe eines jetzigen 5-Markstückes und sollen nach ungefährer Schätzung
einen Werth von einigen Tausend Thalern repräsentieren.
(Saxonia.)
37) /Cottbus./ Mitte März a. c. wurde in Lindau bei Neustädtel in
dem Garten des Herrn Gutsbesitzers Bürger ein /interessanter Fund
gemacht/. Zwei Dienstjungen fanden nämlich etwa 1-1/2 Fuß tief
in der Erde einen Topf, welcher beim Anfassen zerbarst und 18 alte
Silbermünzen, je von der Größe eines Fünf-Mark-Stückes, und 10 alte
Goldmünzen, wovon neun die Größe eines 1 Mark-Stückes und eine die
Größe eines 50-Pfennig-Stückes hatte, enthielt. Die Münzen sind in
den Jahren von 1618 bis 1649 geprägt worden und tragen auf dem Avers
verschiedene Namen, als: „Ferdinand II. König von Oesterreich, Philipp
I. König von Spanien und Indien, Valenzia“ und Andere.
(Saxonia, Nr. 7).
38) Die „/Historische Kommission der Provinz Sachsen/“ trat
in den herrlichen Räumen des neu erbauten Rathhauses zu Erfurt zu
ihrer 5. Sitzung zusammen. Die Verhandlungen gaben im Ganzen wie
im Einzelnen ein höchst erfreuliches Bild über die Thätigkeit und
die Erfolge der immerhin noch sehr jungen Institution. Während
des letzten Geschäftsjahres war nicht nur das Erscheinen zweier
neuer Bände der „Geschichtsquellen“: des von Direktor Holstein in
Geestemünde bearbeiteten Urkundenbuches des Klosters Berge und des
von Dr. Hertel übernommenen Urkundenbuches des Klosters U. L. Fr. in
Magdeburg, sowie die Ausgabe eines neuen in 500 Exemplaren namentlich
an die Schulen der Provinz vertheilten Neujahrsblattes, die von Dr.
Jacobs verfaßte Darstellung des Brockens in Sage und Geschichte
enthaltend, sondern auch die Eröffnung der weiter aussehenden, für
größere Kreise bestimmten und durch seine Ausstattung mit Abbildungen
sich empfehlenden Publikation der „Beschreibenden Darstellung der
älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz“ durch die Versendung
des ersten, die kunstgeschichtlichen Alterthümer des Kreises Zeitz
zur Darstellung bringenden Heftes zu verzeichnen. Nicht minder
günstige Aussichten konnten auch für das nunmehr beginnende Etatsjahr
eröffnet werden; denn schon befindet sich ein neues Heft des letzteren
Werkes, die Beschreibung der Denkmäler des Kreises Langensalza und
zwei Bände der Geschichtsquellen, der 2. Theil des Halberstädter
Stadt-Urkundenbuches von Direktor Schmidt und die Denkwürdigkeiten des
Halleschen Rathsmeisters M. Spittendorf, von Professor Opel bearbeitet,
unter der Presse, und sind ferner die Denkmälerbeschreibungen der
Kreise Weißenfels, Weißensee, Schleusingen, Mühlhausen und Worbis,
die Herausgabe der Erfurter Studenten- und Baccalaureenmatrikel
von 1392 bis 1500 durch Prof. Weißenborn und der Halberstädter
Kirchenvisitations-Protokolle von 1564 und 1589 nebst einer kurzen
Geschichte der Reformation in Halberstadt durch Superintendent Nebe
daselbst so weit gefördert, daß die Drucklegung derselben unmittelbar
nach Abschluß der obenbezeichneten Stücke in Angriff genommen wird.
Zur Wiedergabe einiger der hervorragendsten Miniaturen, mit denen die
Originale der Matrikeln Seite für Seite ausgeschmückt sind, wurde zudem
eine höchst ansehnliche Summe im Etat der Kommission ausgeworfen.
Daneben wird an der Herstellung des Manuskriptes zum Pfortaischen
Urkundenbuche und dem des Stiftes Naumburg rüstig weiter gearbeitet
und wurde nunmehr beschlossen, Verhandlungen über die Herausgabe
der Chronik des Erfurter Rathsmeisters Hartung Kammermeister mit
Dr. Reiche in Königsberg in der Neumark, über Bearbeitung eines
Eichsfeldischen Urkundenbuches mit Dr. Jäger in Duderstadt und
betreffs einer Veröffentlichung der Halleschen Schöppenbücher mit Dr.
Hertel in Magdeburg einzuleiten; vor allem aber gelang es, durch das
bereitwillige Eintreten der Hendelschen Buchhandlung eine geeignete
Grundlage zu gewinnen, durch die das Erscheinen von zwei Heften der
„vorgeschichtlichen Alterthümer“ bis zum 1. Oktober dieses Jahres
gesichert ist. Letzteres Werk ist dazu bestimmt, durch Wort und Bild
die vorzüglichen Resultate der bisher vorgenommenen Ausgrabungen
prähistorischer Grabstätten zur Anschauung zu bringen und verspricht
eine Reihe wichtiger Aufschlüsse über die ältesten ethnographischen
und Kulturverhältnisse unserer Heimat. Professor Klopfleisch wird
neben diesen Bearbeitungen auch die praktischen Ausgrabungen
weiter fortführen und für dieselben namentlich mehere durch die
landwirthschaftlichen und Kulturarbeiten bedrohte Punkte in Aussicht
nehmen. Selbstverständlich setzt Bauinspektor Sommer seine Vorarbeiten
für die Denkmälerbeschreibungen fort, während von nun an Pfarrer Otte
die endgültige Redaktion handhabt. Für den schnelleren Fortgang des
ganzen Unternehmens wird es von besonderer Wichtigkeit sein, daß sich
außerdem in höchst dankenswerther Weise Professor Müller in Magdeburg,
Superintendent Nebe in Halberstadt, Pfarrer Warnecke in Loburg, sowie
die Geschichtsvereine in Erfurt und Nordhausen zur Vornahme der
Vorarbeiten in den ihnen am nächsten liegenden Gebieten bereit erklärt
haben. Als Neujahrsblatt für 1880 wird Direktor Schmidt eine Abhandlung
über die „Halberstädter Schicht des Jahres 1423“ veröffentlichen,
auch traf die Kommission schon jetzt geeignete Maßnahmen, das in
den Juni 1880 fallende 200 jährige Jubiläum der Vereinigung des
Erzstiftes Magdeburg mit dem brandenburgischen Churstaate durch die
Veröffentlichung einer entsprechenden Festschrift zu begehen. Mit dem
Beschluß, mehrere kleinere Alterthümersammlungen anzukaufen, sowie mit
Besprechung einer Reihe innerer Angelegenheiten endete die reichhaltige
Sitzung unter lebhaftem Danke für die von Seiten der städtischen
Behörden gewordene freundliche Aufnahme, und es verband sich damit die
Hoffnung, daß die Kommission, wenn sie im Mai k. J. zu Merseburg zu
ihrer 6. Sitzung zusammentritt, auf eine gleich erfolgreiche Thätigkeit
zurückblicken werde, wie dieses Mal.
(D. Reichs-Anz., Nr. 85.)
Verantwortliche Redaction: Dr. /A. Essenwein/. Dr. /G. K.
Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei /U. E. Sebald/ in Nürnberg.
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Neue Folge. Sechsundzwanzigster Jahrgang.
[Illustration]
=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten
Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_
incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuss oder 6 _M_.
Für _Frankreich_ abonniert man in Paris, bei der deutschen
Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille; für _England_
bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
Anstalt des Museums, /F. A. Brockhaus/ in Leipzig, befördert.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
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