Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) by Various
3. d. Mts. wurde von Herrn Lehrer F. Borcherding eine Urne vorgezeigt,
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die derselbe für die städtische Sammlung in Bremen erworben hatte.
Dieselbe ist ziemlich gut erhalten, aus Thon an schwachem Feuer
gebrannt und, obwohl sie nicht auf der Drehscheibe hergestellt ist,
doch regelmäßig geformt und mit Buckeln und Linienornamenten sehr
geschmackvoll verziert. Neben verbrannten Menschenknochen fanden
sich darin ein aus 2 starken um einander gewundenen Bronzedrähten
hergestellter Armring, ein eisernes Messer von ungewöhnlicher Form
und eine eiserne Nadel. Die Urne stammt von dem bei Gelegenheit
der Sandgewinnung für den Bau der Blumenthaler Kirche auf dem der
Heidmann’schen Sommerwirthschaft zunächst gelegenen Grundstücke des
Herrn Gloistein aufgedeckten Urnenfriedhof. Es war dem Unterzeichneten
leider nicht vergönnt, diesen interessanten Friedhof zu untersuchen,
doch wurden die zuerst gefundenen Urnen von dem Besitzer für die
städtische Sammlung erworben und Herr Heidmann schenkte derselben
eine Urne von dem in seinen Besitz übergegangenen Grundstück. Auf dem
angrenzenden Terrain sind dann verschiedene Urnen beim Bau der Häuser
gefunden worden, von denen die Sammlung einige erworben hat, während
sich andere noch im Privatbesitz befinden sollen. Somit befindet sich
der größte Theil des Fundes in Bremen an einer Stelle, wo er den
Alterthumsforschern und dem sich dafür interessierenden Publikum zu
jeder Zeit zugänglich ist.
In den Urnen des Blumenthaler Friedhofes haben sich mancherlei Beigaben
gefunden, die jedoch durchweg schlecht erhalten sind, weil sie zugleich
mit den Leichen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Neben Messern
und Nägeln aus Eisen und Heften aus Knochen finden sich Spangen,
Pfriemen, Gürtelschnallen und Ringe aus Bronze, Glasperlen, eine Menge
verschmolzenen Glasschmelzes von grüner, rother, gelber und blauer
Farbe, sowie Stücke von Weihrauch. Die meisten Urnen sind geschmackvoll
mit Buckeln und eingedrückten Ornamenten versehen, doch finden sich
auch solche von einfacherer Form. Eine genauere Datierung des Fundes
ist erst nach sorgfältiger Vergleichung der Beigaben mit denen anderer
Urnenfriedhöfe möglich; doch ist schon jetzt mit Bestimmtheit zu sagen,
daß derselbe nicht älter als 1700 Jahre ist.
(Bremer Courier, Nr. 311.)
136) /Hohenhameln/, 28. Juli. Das bei der Windmühle von
Clauen jüngst aufgefundene /Leichenfeld/ ist gestern von dem
Studienrath Müller aus Hannover in Begleitung des Rechnungsraths
Dressel ebendaher und des Dr. med. Köhler von hier einer vorläufigen
Untersuchung unterzogen. Der Friedhof zeigt, wie man dem „Hann. Cour.“
schreibt, Verwandtschaft mit den bei Rosdorf in der Nähe von Göttingen
aufgedeckten Reihengräbern und fällt in das achte Jahrhundert nach
Christus. Bis jetzt sind 15 Skelette bloßgelegt, und zwar auf einem
Raume von circa 22 Fuß Länge und 4 Fuß Breite, so daß also die Lagerung
derselben eine ungemein dichte ist. Die Schädel zeigen den gewöhnlichen
Reihengräbertpyus. Die Todten sind in der Regel von Westen (Kopf) nach
Osten gestreckt, so daß sie mit dem Gesicht nach Osten gerichtet sind.
Doch zeigte sich abweichend auch ein Skelett fast in der Richtung von
Norden nach Süden. Sie lagern auf dem hier sehr mächtigen Kies unter
einer Humusschicht von 1 bis 1-1/2 Fuß und sind, nach dem bisherigen
Befunde, mit nur wenigen Beigaben ausgestattet. Ein Messer und eine
Schnalle von Eisen zeigen Rosdorfer Formen. Außerdem haben sich
Gefäßscherben und calcinierte Knochen gefunden. Die Erhaltung der
Gebeine ist, da der Boden lange die Feuchtigkeit hält, nicht besonders,
indessen hat Studienrath Müller auf Anordnung des Landesdirectoriums
die Vorbereitungen getroffen, das anscheinend früher nicht berührte
Leichenfeld allmählich -- dasselbe ist zur Zeit größtentheils bebaut --
in wissenschaftlicher Weise aufzudecken.
(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Gesch.-u. Alt.-Ver. Nr. 10.)
137) Am 3. October wurde der Reliquienschrein der hh. Ewaldi in St.
Cunibert in Köln feierlich eröffnet. Es fanden sich an Stoffen außer
der Umhüllung der Gebeine ein Stück Goldbrocat und eine Stickerei von
hohem Werthe, welche dem 13. Jahrh. anzugehören scheint. Dieselbe
ist 3,_{11} Meter lang, 0,_{83} Meter breit, aus drei Stücken
zusammengesetzt. Das Mittelstück besteht aus tiefblauem Leinen, die
beiden Seitenstücke, je 0,92 Meter lang, aus seegrünem Seidenstoff;
alle drei sind mit Stickerei von glänzender, mehrfarbiger Seide
in Platt- und Ketten-Stich bedeckt. Das Gewandstück scheint als
Schulter-Velum gedient zu haben und zeigt seinen größten Schmuck an
den beiden Endstücken, die beim Gebrauche vorn herunterhiengen und dem
entsprechend an ihrer untern Kante mit gelbseidenen Fransen besetzt
sind. Bildwerk und Arbeit sind an beiden Theilen von hoher Bedeutung
für die Kunstgeschichte und fordern deshalb eine genauere Beschreibung.
Das reichere Bild zeigt in prächtigem Rahmen die persönliche
Darstellung des Jahres, wie sie nachweislich seit dem 12. Jahrhundert
in der christlichen Kunst vorkommt. Hier haben wir ein Viereck mit
drei eingeschriebenen concentrischen Kreisen. Im innern Kreise sitzt
auf dem Regenbogen eine mit langem Gewande bekleidete Figur mit
gespaltenem Bart und ernstem Angesicht mit der Ueberschrift Annus (das
Jahr). Sie hält in den emporgehobenen Händen zwei weiße Köpfe. Der
Kopf links vom Beschauer trägt einen weißen Strahlenkranz und hat die
Ueberschrift Dies (Tag); der Kopf rechts mit rother Krone ist als Nox
(Nacht) bezeichnet. Der Kreis ist hinter der Figur durch ein gerades
und ein schräges goldenes Kreuz in acht Felder getheilt. Am Querbalken
des geraden Kreuzes stehen zu beiden Seiten je zwei flammende Räder,
entweder Sterne oder Zeichen des flüchtigen Jahres. Im zweiten,
umschriebenen Kreise entsprechen den Enden der Kreuzbalken acht kleine
Kreise mit Brustbildern ohne unterscheidende Symbole. Sie sind durch
Ueberschriften als Elemente und Jahreszeiten bezeichnet. An den Enden
des geraden Kreuzes stehen, von oben nach rechts folgend, Aër (Luft),
Ignis (Feuer), Terra (Erde), Aqua (Wasser). Zwischen Luft und Feuer
folgen in der Richtung nach rechts Autumnus (Herbst), Estas (Sommer),
Ver (Frühling), Hiemps (Winter). In den Zwickeln zwischen den Kreisen
und dem Rahmen sitzt unten links Neptun mit Fisch und Dreizack über
Wellen, und rechts Tellus mit Blumen und Früchten im aufrechtstehenden
Füllhorn auf der kräutersprießenden Erde. In den obern Zwickeln stehen
die mit dem Kreuze gekrönten griechischen Buchstaben Alpha und Omega,
der Anfang und das Ende, ein Sinnbild Christi. Damit ist dem ganzen
Bilde die christliche Deutung gegeben; hier haben wir die Schöpfung
nach Raum und Zeit, von Christus begonnen und vollendet, durch ihn
geschaffen und erlöset. Der eine starke Hand breite Rahmen setzt sich
aus einer Inschrift von großen gothischen Majuskeln zusammen aus
der Zeit vom 12. bis zum 13. Jahrhundert und einem außen und innen
herumlaufenden Rundbogenfriese. Die schönen Majuskeln entsprechen den
reichen Initialen der gleichzeitigen Handschriften. Der Körper der
Buchstaben tritt kräftig hervor und ist mit reichem Rankenwerk, an
einzelnen Stellen mit Thierköpfen belebt. Der Zeichner bewegte sich mit
großer Freiheit, so daß dieselben Buchstaben verschiedene Formen und
Ornamente zeigen. Die Inschrift lautet: POPVLVS Q CONSPICIT OMNIS ART
ELABORATV̅.
Der viereckige Rahmen ist auch hier sehr reich: innen und außen ein
Mäander als Saum, in der Mitte ein fortlaufendes, kreisförmiges
Ornament von der Größe der innern Handfläche. Der Kreis wird von zwei
Schlangen gebildet, welche in die Peripherie des folgenden Kreises
sich einbeißen und so die einzelnen Ornamente mit einander verbinden.
In den Schlangenkreisen stehen zwei Vögel mit herabhängenden Flügeln,
deren Hälse mit abgewendeten Köpfen einander umschlingen. Von Schnabel
und Schwanz gehen blattartige Ornamente aus, welche Kreise und
Zwischenräume mit reichem Rankenwerke beleben.
Das Mittelstück besteht aus tiefblauem Leinen, welches mit
orangefarbiger Seide theils mit Doppelkreuzen, theils mit
gebrochenen Linien in unregelmäßiger Form gestickt ist. Trotz dieser
Unregelmäßigkeit macht die glänzende Zeichnung auf mattem Grunde einen
festlichen Eindruck. Sehr schön und der Technik der Seitenstücke
ebenbürtig ist der Rand des Mittelstückes. Er besteht aus großen
Rosetten, welche aus je vier herzförmigen Bogen um einen Vierpaß
zusammengesetzt sind.
(Köln. Volksztg., Nr. 314.)
138) /München/, 8. November. Das Bayer. Nationalmuseum hat im
Laufe dieser Woche eine zwar etwas seltsame, aber in historischer und
künstlerischer Hinsicht sehr interessante Bereicherung erfahren. Es
sind /12 Zinnsärge aus der Fürstengruft von Lauingen/, welche
Herzog Wolfgang von Pfalz-Neuburg 1565 in der dortigen Pfarrkirche
hatte erbauen und darüber zum Andenken an seine 1563 dahingeschiedene
Mutter Elisabeth ein schönes Mausoleum hatte errichten lassen. Es
blieb dieses fortan die Begräbnißstätte der Pfalz-Neuburger Linie.
Im Jahre 1781 fand auf Befehl des Churfürsten Carl Theodor, da nach
München Anzeige erstattet worden war, daß man einige Särge erbrochen
und der Kleinodien theilweise beraubt gefunden habe, eine Eröffnung
und Untersuchung dieser Gruft durch einen Spezialhofkommissär
und viele zugezogene Zeugen statt, und wurden die an den Leichen
vorgefundenen Pretiosen zu Handen der Hofkommission genommen, nachdem
eine genaue Beschreibung des Befundes der Leichen in den einzelnen
Särgen stattgefunden hatte. Die Pretiosen wurden auf Befehl Carl
Theodor’s der Akademie der Wissenschaften zur Aufbewahrung übergeben,
von wo sie nach Gründung des Bayer. Nationalmuseums durch Baron
von Aretin in diese Sammlung verbracht wurden. Hier befinden sich
dieselben im Saale VI der Renaissanceabtheilung und dienen fortwährend
unseren modernen Goldschmieden als Muster und Vorbilder für ähnliche
Arbeiten. Im Jahre 1846 wurde die Gruft wiederholt eröffnet, da man
Senkungen des Gewölbes der Gruft wahrgenommen hatte, fand aber die
Särge theilweise ganz aufgerissen und in einer Unordnung, als wären
Räuber plündernd eingedrungen und hätten nach vollbrachter Plünderung
den Ort eiligst verlassen. Möglich, daß in den franzöischen Kriegen
eine Soldatenhorde die Gruft erbrochen und noch geraubt hat, was
zu rauben war. Die 1781 durch Einbalsamierung noch mumienartig
erhaltenen Leichen fand man jetzt in Staub und Asche versunken. Im
Jahre 1877 wurde auf höchsten Befehl die Vereinigung sämmtlicher
Gebeine in einen großen Steinsarkophag beschlossen, und der Direktor
des Bayer. Nationalmuseums, v. Hefner-Alteneck, erhielt den Auftrag,
die Särge noch einmal zu untersuchen und die kunstvoll gearbeiteten
für das Bayer. Nationalmuseum zu übernehmen. Bei dieser Gelegenheit
fand derselbe in einzelnen Särgen sowohl für Historienmaler, als für
die Geschichte der Textilindustrie höchst merkwürdige Ueberreste
von Prachtkostümen mit sehr reichen Dessins, die bis jetzt noch dem
Luftzuge ausgesetzt sind, um später neben jenen Kleinodien aufgestellt
zu werden. Die Zinnsärge selbst (es sind 5 große und 7 Kindersärge)
tragen meisterhafte Gravierungen, welche Inschriften, feinstilisierte
Wappen und Christusbilder darstellen. Trefflich sind auch die höchst
charakteristischen Bärenköpfe, welche die Ringe zum Tragen im Rachen
halten.
(Augsb. Postztg., Nr. 265 nach d. A. Abdztg).
139) Aus /Bacharach/, den 22. September, schreibt man der Coblenzer
Zeitung: Beim Reparieren eines Kellers fand ein Bauer hiesiger Gegend
etwa 50 Stück gut erhaltener Goldmünzen, alle in Blei verpackt, aus
den Jahren 1450-1520. Es sind sogenannte Goldgulden und von meist
verschiedener Prägung, darunter: mone. no. aurea stutgardi + ulricus.
dux i. wirtemberg: Stuttgarter Goldmünze vom Herzog Ulrich von
Würtemberg; mone. no. aurea 1508 + jacob. arch. ep. mo.: Goldmünze vom
Erzbischof Jacob von Mainz 1508; mone nova aurea bonne. [Symbol: großes
Pluszeichen] k. mat[457] elct. eccle. colon.: Goldmünze vom Kurfürsten
Karl Mathias von Köln, in Bonn geprägt; monet. nov. francf. 1500 +
maximilianus roma. rex.: Goldmünze von Maximilian, in Frankfurt geprägt
1500; moneta nova aurea comitis tyrol + sigism. archi. dux aust.:
Goldmünze der Grafschaft Tirol vom Erzherzog Sigismund von Oesterreich;
philip. pal. be. elect. impe. 1500 + ave (Maria gratia) eb. plena
dn. tecu.: Goldmünze vom kaiserliche Kurfürst Pfalzgraf Philipp dem
Edelmüthigen mit dem Bildniß der heiligen Maria und der Umschrift: Sei
gegrüßt, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir.
(Numism.-sphrag. Anzeiger., Nr. 10.)
140) Die Schletter’sche Buchhandlung in Breslau gibt bekannt, daß
sie ein Exemplar der ersten sog. September-Ausgabe der Luther’schen
Uebersetzung des Neuen Testamentes vom Jahre 1522 besitzt, in welchem
sich auf der Rückseite von Blatt CVII, auf dem leeren Papier unter
dem Schlusse der Apostelgeschichte, ein handschriftliches, 16zeiliges
Fragment einer nicht wörtlichen Uebersetzung von Matthaeus XXVI, 1
u. ff. in /niedersorbischer/ (/niederlausitzischer/) Sprache
befindet.
Soweit die durch dortige Fachgelehrte angestellten Untersuchungen
ergeben, sei dieses Fragment aus der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts, mithin älter, als das bekannte Manuscript der königlichen
Bibliothek zu Berlin, die Bibelübersetzung von 1560, die bisher für das
älteste Denkmal dieser Sprache galt.
Das Exemplar selbst ist durchaus vollständig und von den Angaben
Brunets (V, 754) und Eberts (No. 22661) dadurch abweichend, daß es
vor der Offenbarung ein leeres Blatt und in der Offenbarung statt der
erwähnten 20 blattgroßen Holzschnitte nach Lucas Kranach 21 enthält. Es
trägt Spuren des Gebrauches, ist von anderer alter Hand (ebenfalls 16.
Jahrh.) an mehreren Stellen beschrieben, mehrere Blätter ohne Verlust
eingerissen, und nur an einem Blatte fehlt ein kleines Stück des untern
Theiles eines Holzschnittes mit einem größeren des weißen Randes. Am
Schluß ziemlich stark wasserfleckig, am Anfang leicht wurmstichig. Die
Buchhandlung sieht Preisangeboten bis zum 1. December cur. entgegen.
141) Der ausgewählte Kunstnachlaß des als vorzüglicher Kunstkenner und
Sammler bekannten Kunsthändlers Wilhelm Eduard Drugulin in Leipzig, der
im Laufe dieses Jahres verstorben ist, wird durch die Kunsthandlung von
C. G. Börner in Leipzig am Montag, den 1. Decbr., und den folgenden
Tagen öffentlich versteigert. Der in der Officin des Verstorbenen in
bekannter meisterhafter Weise hergestellte Katalog, welcher durch den
Lichtdruck des altflorentinischen Niello: die Krönung und das Leben
der Maria, nach dem einzig bekannten, im Kataloge unter Nr. 1382
aufgeführtem Exemplare, geziert ist, enthält eine große Reihe kostbarer
Seltenheiten, meist von vorzüglicher Erhaltung, aus allen Schulen,
namentlich von alten Meistern; darunter sehr viele Ornamentstiche.
Wir heben aus dem reichen Inhalte besonders hervor die typographische
Ausgabe der Ars moriendi von Nicolaus Götz von Schlettstadt,
Buchdrucker in Cöln (1474-1478), von welcher außer diesem nur noch
2 Exemplare (leider beide im Auslande befindlich) bekannt sind; die
außerordentlich reichhaltige Collection von Stichen des Joh. Jak. de
Boissieu, welche nur ausgewählte, alte und schöne Abdrücke enthält;
die Radierungen von Allart van Everdingen; die seltene italienische
Ausgabe von Holbein’s Todtentanz (Lyon, 1549); das alte Testament mit
den ersten 4 Blättern des Todtentanzes und 90 biblischen Darstellungen
von Holbein (Leiden, 1539); einige vorzügliche Blätter von Israel van
Meckenen (darunter B. 148. 152. 178. 185); 50 Blätter Tarokkarten
von einem altvenetianischen Meister (Pass. V, 119-126); eine Reihe
italienischer Niellen; eine ausgezeichnete Sammlung von Blättern
Adrian von Ostade’s, welche Drugulin mit besonderer Vorliebe sammelte;
das Werk von Gg. Friedr. Schmidt, auf dessen Grundlage Drugulin
die Herausgabe eines beschreibenden Verzeichnisses beabsichtigte;
eine Anzahl schöner und seltener Blätter von Martin Schongauer;
die Radierungen von und nach Dav. Teniers, von welchen Drugulin
gleichfalls ein beschreibendes Verzeichniß herauszugeben beabsichtigte,
u. a. m. An das Verzeichniß der Kupferstiche reiht sich eine Anzahl
interessanter alter und neuer Kupferwerke und Kunstbücher, denen sich
die Handbibliothek des Verstorbenen, welche einen selten vorkommenden
Reichthum von Katalogen aufweist, anschließt. -- Der Kunstnachlaß
Drugulin’s, dessen Kataloge von Porträten und kulturgeschichtlichen
Blättern unentbehrliche Quellen für alle Sammler bilden, wird übrigens
durch diese Auktion nicht erschöpft; verschiedene, zum Theil sehr
umfangreiche Sammlungen: Porträte merkwürdiger, durch Lebensschicksale,
Thaten oder Unthaten berühmter oder berüchtigter Menschen, ferner
Karikaturen, kulturhistorische und fliegende Blätter, alte interessante
Ansichten, dann viele auf Preußen und speziell auf Berlin bezügliche
Darstellungen und endlich eine größere Anzahl alter minderwerthiger,
aber guter Kupferstiche, sowie schöner moderner Radierungen, sollen --
wo möglich, nach der Auktion -- im Ganzen, oder nach Materien getrennt,
aus freier Hand verkauft werden.
142) Der „deutsche Herold“ hat in Berlin eine Ausstellung eröffnet, die
eine Fülle interessanter, meist seltener Alterthümer aus den Gebieten
der Heraldik, Sphragistik und Genealogie umfaßt und auf’s neue auch
dem dortigen Publikum zeigt, auf welcher Höhe der Kunst ehemals die
heraldische Zeichnung wie Plastik standen, und daß Meister wie Dürer,
Holbein, die Beham u. A. kostbare heraldische Werke schufen, daß die
ersten Künstler ihrer Zeit im Mittelalter jene Siegel stachen, die uns
die wichtigsten Quellen für das Studium der Plastik jener Zeit, wie für
die Waffen- und Kostümgeschichte sind, wie kunstvoll die Ausstattung
der Stammbäume, der Stammbücher des 16.-18. Jahrh. erfolgte, und wie
der Schmuck der Gebrauchs- und Luxusgegenstände mit heraldischen
Darstellungen zu sinniger Verzierung führte.
FUSSNOTE:
[457: muß heißen: ma’, und ist von Hermann IV. v. Hessen geprägt. Ein
Kurfürst Karl Mathias hat nicht existiert.]
Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K.
/Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. /Sebald/ in Nürnberg.
ANZEIGER
FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Sechsundzwanzigster Jahrgang.
[Illustration]
=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten
Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_
incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuss oder 6 _M_.
Für _Frankreich_ abonniert man in Paris bei der deutschen
Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille; für _England_
bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
Anstalt des Museums, /F. A. Brockhaus/ in Leipzig, befördert.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
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